Studie zur Industriespionage: Jeder zweite deutsche Konzern wird ausgespäht

Der Schaden durch Industriespionage steigt: In Deutschland sind einer Studie zufolge nahezu die Hälfte aller Unternehmen davon betroffen. Längst wird nicht mehr nur China als Risikoland bewertet. Auch andere Länder beschaffen sich auf diesem Weg Know-how - mit immer dreisteren Methoden.

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Corbis

Risiko Spionage: 2012 rechnet die deutsche Wirtschaft mit Kosten von 4,2 Milliarden Euro

München - Die Späh-Software ist meist tief in den Computern von Mitarbeitern versteckt. Oft werden sich Firmen erst spät bewusst, wie sehr sie von dem Problem betroffen sind. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sind fast die Hälfte aller deutschen Unternehmen von Industriespionage bedroht. 20 Prozent aller Unternehmer haben schon einmal Spionageangriffe der Konkurrenz erlebt, weitere 33 Prozent bemerken einen Informationsabfluss aus dem Unternehmen, ohne die Spionage direkt belegen zu können.

Dies gehe der Zeitung zufolge aus einer Studie unter knapp 600 deutschen Unternehmen hervor, die die Münchner Sicherheitsfirma Corporate Trust, unterstützt vom TÜV Süd und der Internet-Sicherheitsfirma Brainloop, im Januar und Februar befragt hat. Ein Ergebnis: Der Schaden durch Spionage steigt. 2012 rechnet die deutsche Wirtschaft mit Kosten von 4,2 Milliarden Euro.

Dreist gewinnt

Längst wird bei der Wirtschaftsspionage nicht mehr nur China als Risikoland empfunden. Vor allem die ehemaligen GUS-Republiken sind aktiv, um wirtschaftliches Know-how für ihre Firmen zu beschaffen. Aber auch die USA sind mit Hilfe ihrer speziellen Abhörpraktiken weltweit immer gut im Bilde. Nicht nur was die Terrorabwehr betrifft, sondern gerade auch wenn es um Vorteile für die amerikanische Wirtschaft geht. Aber die Hälfte aller Unternehmen trifft nach Erkenntnissen der Spionageumfrage keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, wenn es Mitarbeiter zur Geschäftsreise ins Ausland schickt.

Die Studie belegt: Je dreister Spione vorgehen, desto weiter kommen sie. Dies geht so weit, dass die Wirtschaftsspione offiziell bei der Konkurrenz anfragen - als amerikanisches Research-Unternehmen getarnt, das eine Marktstudie vorbereitet. Die gute, alte Geheimdienstmethode, aus vielen Informationen ein Puzzlebild zusammenzusetzen, heißt heute "Social Engineering" - und wird immer häufiger angewendet. Die meisten Unternehmen sind darauf nicht vorbereitet. Deswegen entstehen am häufigsten Schäden durch eigene Mitarbeiter - zu 58 Prozent.

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insgesamt 4 Beiträge
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1.
alibaba2011 22.04.2012
...ja wieso denn ? .. ja, von wem denn...? ... ja, warum denn... ? Alle Türen sind doch so gesichert, überall stehen doch Security Guard´s! Ja wer macht den so was???
2. Industriespionage umgekehrt
sunrydz 22.04.2012
Die deutschen Unternehmen machen dies auch nicht anders. Siemens Mitarbeiter aus München weisen sich beispielsweise als argloses Studententeam aus, um an vertrauliche informationen zu gelangen: https://docs.google.com/file/d/0B9mUOc_5Df4mNWU5M2Q3ZjYtNDZhNi00ZTJmLWI1NWUtZGE1NmQ3YmQyMzVh/edit Ist Industriespionage Volkssport also?
3.
Häretiker 23.04.2012
Der größteTechnologiediebstahl der Menschheitsgeschichte hat nach dem zweiten Weltkrieg stattgefunden. Ich empfehle in diesem Zusammenhang das Buch "Unternehmen Patentraub" von Friedrich Georg. An Dreistigkeit wird dieser Raub wohl niemals überboten werden.
4. ...
eigene_meinung 23.04.2012
und bei manchen Firmen arbeitet offensichtlich der Vorstand in Wirklichkeit für die Konkurrenz in China oder Indien. Anders kann man sich die - offensichtlich der unterstellten Firma schadenden - Entscheidungen eines z. B. indischen CEO's nicht erklären.
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