Barclays Bankchef blamiert sich mit Whistleblower-Suche - Gehalt gekürzt

Weil er den Verfasser eines anonymen Beschwerdebriefs aufspüren wollte, wird dem Chef der britischen Großbank Barclays nun das Gehalt gekürzt. Zudem ermittelt die Finanzaufsicht gegen Jes Staley.

Jes Staley
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Jes Staley


Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Diese Erfahrung hat jetzt auch der Chef der britischen Großbank Barclays Chart zeigen, Jes Staley, gemacht. Weil er unerlaubt versuchte, den Autor eines anonymen Beschwerdebriefs herauszufinden, hat ihm die Bank den Bonus gekürzt. Zudem ermittelt die Finanzaufsicht des Landes gegen Staley.

Der Verwaltungsrat der Bank habe die Behörde informiert, nachdem das Gremium von Staleys Suche nach dem "Whistleblower" erfahren habe, teilte die Bank am Montag mit. Ein Mitarbeiter habe darauf aufmerksam gemacht. Eigene Untersuchungen hätten daraufhin ergeben, dass Staley "aufrichtig, aber fälschlich glaubte, dass es erlaubt sei, den Urheber des Briefes zu identifizieren". Der Autor sei weiter unbekannt.

Staleys werde abgemahnt und müsse mit einer "sehr deutlichen Gehaltskorrektur" bei seinem Bonus rechnen, er solle aber im Amt bleiben. Über die genaue Höhe werde der Verwaltungsrat entscheiden, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei.

Der Bankchef selbst erklärte, er habe seinen Fehler eingeräumt und sich beim Verwaltungsrat entschuldigt. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums, John McFarlane, erklärte, er sei persönlich sehr enttäuscht. "Ich bedaure den Fall, vor allem, weil wir unser Geschäft nach den höchsten ethischen Standards ausrichten." Nach Barclays-Angaben nehmen die Aufsichtsbehörden nun auch allgemein die Kontrollmechanismen bei der Bank und ihren Umgang mit dem "Whistleblowing" unter die Lupe. In vielen Unternehmen werden Mitarbeiter ausdrücklich ermutigt, auf Missstände hinzuweisen. Ihnen wird in der Regel zugesichert, dass sie dabei keine eigenen Nachteile befürchten müssen.

Nach Angaben der Bank hatten Mitglieder des Verwaltungsrats sowie ein Manager im Juni vergangenen Jahres anonyme Briefe erhalten, die sich über eine frisch eingestellte Führungskraft ausließen. Bankchef Staley erfuhr demnach davon und wollte mithilfe der Konzernsicherheit den Verfasser ausfindig machen.

man/Reuters/dpa/AP

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insgesamt 17 Beiträge
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noalk 10.04.2017
1. Ist das die journalistische Arbeitsweise?
Sich erst lang und breit über die Folgen eines Geschehens auslassen und erst ganz am Ende das Geschehene selbst schildern? Fällt mir nicht zum ersten Mal auf, Aber ich werde künftig erst den letzten Absatz eines Artikels lesen und dann vorne weitermachen.
Business Ethics 10.04.2017
2. Also lediglich Business as usual...
In einer großen deutschen Bank bekommen diejenigen, die sich (namentlich) an die Compliance Abteilung wenden, um auf Mißstände bzw. Unregelmäßigeiten hinzuweisen, Post nach Hause geschickt. Und dabei handelt es sich nicht um Liebesbriefe, denn danach suchen sie sich einen neuen Arbeitgeber. Wie man hier mit anonymen Hinweisen umgeht bzw. ob man versucht, den Verfasser zu identifizieren, weiß ich nicht. Also - ledigich Business as usual. Ach nein, stimmt ja gar nicht - dem Vorstand in Deutschland werden weder Gehalt noch Bonus gekürzt...
Shismar 10.04.2017
3. Schon richtig so
Die Nachricht ist die Kürzung des Bonus. Die Ursache nur Hintergrundinformation. Deshalb ist die Reihenfolge so vollkommen in Ordnung. Was sie suchen ist eine Reportage oder ein Märchen, wo alles von Anfang an erzählt wird. Das kann und will eine Nachricht nicht liefern. Zum Artikel, ich kann kaum glauben, dass niemand Herrn Staley gesagt hat, dass sein Vorgehen illegal ist. Bzw. zumindest gegen die Firmenrichtlinien verstößt. Aber ein gekürzter Bonus ist immerhin schon etwas. Boni sind den Bankern ja heilig.
noalk 10.04.2017
4. Finde ich nicht
Zitat von ShismarDie Nachricht ist die Kürzung des Bonus. Die Ursache nur Hintergrundinformation. Deshalb ist die Reihenfolge so vollkommen in Ordnung. Was sie suchen ist eine Reportage oder ein Märchen, wo alles von Anfang an erzählt wird. Das kann und will eine Nachricht nicht liefern. Zum Artikel, ich kann kaum glauben, dass niemand Herrn Staley gesagt hat, dass sein Vorgehen illegal ist. Bzw. zumindest gegen die Firmenrichtlinien verstößt. Aber ein gekürzter Bonus ist immerhin schon etwas. Boni sind den Bankern ja heilig.
Dann würde es reichen, nur die Überschrift zu verbreiten. In hier geschilderten Fall hätte es gereicht, den letzten Absatz hinter den ersten zu setzen.
cm1 10.04.2017
5. Lächerlich
Die Kürzung eines Bonus ist völlig unverhältnismäßig. Bei diesem Vergehen wäre eine Freistellung angemessen, um ein deutliches Zeichen zu setzen.
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