Düsseldorf - Der geplante Stellenabbau bei E.on nimmt konkrete Formen an: In der Konzernzentrale in Düsseldorf stehen nach Angaben des Unternehmens 40 bis 50 Prozent der insgesamt 800 Arbeitsplätze auf der Kippe. In einem internen Schreiben von Vorstandsmitglied Bernhard Reutersberg seien die Mitarbeiter von den möglichen Einsparungen unterrichtet worden, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag.
Als Orientierungspunkt für die Ausstattung von Konzernleitungen verwies Reutersberg vor allem auf andere vergleichbare Konzernzentralen, die mit deutlich weniger Mitarbeiter auskämen. Konkrete Angaben zu den Stellenstreichungen machte er aber nicht. Der Vorstand werde in dieser Frage weiterhin eng und vertrauensvoll mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten.
Anfang August hatte E.on-Chef Johannes Teyssen angekündigt, weltweit den Abbau von bis zu 11.000 der knapp 80.000 Arbeitsplätze zu prüfen. Die Hälfte der Einsparungen soll nach Angaben des Betriebsrats auf Deutschland entfallen. Seit der Ankündigung wird unter anderem über eine mögliche Schließung der E.on-Standorte in Hannover und München spekuliert. Auch die Zukunft der Zentrale von E.on Ruhrgas in Essen ist ungewiss. Teyssen will bis 2015 jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen.
Der Betriebsrat nannte das jetzt angekündigte Ausmaß des Stellenabbaus einen "Schock und in dieser Dimension unvorstellbar". Ver.di-Bundesvorstand Erhard Ott forderte den E.on-Vorstand auf, unverzüglich Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen. "Wir werden um die Arbeitsplätze kämpfen", kündigte er an.
"E.on-Mitarbeiter kein Ballast"
Es sei nicht akzeptabel, bei den Überlegungen zum Stellenabbau nur auf den Vergleich mit anderen Konzernzentralen zu bauen, betonten die Arbeitnehmervertreter. Es sei fahrlässig, lediglich ein Ziel zu setzen und keine Vorstellungen darüber zu haben, wie der Weg dorthin aussehen soll. "Der Vorstand verstärkt die Verunsicherung der Mitarbeiter", hieß es. Die Konzernzentrale sei in den vergangenen Jahren durch die Übernahme von anderen operativen Aufgaben vergrößert worden.
Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer wandte sich scharf gegen eine frühere Aussage von Reutersberg, in der er Mitarbeiter als "Ballast" bezeichnet haben soll. In einer Videobotschaft an alle E.on-Beschäftigten hatte der Manager laut Prüfer gesagt: "Bei der Administration gibt es Hinweise, das wir zu viele Kapazitäten vorhalten, zu viel an Ballast haben." Die E.on-Mitarbeiter "werden sich nicht als Ballast bezeichnen lassen", sagte Prüfer.
yes/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema E.on | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH