Johannes Teyssen zur Energiewende E.on-Chef fordert Hartz-IV-Zuschlag für Ökostrom

Durch die Energiewende steigen die Strompreise, das belastet vor allem die sozial Schwachen. Der E.on-Chef sieht die Regierung in der Pflicht: Johannes Teyssen fordert im Interview, die Hartz-IV-Pauschale für Elektrizität um einen Öko-Zuschlag zu ergänzen.

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Energiewende in der Pfalz: "Es ist noch nicht einmal klar, woran wir den Erfolg messen"
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Energiewende in der Pfalz: "Es ist noch nicht einmal klar, woran wir den Erfolg messen"


Düsseldorf - Genau ein Jahr und einen Tag ist die Energiewende alt. Doch seit das Bundeskabinett am 6. Juni 2011 das Ende des Atomzeitalters und den Beginn der Ökostrom-Ära ausrief, ist erschreckend wenig geschehen. Der Netzausbau hakt, eine EU-Richtlinie für mehr Energieeffizienz wird immer mehr aufgeweicht, und von den angestrebten 10.000 Hochsee-Windrädern stehen gerade ein paar Dutzend.

Bislang hat die Energiewende vor allem soziale Effekte: Die Strompreise steigen - und mit ihnen die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, denen die Stromzufuhr abgeklemmt wird, weil sie ihre Rechnung nicht mehr zahlen können.

Ein Unternehmen, das von dem Preisansteig profitiert, ist E.on, Deutschlands größter Energieversorger. Doch dessen Vorstandschef hält die Belastung der sozial Schwachen nach eigenen Angaben für nicht hinnehmbar. Ende März forderte er einen gesetzlichen Ausgleich. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview konkretisiert er nun seinen Vorschlag: "Ich schlage deshalb einen Ausgleich der staatlich verursachten Mehrkosten beim Strom vor", sagt Teyssen, "etwa für die Steigerung der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien".

SPIEGEL ONLINE: Herr Teyssen, bislang hat die Energiewende vor allem einen Effekt: Die Preise steigen. Wie teuer wird Strom in Deutschland noch?

Teyssen: Die entscheidende Frage ist: Wie teuer wird Strom im Vergleich mit anderen Staaten? Mich beunruhigt, dass Länder wie die USA durch billiges Gas die Stromkosten drücken und eine Reindustrialisierung anstreben, während die deutsche Industrie und die Bürger benachteiligt werden.

SPIEGEL ONLINE: Auch die Verbraucher leiden unter steigenden Strompreisen. Kürzlich haben Sie einen Ausgleich für die sozial Schwächeren gefordert. Wie soll das funktionieren?

Teyssen: Hartz-IV-Empfänger bekommen die Verteuerung ihrer Heizkosten in voller Höhe erstattet. Für die Strompreise gilt das nicht, dabei sind auch dies Kosten, denen Verbraucher kaum ausweichen können. Ich schlage deshalb einen Ausgleich der staatlich verursachten Mehrkosten beim Strom vor, etwa für die Steigerung der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien, die so genannte EEG-Umlage.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? Der Staat soll einspringen, weil E.on die Preise erhöht?

Teyssen: Es sind politische, nicht unternehmerische Entscheidungen gefallen, die Strom teurer machen. Jetzt kann die Regierung nicht sagen: "Damit haben wir nichts zu tun." Die EEG-Umlage wird für einen durchschnittlichen Haushalt schon im kommenden Jahr von etwa 100 Euro auf voraussichtlich bis zu 150 Euro steigen. Das ist für Menschen mit geringem Einkommen ein ernsthaftes Problem. Deshalb muss zumindest für Hartz-IV-Empfänger eine sozial verträgliche Lösung gefunden werden.

SPIEGEL ONLINE: Ein sozialer Ausgleich wäre natürlich auch für E.on angenehm. Sie müssen dann nicht in der Zeitung lesen, dass Hartz-IV-Empfänger es sich Ihretwegen nicht mehr leisten können, die Wäsche zu waschen.

Teyssen: Wenn die Solarindustrie Module ohne Ende verbaut, steigen die Kosten für Ökostrom. Für die nächsten 20 Jahre sind durch die Förderzusagen bereits mehr als 120 Milliarden Euro verplant. Das schlägt sich natürlich auch in den Strompreisen der Bürger und Betriebe nieder. Wenn Energieunternehmen - und zwar alle - deswegen die Strompreise erhöhen müssen, handeln sie im Auftrag des Staates. Kein Cent der EEG-Umlage landet in unserer Kasse.

SPIEGEL ONLINE: Einige hundert Firmen sind von den Kosten weitgehend befreit. Sie verbrauchen rund 18 Prozent des deutschen Stroms, zahlen aber nur 0,3 Prozent der Umlage für erneuerbare Energien. Die Bürger werden dadurch zusätzlich belastet. Ist das nicht auch unsozial?

Teyssen: Dieser Ausgleich fällt kaum ins Gewicht. Die Umlage für die Bürger würde um maximal 0,4 Cent pro Kilowattstunde sinken, würde man Vergünstigungen für die Industrie streichen. Bürger brauchen Jobs. Steigen die Stromkosten weiter, wird dieses Land irgendwann keine Autos und andere Güter mehr produzieren. Dann hätten die Bürger die geringfügig niedrigeren Strompreise teuer bezahlt.

SPIEGEL ONLINE: Zu Norbert Röttgen wurde Ihnen nie ein gutes Verhältnis nachgesagt. Waren Sie erleichtert, als der Umweltminister entlassen wurde?

Teyssen: Nein. Der Wechsel von Führungspersonal ist schlicht Normalität. Es ist ganz erstaunlich: Egal, wie wichtig man sich nimmt, man stellt irgendwann fest, dass sich die Erde auch ohne einen weiterdreht.

SPIEGEL ONLINE: Röttgen wird vorgeworfen, die Energiewende nicht schnell genug vorangetrieben zu haben. Blicken wir auf ein verlorenes Jahr zurück?

Teyssen: Wenn Sie Erfolg daran messen, wie sicher die Stromversorgung noch ist - dann war es ein verlorenes Jahr. Die Instabilität der Versorgung nimmt zu. Geht das so weiter, können irgendwann grundlegende Güter in Deutschland nicht mehr anständig produziert werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie knapp war es im vergangenen Jahr? Stand Deutschland tatsächlich kurz vor dem großen Blackout?

Teyssen: Es war häufiger sehr eng, zuletzt in den sehr kalten Februarwochen. Noch nie haben die Netzbetreiber so oft in die Steuerung der Kraftwerksleistung eingegriffen wie in den letzten zwölf Monaten. Und sie mussten dabei auf sehr alte und teilweise sehr schmutzige Kraftwerke zurückgreifen. Alle kommenden Entscheidungen zur Energiewende müssen deshalb dazu beitragen, dass die Sicherheit unserer Stromversorgung wieder zunimmt.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Hauptproblem der Energiewende?

Teyssen: Es ist noch nicht einmal klar, woran wir ihren Erfolg messen. Das führt zu absurden Verzerrungen: Wir hatten im vergangenen Jahr so viel Ökostrom wie noch nie in den Netzen - trotzdem ist der CO2-Ausstoß der deutschen Stromerzeugung gestiegen. Nennen Sie das Erfolg?

SPIEGEL ONLINE: Nutzt die Politik für die Energiewende die falschen Instrumente?

Teyssen: Sie nutzt zu viele Instrumente. Sie streitet darüber, wie viele Megawatt Photovoltaik wir brauchen oder welcher Kilometer Stromnetz als erster gebaut werden soll. Das Grundprinzip, dass alle Investitionen eine Minderung des CO2-Ausstoßes herbeiführen sollten, gerät völlig aus dem Fokus. Ich bezweifle, dass noch jemand die Energiewende steuert. Es gibt etliche Strategien, und jeder steuert in eine andere Richtung.

SPIEGEL ONLINE: Schuld ist also die Kanzlerin, die eigentlich die Richtung vorgeben sollte?

Teyssen: Die Kanzlerin hat die Energiewende zur Chefsache erklärt. Das halte ich für richtig. Quer durch alle Parteien und in der gesamten Gesellschaft beginnt eine Neubewertung. Das ist gut so. Alle Anzeichen aus Berlin deuten darauf hin, dass die Energiewende besser politisch koordiniert werden soll. Das unterstützen wir, wo immer wir können.

SPIEGEL ONLINE: Wie könnte eine bessere Energiepolitik aussehen?

Teyssen: Energiefördersysteme wie das deutsche EEG und Vorgaben zur Energieeffizienz müssen mit dem Emissionshandel harmonisiert werden. Eine solche Strategie ist nur auf europäischer Ebene möglich.

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Seite 1
sexobjekt, 07.06.2012
1.
Zitat von sysopDPADurch die Energiewende steigen die Strompreise, das belastet vor allem die sozial Schwachen. Der E.on-Chef sieht die Regierung in der Pflicht: Johannes Teyssen fordert im Interview, die Hartz-IV-Pauschale für Elektrizität um einen Öko-Zuschlag zu ergänzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,837087,00.html
ich wäre eher für einen Öko-Abschlag zu lasten der Energieversorger und zwar für alle!
EricCartman 07.06.2012
2. Ich glaub es hakt
Der Normalo darf alles blechen und die Sozialempfänger bekommen wieder Baksisch. Wenn dann soll der Staat den kompletten Strom subventionieren.
scsimodo 07.06.2012
3.
Zitat von sysopDPADurch die Energiewende steigen die Strompreise, das belastet vor allem die sozial Schwachen. Der E.on-Chef sieht die Regierung in der Pflicht: Johannes Teyssen fordert im Interview, die Hartz-IV-Pauschale für Elektrizität um einen Öko-Zuschlag zu ergänzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,837087,00.html
Ich fordere eine Überprüfung und ggfs. Kappung der Margen der Stromkonzerne und damit eine Strompreissenkung. Und wenn wir schon dabei sind ziehen wir das für die Mineralölkonzerne auch gleich noch durch.
genlok 07.06.2012
4. Titel
Zitat von sysopDPADurch die Energiewende steigen die Strompreise, das belastet vor allem die sozial Schwachen. Der E.on-Chef sieht die Regierung in der Pflicht: Johannes Teyssen fordert im Interview, die Hartz-IV-Pauschale für Elektrizität um einen Öko-Zuschlag zu ergänzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,837087,00.html
Ja das macht Sinn, es ist ja klar das H4ler überdurschnittlich vor dem Fernsehgerät sitzen. Der saugt halt Strom, auch der PC zum chatten der braucht auch jede Menge Strom. Obwohl wenn ich so darüber nachdenke, zu meiner Studentenzeit hatte ich weniger zur Verfügung als h4ler. Hatte auch keinen gescherrt.
neu_ab 07.06.2012
5. das gefällt mir
böhse Atomstrom-Kapitalisten sind als moralisch besser drauf als die grünen Abschaltfaschos, denen die ärmeren Leute absolut scheissegal sind, solange sie nur selbst ihre "bunten" Forderungen stellen können, Atomhysterie verbreiten & selbst fette Abgeordnetengehälter kassieren. Natürlich muß dieser Zusachlag kommen, damit die grünparanoide Atomkirche nicht eklatant vielen Leuten die Stromzufuht kosten wird.
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