Ex-Deutsche-Bank-Chef Ackermann soll Bank of Cyprus retten

Josef Ackermann, ehemaliger Deutsche-Bank-Chef, soll Präsident der Bank of Cyprus werden und bei dem krisengebeutelten Finanzinstitut die Wende schaffen. Angeheuert hat ihn wohl ein russischer Oligarch.

Ex-Deutsche-Bank-Chef-Ackermann: Neuer Job in Zypern
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Ex-Deutsche-Bank-Chef-Ackermann: Neuer Job in Zypern

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Hamburg - Am 20. November wird aus dem Rentner Josef Ackermann wieder der Banker Josef Ackermann. Dann nämlich sollen ihn die Aktionäre der schwer angeschlagenen Bank of Cyprus in den Verwaltungsrat wählen. So steht es auf der Tagesordnung der Hauptversammlung. Anschließend Soll Ackermann sogar zum Chef des Kontrollgremiums gekürt werden.

Der Job ist eine neuerliche Wende in Ackermanns Karriere. Eigentlich hatte sich der 66-Jährige im vergangenen Jahr aus fast allen Ämtern verabschiedet. Nach dem Suizid eines Vorstandsmitglieds war er als Verwaltungsratschef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich zurückgetreten. Kurz danach hatte er auch seine Aufsichtsratsmandate bei Siemens und Shell niedergelegt. Zuletzt hatte er dem "Handelsblatt Magazin" zusammen mit seiner Tochter ein Interview gegeben, in dem er über das Leben als Ruheständler sinnierte.

Doch so ganz will Ackermann offenbar doch nicht von der Finanzbühne abtreten. Der neue Job jedenfalls ist eine gewaltige Herausforderung. Die Bank of Cyprus stand Anfang 2013 im Zentrum der zyprischen Finanzkrise. Kunden mit Sparguthaben von mehr als 100.000 Euro verloren damals einen großen Teil ihrer Einlagen. Mittlerweile schreibt die Bank zwar wieder schwarze Zahlen, viele Probleme aber sind geblieben. Auch beim großen Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) war das Institut zuletzt durchgefallen. Inzwischen hat es die festgestellte Kapitallücke aber geschlossen.

"Riesige Telefonkartei"

Dass nun ausgerechnet Ackermann die Bank aus der Krise und womöglich zurück an die Börse führen soll, klingt nach Ironie des Schicksals. Schließlich rühren die Probleme der zyprischen Banken vor allem aus dem Schuldenschnitt Griechenlands im Jahr 2012 - den Ackermann als damaliger Präsident des Weltbankenverbands federführend mitverhandelt hat. Die vielen griechischen Staatsanleihen in den Bilanzen der zyprischen Banken verloren damals mit einem Schlag deutlich an Wert.

Auch der Schweizer selbst sieht seine neue Aufgabe offenbar in der Tradition seines Kampfes gegen die Euro-Krise. Es gehe ihm nicht zuletzt um eine "Fortsetzung seines Engagements für Europa", sagte ein Ackermann-Vertrauter SPIEGEL ONLINE.

Angeworben haben Ackermann offenbar zwei der reichsten Männer der Welt: Der russische Oligarch Wiktor Wexelberg und der US-Milliardär Wilbur Ross. Ross ist Chef einer Investorengruppe, die 360 Millionen Euro in die Bank of Cyprus gesteckt hat und mit 17 Prozent größter Einzelaktionär ist. An der Bank beteiligt ist auch Wexelbergs Renova Gruppe, bei der Ackermann ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt.

Ackermann habe "eine riesige Telefonkartei", sagte Ross der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie können sich vorstellen: Er kennt praktisch jeden in Europa, jeden in Osteuropa und viele Leute in den USA und anderswo."

Gut möglich, dass sich das Engagement bei der Bank of Cyprus auch finanziell noch einmal lohnen wird. Sollte das Institut unter Ackermanns Ägide tatsächlich saniert und zurück an die Börse gebracht werden, dürfte der Schweizer sich diesen Erfolg entsprechend bezahlen lassen.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
unixv 12.11.2014
1. kann er da ...
die Leitzinsen z.B. Manipulieren? ansonsten .. der falsche Mann am falschen Ort! Wo Ackermann hingehört ... würde nicht durch die Zensur kommen, leider!
goelzel 12.11.2014
2.
... und wenn es nicht klappt dann ruft er bei Mutti Merkel an, die hilft dann mit dem Geld der Angestellten der Bundes Republik Deutschland GmbH. Ist natürlich wichtig, dass "Investoren" gerettet werden.
the_eagle 12.11.2014
3. Kennt jeden!
Ist immer schön, wenn zwischen den Zeilen wenigstens Klartext gesprochen wird. Der Mann kann zwar nix, trifft fragwürdige Entscheidungen, aber dafür hat er reichlich Vitamin B am Start. So macht man Geschäfte. Leistung ist eben nicht gleich Leistung.
jakob p 12.11.2014
4. Bankenretten und Steuerzahler auf die Knie!
Die großen Zusammenhänge verstehen nur diejenigen, die die Finanzkatastrophe verursacht haben... ....also ich muss jetzt Unterhalt für meine Eltern zahlen und die Commerzbank mußte ich auch retten...Bin beim Spitzensteuersatz von 42 % angekommen aber der Fiskus sieht bei mir weitere zumutbare Belastungen gemäßen der steuerlichen Abgabenordnung...Achso ja die Comerzbank hat natürlich ein Steuer Sparmodell in Luxemburg, so wie die Bayern LB und die Landesbank Badenwürtemberg. Der ehemalige Chef der BayernLB ist übrigens gerade wegen Korruption an Herrn Haider auf zwei Jahre Gefängnis NATÜRLICH auf Bewährung verurteilt worden. Achso ja die BayernLB habe ich auch als Steuerzahler gestützt. Als damals die kleine Firma meines Vaters Konkurs machte hat sich die Hausbank übrigens seine Lebensversicherung gekrallt..Wie lange kann ich diesem Treiben als leistungsstarker Steurzahler ohne Sicht auf eine eigene finanzierbare Wohnung zusehen??? Obwohl ich am oberen Ende der Nahrungskette stehe, sehe ich mich bald zur Revolution genötigt. Beiträge zu schreiben ist nett aber keine Lösung. Meine Kraft für das Vaterland einzusetzen hat bald ein Ende...
pkokot1 12.11.2014
5. Gute Wahl.
Klar doch, Löhne und Gehälter niedrig halten, damit die Leute Kredite nehmen und die Banken am Leben halten. Diese Qualifikation hat er bereits in D bestens bewiesen.
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