Milliardenskandal: US-Senat wirft JP Morgan Vertuschung vor

Die Vorwürfe des US-Senats gegen JP Morgan wegen eines Milliardenskandals lesen sich wie eine Anklage. Die Großbank habe Risiken ignoriert, Anleger getäuscht, Regulierungsbehörden umgangen und Regeln verletzt. Man habe immer in gutem Glauben gehandelt, teilte das Management dagegen mit.

JP-Morgan-Zentrale: Ranghohe Manager seien informiert gewesen Zur Großansicht
AFP

JP-Morgan-Zentrale: Ranghohe Manager seien informiert gewesen

Washington - JP Morgan war lange der Musterschüler unter den amerikanischen Geldhäusern - doch wie wenig davon seit einem Milliardenskandal im vergangenen Jahr übrig ist, zeigte sich am Donnerstag im US-Senat. Ein Untersuchungsausschuss warf der Großbank massive Fehler vor: JP Morgan habe in extrem verlustreichen Derivategeschäften im vergangenen Jahr Risiken ignoriert, Anleger getäuscht, Regulierungsbehörden umgangen und Regeln verletzt.

Ranghohe Manager der Bank seien seit Monaten über die riskanten Derivate-Wetten informiert gewesen, die letztlich zu einem Verlust von 6,2 Milliarden Dollar bei der Bank geführt hätten, heißt es in einem Bericht des Untersuchungsausschusses. Sie hätten aber nichts unternommen, um die Händler zu zügeln.

Wegen ihrer breiten Aufstellung mit Investmentbanking, Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung hatte JP Morgan die Finanzkrise im Vergleich zu anderen Großbanken relativ schnell verdaut und erwarb sich einen Ruf als guter Risikomanager. Doch mit dem Handelsskandal 2012 verspielte sie das Vertrauen.

Händler in der Londoner Abteilung "Chief Investment Office" (CIO) hatten offenbar ohne große Kontrollen gigantische Handelspositionen aufbauen können. Bei mindestens einem der Mitarbeiter - Spitzname "der Wal" - ging die Rechnung nicht auf. Pikanterweise entstanden die Verluste ausgerechnet in Derivate-Absicherungsgeschäften, die eigentlich dazu dienen sollen, Einbußen im Handel zu begrenzen.

Eine Sprecherin von JP Morgan teilte dazu mit, die Bank habe wiederholt Fehler eingeräumt. Das Management habe aber immer in gutem Glauben gehandelt und niemals die Absicht gehabt, jemanden zu täuschen.

Großbanken müssen nach Stresstest nachbessern

Noch in anderer Hinsicht musste JP Morgan einstecken. Die US-Notenbank Fed forderte die Bank zusammen mit Goldman Sachs am Donnerstag dazu auf, nachzubessern und bis zum Ende des dritten Quartals neue Kapitalpläne vorzulegen. Generell wurden die Pläne aber akzeptiert.

Bei dem zweiten Teil des diesjährigen Stresstests standen die Kapitalpläne und Projektionen der Banken auf dem Prüfstand, dabei wurden vor allem etwa angestrebte Dividendenzahlungen sowie Aktienrückkäufe überprüft.

Zwei weitere Institute - Ally Financial INC. sowie die BB&T Corporation - fielen durch, ihre vorgelegten Kapitalpläne wurden abgelehnt. 14 der 18 überprüften Geldhäuser bestanden den Test, hieß es weiter.

Mit dem Stresstest wird die Gesundheit und Krisenfestigkeit der Banken überprüft. Die Fed will eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 verhindern, als taumelnde Finanzhäuser die Weltwirtschaft beinahe in den Abgrund stürzten.

Beim ersten Teil des Stresstests vergangene Woche kam die Fed zu dem Ergebnis, dass 17 der 18 wichtigsten Institute des Landes einen massiven Abschwung überstehen würden. Einzig die Geldreserven des Auto- und Hausfinanzierers Ally Financial rutschten im angenommenen Krisenszenario unter die geforderte Schwelle.

Die Banken hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Wirtschaftsszenarien verbessert, hieß es. Sie stünden von ihrer Kapitalausstattung besser da als vor der Finanzkrise 2008.

yes/Reuters/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Wenn einer Steuern in dieser Höhe hinterzieht
mischpot 15.03.2013
geht er bis zum SanktnimmerleinsTag in den Knast, macht das eine Bank, wird Sie von der Politik mit Steuerzahlermilliarden gerettet und die Bankster bekommen einen Bonus.
2.
gehfott 15.03.2013
Zitat von mischpotgeht er bis zum SanktnimmerleinsTag in den Knast, macht das eine Bank, wird Sie von der Politik mit Steuerzahlermilliarden gerettet und die Bankster bekommen einen Bonus.
Fügen Sie eigentlich nur Textbausteine in Ihre Beiträge ein? Lesen Sie die Artikel eigentlich auch komplett? Man hat das Gefühl, dass Sie nur auf Reizwörter wie "Bank", "Staat" reagieren und schon gehen Sie mit Ihnen durch, die Pferdlein.
3. na klar...
brandifax 15.03.2013
alles fein! sagt das Fed man kann die sache auch so sehen: http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/das-grosse-risiko-versteckspiel-wie-banken-ihre-risiken-klein-rechnen/6219734.html
4. Die Fed will eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 verhindern?
dapmr75 15.03.2013
Dann sollte die FED aufhören, 85 Mrd. Dollar im Monat zu drucken, Banken endlich korrekt beaufsichtigen und aufhören, sich in Märkte und Politik einzumischen. Aber das wahrscheinlich bleibt am Ende nur mein frommer Wunsch.
5. Gewaltkur
hannesR 15.03.2013
Egal wo, man muß endlich einige Banken mehr Pleitegehen lassen da man sie garnicht überwachen kann. Ihr Artikel zeigt deutlich, dass die Chefetagen Ihre eigen Strukturen nicht mehr kontrollieren können. Also ,, down the drain'' und dasliebe Geld in Infrastruktur Projekte gesteckt um die Wirtschaft anzukurbeln aber bitte bei strengster Absicherung gegen Korruption sonst ist nichts gewonnen.
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