Geschäfte mit Ramschhypotheken JP Morgan will sich mit elf Milliarden Dollar freikaufen

Die Finanzkrise holt die größte Bank der USA ein. Um mehrere Verfahren wegen umstrittener Hypothekendeals zu beenden, will JP Morgan Chase angeblich elf Milliarden Dollar zahlen. Es wäre die bisher höchste Strafe infolge des Crashs.

Zentrale von JP Morgan in New York: Größte Bank, höchste Strafe
REUTERS

Zentrale von JP Morgan in New York: Größte Bank, höchste Strafe


New York - Der Verkauf von umstrittenen Hypothekenpapieren vor der Finanzkrise hat voraussichtlich ein teures Nachspiel für die US-Großbank JP Morgan Chase. Das Geldhaus könnte sich aus den Ermittlungen des Bundes und der Bundesstaaten mit einer Vergleichszahlung von rund elf Milliarden Dollar freikaufen, berichten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei sollten sieben Milliarden Dollar in bar fließen. Weitere vier Milliarden Dollar entfielen auf finanzielle Erleichterungen, die JP Morgan seinen Kunden zugestehen sollte.

Die elf Milliarden Dollar wären fast so viel, wie die Bank im ersten Halbjahr 2013 verdient hat: Der Gewinn lag in diesem Zeitraum bei 13 Milliarden Dollar.

Die Verhandlungen sind aber offenbar noch nicht beendet. Der Gesamtbetrag könne sich noch ändern, hieß es. Laut "Wall Street Journal" feilschen Ermittler und Bank noch darum, welche Verfahren in den Deal einbezogen werden könnten. Sollten sich beide Seiten nicht einigen, könnte die US-Regierung Ernst machen und - wie angedroht - eine Zivilklage gegen die größte Bank des Landes einreichen.

JP Morgan werden Gesetzesverstöße bei dem Verkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere und riskanter Immobilienkredite im Zeitraum 2005 bis 2007 vorgeworfen.

Der Handel mit Hypothekenpapieren gilt als ein Auslöser der globalen Finanzkrise. Nach dem Platzen der Preisblase am US-Immobilienmarkt wurden die meisten mit Hypotheken besicherten Wertpapiere weitgehend wertlos und brachten ihren Besitzern hohe Verluste. Viele Banken gerieten in Schwierigkeiten. JP Morgan kam dagegen vergleichsweise gut durch die Krise.

Die US-Regierung geht gegen mehrere Finanzinstitute vor, um diese dafür zur Rechenschaft zu ziehen und sie an den Kosten der Krise zu beteiligen. Erst am Dienstag hatte die Regulierungsbehörde National Credit Union Administration in diesem Zusammenhang Anklage gegen JP Morgan, Morgan Stanley sowie sieben weitere Institute eingereicht.

JP Morgan steht unter besonderer Beobachtung. Erst in der vergangenen Woche hatte das Institut einen Vergleich mit amerikanischen und britischen Aufsehern im Spekulationsdebakel um den sogenannten "Wal von London" abgeschlossen. Dabei zahlt die Bank fast eine Milliarde Dollar. Auch bei den Ermittlungen zu Vorwürfen der Manipulation wichtiger Zinssätze sowie zu umstrittenen Geschäften im Rohstoffhandel gehört JP Morgan zu den betroffenen Geldhäusern. Zudem gab es zuletzt in China Korruptionsvorwürfe.

stk/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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sponnerd 26.09.2013
1. ...
---Zitat--- Die elf Milliarden Dollar wären fast so viel, wie die Bank im ersten Halbjahr 2013 verdient hat: Der Gewinn lag in diesem Zeitraum bei 13 Milliarden Dollar. ---Zitatende--- Mit anderen Worten: JP Morgan zahlt diesen Betrag aus der Portokasse! Ich bin ein grosser Verfechter der freien Marktwirtschaft, aber was sich die Banken leisten geht auf keine Kuhhaut! Sie kassieren Unsummen von ihren Kunden, die sie wiederum im Falle eines Falles über den Umweg der steuerfinanzierten Staatskasse aus dem Schlamassel ziehen! Man sollte die ganze Bande aufhängen!
frank1980 26.09.2013
2.
ein halb Jahres Gewinn für das Auslösen einer Jahrelangen Internationalen Krise hört sich für mich noch ziemlich günstig an.
h.s.aus.t 26.09.2013
3.
unfassbar...nur 11 Milliarden. Die Krise war wesentlich teurer und hat etlichen Menschen ihrer Existenz beraubt.
niealternativlos 26.09.2013
4. Beim inneren Wert der Währungen
ist das nur das Papier. Was sind denn 11 Milliarden FIAT Money wert ? nichts !
mapesa 26.09.2013
5. Peanuts
zahlen Sie wohl aus der portokasse wenn es weniger ist als ein Halbjahresgewinn.... Wäre doch ganz einfach.... Wert der verkauften Hypothekenpapiere zum Verkaufszeitpunkt- Wert der Papiere heute oder Anfang 2009 (Das billigere zu wählen) = Zahlbetrag von JP.... Ich gehe jede Wette ein dass das ca 10fach höher ist und sie hier billig rauskommen. Insgesamt ist die Auslösung der Finanzkrise die wlweit mehrere Billionen Euro vernichtet hat (also übeall ausser bei den Banken die sie sehenden Auges veräussert haben) gar nicht in Zahlen zu fassen und sicher auch nicht zahlbar. Anderes problem... warum düfen die Großbanken immer noch schalten und walten... Wenn die Krise eins gezeigt hat ist das doch dass wir uns systemrelevante Banken nicht mehr leisten können und die einzig logische Konsequenz wäre eine Zerschlagung
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