New York - Die Finanzkrise beschäftigt auch vier Jahre nach ihrem Ausbruch die US-Gerichte. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat gegen die US-Großbank JP Morgan Chase eine Klage wegen Betrugs eingereicht. Sie wirft der von JP Morgan übernommenen Investmentbank Bear Stearns vor, Investoren beim Kauf von Hypothekenpapieren belogen zu haben.
Den Anlegern soll vorgetäuscht worden sein, dass es sich bei den durch Immobilienhypotheken besicherten Wertpapieren um eine gute und sorgfältig zusammengestellte Anlage handle - in Wirklichkeit aber basierte sie auf Tausenden von faulen Hauskrediten. Die Käufer der Papiere erlitten riesige Verluste.
JP Morgan zeigte sich in einem Statement enttäuscht, dass die Staatsanwaltschaft der Bank nicht rechtzeitig die Gelegenheit gegeben habe, die Vorwürfe zu entkräften. Der Finanzkonzern gilt als Nutznießer der Finanzkrise, da er sich durch geschickte Zukäufe vergrößern konnte. So hatte JP Morgan im März 2008 mit Unterstützung der US-Notenbank den Konkurrenten Bear Stearns übernommen, um eine Insolvenz der Investmentbank zu verhindern. Bear Stearns war das erste größere Opfer der Krise auf dem US-Immobilienmarkt, die zur weltweiten Finanzkrise führte.
Einige US-Medien werteten den Vorstoß als Vorboten einer Klagewelle kurz vor der Präsidentschaftswahl Anfang November. US-Präsident Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, die Wall Street zu zügeln. Er trieb die Finanzmarktreform voran, den sogenannten Dodd-Frank-Act. Kritiker bezeichnen das Regelwerk jedoch als zu lasch. Im Januar hatte die Regierung zusätzlich eine Gruppe mit hochrangigen Ermittlern eingerichtet, die Betrug mit Hypothekenpapieren nachgehen sollten. Zu den Mitgliedern zählt auch der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman, der nun die Klage gegen JP Morgan eingereicht hat.
Seit Ausbruch der Krise laufen bereits zahlreiche Betrugsklagen, meistens von Investoren, die sich geprellt fühlen. Welche Folgen öffentliche Vorhaltungen wie jetzt bei JP Morgan haben können, hatte vor zwei Jahren die Investmentbank Goldman Sachs
zu spüren bekommen. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte ihr vorgeworfen, ebenfalls beim Verkauf von Hypothekenpapieren getäuscht zu haben. Über Wochen stand das Wall-Street-Haus in der Kritik. Am Ende zahlte Goldman in einem Vergleich 550 Millionen Dollar, um den Fall zu den Akten legen zu können.
yes/AFP/dpa
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