Spekulationsdesaster: US-Großbank fordert Boni von Managern zurück

Händler der US-Großbank JPMorgan haben sich im großen Stil verzockt, riskante Wetten an den Kapitalmärkten kosten das Kreditinstitut Milliarden. Nun will das Unternehmen einen Teil des Geldes zurückholen - von den eigenen Managern.

Zentrale von JPMorgan in New York: Bank stellt am Freitag Quartalsbilanz vor Zur Großansicht
AP

Zentrale von JPMorgan in New York: Bank stellt am Freitag Quartalsbilanz vor

New York - Die US-Großbank JPMorgan Chase will Manager für ein milliardenschweres Spekulationsdesaster zur Rechenschaft ziehen. Der Konzern plane in Aktien ausgezahlte Boni im Wert von mehreren Millionen Dollar von mindestens vier Londoner Top-Bankern zurückzufordern, berichtet das "Wall Street Journal". Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte Personen, die mit der Sache vertraut seien.

Demnach werden die Spekulationen das Ergebnis für das zweite Quartal mit gut fünf Milliarden Dollar belasten. Die Bank legt ihre aktuelle Bilanz am Freitag vor. Laut "Wall Street Journal" wird das Unternehmen dabei trotz der Einbußen einen Gewinn vermelden.

Die Londoner Händler der Bank waren riskante Wetten am Kapitalmarkt eingegangen und hatten am Ende verloren. Die Geschäfte liefen derart schief, dass Amerikas größtes Kreditinstitut sich im Mai gezwungen sah, vor einem Spekulationsverlust von mindestens zwei Milliarden Dollar zu warnen. Bankchef Jamie Dimon hatte früh einen schrittweisen Abbau der Positionen angekündigt - was weitere Verluste bedeuten könnte.

Laut "Wall Street Journal" dürfte JPMorgan Chart zeigen das Schlimmste mittlerweile hinter sich haben. Mit dem Rückzug sei das Institut schneller als erwartet vorangekommen. Zwischen 80 bis 90 Prozent der Spekulationspositionen seien bereits aufgelöst. Für den Rest dürfte maximal noch ein Verlust von einer Milliarde Dollar anfallen, aber auch Gewinne seien dafür nicht ausgeschlossen, sofern sich der Markt in eine für die Bank positive Richtung drehe.

cte/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Bestrafung solchen Verhaltens - gleiches Recht für alle
bewidis 11.07.2012
Ich glaube, die einzige Möglichkeit diesem unseeligen Treiben von sogenannten "Topmanager" Herr zu werden ist in der Tat, diese verantwortunglosen Bankangestellten, die mit dem Geld anderer Leute Monopoly spielen, persönlich zur Rechenschaft zu ziehen indem man an ihr Privatvermögen geht, sowie ihnen hinterher - wegen Unfähigkeit - Berufsverbot erteilt. Das gleiche gelte doch bitte auch in Deutschland, z.B., auch für Politiker, die als Marionetten von Bankern (Beispiel: Notheis - Mappus) Schaden am Volksvermögen anrichten. Warum haben wir nicht den Mut, warum gibt es hier keine Staatsanwälte, die ermitteln, warum lassen wir - als Souverän - uns dies alles nahezu wortlos und mit einfachem Kopfschütteln so gefallen? Das ist doch wohl mehr als nur ein Handtaschen-Diebstahl und eine Bestrafung solchen Verhaltens, mag es nun grob fahrlässig oder nur fahrlässig sein, liegt doch wohl in öffentlichem Interesse!
2. na klar !
Fackus 11.07.2012
Zitat von sysopAPHändler der US-Großbank JPMorgan haben sich im großen Stil verzockt, Riskante Wetten an den Kapitalmärkten kosten das Kreditinstitut Milliarden. Nun will das Unternehmen einen Teil des Geldes zurückholen - von den eigenen Managern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843757,00.html
und morgen kommt der Osterhase! Mal wieder einer dieser populistischen PR-Gags. Wenn einer der Verantwortlichen tatsächlich intern zur Verantwortung gezogen würde, wäre die Gefahr doch viel zu gross, dass der alle die Schweinereien nach draussen plaudert, von denen der Laden schliesslich lebt. Aber ehrenwert tun - das kost' ja nix.
3. Aber...
tyr-7 11.07.2012
...dann müssten die betroffenen Manager zum Ausgleich ja sicherlich ein Buch schreiben ."Mein Aufstieg bei...!" In diesen Büchern würden dann sicherlich auch Namen, Seilschaften, Vorgangsweisen etc. zu finden sein. Das will niemand und so bleibt es bei "gar fürchterlichen" Ermahnungen !
4. Vorzeichen
TheBear 11.07.2012
Zitat von sysopAPHändler der US-Großbank JPMorgan haben sich im großen Stil verzockt, Riskante Wetten an den Kapitalmärkten kosten das Kreditinstitut Milliarden. Nun will das Unternehmen einen Teil des Geldes zurückholen - von den eigenen Managern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,843757,00.html
Was für eine verquere Weise einen normalen Sachverhalt zu beschreiben. Schon auf der Grundschule lernt man, was ein Vorzeichen ist. Ueber die Relation Ergebnis Bonus kann man ja streiten (lineare Prozent, Quadratwurzel oder was auch immer) aber doch *bitte nicht das Vorzeichen vergessen!* Dann braucht man nicht so ein hässliches Wort "wie Geld zurückholen" zu benutzen.
5. Recht so !!
albertaugustin 11.07.2012
Endlich einmal eine positive Nachricht aus der Grossbanken-Szene. Es ist höchste Zeit, dass Bankinstitute das Geld von denen zurückholen die es in ihrer masslosen Hybris verzockt haben !!
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