50 Milliarden Dollar Schadensersatz Ex-Jukos-Chef Chodorkowski begrüßt Urteil gegen Russland

Genugtuung für Michail Chodorkowski: Der Ex-Chef des Ölkonzerns Jukos feiert den Sieg gegen die russische Regierung. Die ehemaligen Besitzer erhalten 50 Milliarden Dollar. Nur eins bedauert der frühere Oligarch.

Chodorkowski (Aufnahme aus dem Dezember 2013): "Es ist fantastisch"
DPA

Chodorkowski (Aufnahme aus dem Dezember 2013): "Es ist fantastisch"


Berlin/Tel Aviv/Moskau - Michail Chodorkowski hat sich zum aufsehenerregenden Jukos-Urteil geäußert. "Es ist fantastisch, dass den Jukos-Aktionären eine Chance auf Schadensersatz gegeben wird", sagte der ehemalige Besitzer des russischen Ölkonzerns.

Ein internationales Schiedsgericht in Den Haag hatte am Montag den russischen Staat verurteilt, den früheren Besitzern rund 50 Milliarden Dollar Schadensersatz zu zahlen. Chodorkowski selbst gehört aber nicht zu den Klägern.

Trotz seiner Freude äußerte Chodorkowski auch Kritik. "Es ist traurig, dass die Entschädigung aus der Staatskasse kommen wird und nicht aus den Taschen der Mafiosi mit Beziehungen zur Macht und aus denen von Wladimir Putins Oligarchen", sagte der Geschäftsmann. Der ehemalige Oligarch, der den damals größten Ölkonzern der Landes kontrollierte, gehörte in den ersten Amtsjahren Putins zu dessen Kritikern und wurde Ende 2003 verhaftet.

Danach war Jukos in einem undurchsichtigen Auktionsverfahren an staatliche Unternehmen unter Führung von Rosneft verkauft worden. Nach Ansicht des Schiedsgerichtshofs in Den Haag habe Moskau den Bankrott des einstigen Ölriesen aus politischen Motiven vorangetrieben, die Jukos-Aktionäre seien somit enteignet worden, teilte die Group Menatep Limited (GML) mit. Die GML hieß zuvor Menatep-Holding, diese hat ihren Sitz in Gibraltar, über sie kontrollierte Chodorkowski einst Jukos. Chodorkowski selbst war im Dezember 2013 aus dem Gefängnis entlassen worden und ließ sich danach in der Schweiz nieder.

Russland will Urteil anfechten

Der ehemalige Konzernchef sagte nach dem Urteil weiter, dass der Jukos-Fall damit zum ersten Mal von einem unabhängigen Gericht untersucht worden sei. Er sprach von einer "unverfrorenen Plünderung eines erfolgreichen Unternehmens durch eine Mafia mit Staatsverbindungen". Zugleich verwies er darauf, dass er selbst von dem Urteil keinen finanziellen Nutzen haben werde.

Die nun erfolgreichen Kläger zeigten sich zuversichtlich, das Geld auch zu bekommen. "Wir haben keinen Anlass zu der Vermutung, dass Russland seinen internationalen Verpflichtungen nicht nachkommt", sagte Klägeranwalt Emmanuel Gaillard. GML-Chef Tim Osborne sagte, es gebe eine Strategie, wie das Geld eingetrieben werden soll, die aber nicht veröffentlicht werde.

Auch der ehemalige Jukos-Vorstand Leonid Newslin äußerte sich zu dem Urteil. An ihn hatte Chodorkowski seinen Kontrollanteil an der Jukos-Holding nach seiner Verhaftung übertragen. Newslin setzte sich nach Israel ab und wäre mit seinem 70-Prozent-Anteil wohl der größte Nutznießer von Zahlungen aus Russland. Er sei sehr erfreut über die Entscheidung des Gerichts, teilte Newslin nun per E-Mail mit

Die russische Regierung will dagegen alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen, um ihre Position zu verteidigen, wie Außenminister Sergej Lawrow mitteilte. Beide Seiten haben das Recht, die Entscheidung vor einem ordentlichen niederländischen Gericht anzufechten.

fdi/dpa/Reuters/AFP

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redled 28.07.2014
1. Kapitalismus ist eine Mischung...
aus Illusion, Täuschung, Erpressung und Betrug;) Meine Mutter pflegte immer zu sagen: "Erst muss man das Geld haben und außer Sicht sein. Es gibt also eine Strategie, wie man die 50Milliarden eintreiben will? Die Öffentlichkeit darf das natürlich nicht erfahren, denn sonst könnte der gemeine Wähler auf die Idee kommen, dass diese Eintreibung eine Art von Erpressung wäre? Jetzt will man also gleich mehrere Figuren gleichzeitig auf dem Schachbrett bewegen und die Energieerpressungskarte spielen.
rickmarten 28.07.2014
2. Russlands Dummheit
Schiedsgerichte fungieren, wenn beide Seiten das zulassen. Russland kommt seine Oberflächlichkeit und sein Realitätsverlust noch teuer zu stehen. Lawrow spricht auch heute wieder von "Partnern" und "Kollegen", und meint damit westliche Länder, die Putin letztlich zu Fall bringen wollen. Die kommenden Sanktionen will Lawrow in vorauseilendem Gehorsam nicht beantworten da das für eine "Grossmacht unwürdig sei". Geschlagene Armeen sollen ja gut lernen. Oder ist Russlandeine Aunahme? Die Zeche zahlt sicher die russisch Bevölkerung, während es sich die Oberschich in ihrem schon peinlich nureichen Luxus weiter gut gehen lässt.
irrenderstreiter 28.07.2014
3.
"Es ist traurig, dass die Entschädigung aus der Staatskasse kommen wird und nicht aus den Taschen der Mafiosi mit Beziehungen zur Macht und aus denen von Wladimir Putins Oligarchen" - ich frage mich immer wie solche Menschen ticken. Er wird doch nicht vergessen haben, dass er selbst zu diesen Mafiosi gehörte und sein Vermögen nichht im Lotto gewann. Es ändert auch nichts, dass er ab 2003 den Saubermann gab.
OTTERBIENE 28.07.2014
4. schwarze tage für putin
aber er hat seine believer, die jetzt wohl eine intrige des haager schiedsgerichts konstruieren wollen.
jws1 28.07.2014
5. Das wird spannend
"Newslin setzte sich nach Israel ab". Da haben wir es wieder. Ich glaube nicht, dass Russland zahlen wird. Sollten sich westliche Institutionen an russischem Eigentum vergreifen, werden schon Möglichkeiten gefunden werden, dies zu beantworen.
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