Neues Nafta-Abkommen Trudeau will mit den USA verhandeln, aber Milchbauern schützen

Der kanadische Premierminister Trudeau steht einem neuen nordamerikanischen Freihandelsabkommen aufgeschlossen gegenüber - aber nur, wenn es "gut für Kanada ist". US-Präsident Trump braucht die Kanadier.

Donald Trump (r.), Justin Trudeau
AFP

Donald Trump (r.), Justin Trudeau


Kanada ist grundsätzlich bereit, mit den USA und Mexiko über eine Neuauflage des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta zu verhandeln. Das bestätigte Premierminister Justin Trudeau. Gleichzeitig sagte er den kanadischen Milchbauern aber auch weiterhin Unterstützung zu.

"Meine Position, wenn es um Versorgungsketten geht, hat sich nicht verändert", sagte Trudeau in Montreal. Die kanadische Milchindustrie wird durch vergleichsweise hohe Zölle geschützt. Die US-Regierung hatte gehofft, diese Zölle mit dem neuen Abkommen deutlich senken oder ganz abschaffen zu können.

"Wir werden nur ein Abkommen unterzeichnen, das gut für Kanada und die kanadische Mittelschicht ist", sagte Trudeau. Die positiven Gespräche zwischen den USA und Mexiko, das seit 1994 bestehende Nafta-Abkommen neu aufzulegen, hätten ihn "ermutigt". Seine Außenministerin Chrystia Freeland werde sich bei den anstehenden Verhandlungen in Washington "positiv und konstruktiv einbringen".

Kanadas Außenministerin kündigt Gespräche ab Mittwoch an

Mexiko habe erfreulicherweise Kompromissbereitschaft bei den Mindestlöhnen im Automobilbereich gezeigt, sagte Freeland. "Das ebnet den Weg für substanzielle und, wie ich hoffe, produktive Diskussionen, die wir mit den Vereinigten Staaten in dieser Woche haben werden."

Freeland war am Dienstag von Deutschland aus nach Washington geflogen und leitet dort die kanadische Verhandlungsdelegation. "Wir suchen stets nach Gebieten, wo ein Win-Win-Win-Kompromiss gefunden werden kann", sagte sie nach einem Treffen mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Washington. "Detaillierte" Gespräche mit dem Ziel, eine weitere Drei-Länder-Vereinbarung zu erreichen, würden am Mittwoch beginnen.

Chrystia Freeland in Washington
REUTERS

Chrystia Freeland in Washington

Unterdessen gerät US-Präsident Donald Trump wegen seines bereits geschlossenen Deals mit Mexiko im eigenen Land unter Druck. Sowohl Demokraten als auch Republikaner sagten, für eine bilaterale Einigung mit Mexiko bedürfe es der Zustimmung des Kongresses. Nur wenn sich Kanada anschließt und aus dem bilateralen ein trilaterales Abkommen wird, reicht die einfache Mehrheit im Senat.

Senator Ron Wyden bemängelte, dass bislang nur "sehr wenige Details" über den Mexiko-Deal bekannt seien. "Es gibt ernsthafte Zweifel, ob die Einigung überhaupt umsetzbar ist", sagte Wyden. "Wir sind weit von einer Klärung entfernt, und Tatsache ist, dass wir ohne die Kanadier eigentlich nichts machen können."

mmm/aar/dpa/Reuters



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.