Juwelierbranche: Trübsinn bei Tiffany

Von Ann Zimmerman, Wall Street Journal Deutschland

Audrey Hepburn im Film "Frühstück bei Tiffany": Als die Glitzerwelt noch heil war Zur Großansicht
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Audrey Hepburn im Film "Frühstück bei Tiffany": Als die Glitzerwelt noch heil war

Wer den Namen Tiffany hört, denkt sofort an Diamanten - und an den berühmten Film. Doch um seinen Gewinn aufzupolieren, ist das amerikanische Juweliergeschäft inzwischen auf das Geschäft mit schnödem Silberschmuck angewiesen. Und das geht derzeit alles andere als glänzend.

Silberschmuck wie zum Beispiel Ketten mit Herzanhängern oder schlüsselförmige Anhänger spielen seit längerem eine wichtige Rolle für das Geschäft der Juwelierkette Tiffany. So können auch weniger wohlhabende Kunden eine der berühmten Boxen mit dem Schriftzug mit nach Hause nehmen. Das Unternehmen machte im Jahr 2011 ein Viertel seines Umsatzes in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) mit Silber - was eine höhere Gewinnmarge bringt als Diamanten und Co.

Einen Tiffany-Ring mit Diamanten können sich nicht viele leisten. Inzwischen spielt das Geschäft mit Modeschmuck für den bekannten amerikanischen Juwelier eine große Rolle.

Doch im vergangenen Jahr konnte Tiffany deutlich weniger Silberschmuck verkaufen. Das lag zum Teil an der schwachen Wirtschaftslage, aber auch daran, dass die Kollektion nicht schnell genug erneuert wurde. Zudem kämpft das Unternehmen mit der Konkurrenz und billigen Imitaten. Gelbe Diamanten und edle Verlobungsringe laufen bei Tiffany immer noch gut - der Markt für Luxusprodukte ist recht stabil. Doch das konnte die Verluste im Silbergeschäft nicht ausgleichen.

Der Gewinn in den ersten neun Monaten 2012 fiel um neun Prozent auf 237 Millionen Dollar. Im vierten Quartal 2012 konnte Tiffany den Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht steigern. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Start ins neue Jahr holprig wird und das Geschäft erst in der zweiten Jahreshälfte wieder anzieht.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.

Vor zehn Jahren hatte die Juwelierkette das Problem, dass ihr Silberschmuck besonders bei Teenagern beliebt war. Weil das dem Management von Tiffany aus Imagegründen nicht passte, wurden die Preise kräftig angehoben. Nun steht Vorstandschef Michael Kowalski, der das Unternehmen seit 13 Jahren führt, wieder vor der Frage, wie das Verhältnis von erschwinglichen Produkten und Luxusschmuck aussehen sollte, damit sich die Gewinne stabilisieren.

"Die Marke wird weiter auf edlen Schmuck setzen, doch auch der Modeschmuckbereich muss wachsen", sagte Kowalski kürzlich bei einem Interview. Dass sein Unternehmen im Silbergeschäft Probleme hat, liege daran, dass viele Amerikaner mit mittleren Einkommen die schwache Wirtschaftslage zu spüren bekämen, sagt der Chef. Er geht davon aus, dass das Geschäft in besseren Zeiten wieder anzieht.

"Was günstigeren Schmuck betrifft, hat Tiffany die Trends verpasst"

Das sehen einige Einzelhandelsanalysten anders. Sie glauben, dass Tiffany zu langsam bei Designänderungen ist. "Was günstigeren Schmuck betrifft, hat Tiffany die Trends verpasst", sagt Brian Nagel von der Investmentbank Oppenheimer & Co. Das Unternehmen leidet laut Beobachtern auch darunter, dass es kaum Sonderangebote macht - während die Konkurrenz auch mal mit den Preisen nach unten geht.

Tiffany versuche, mehr aufwendig designten Modeschmuck anzubieten, erklärt Unternehmenschef Kowalski. Damit sollen Kunden angelockt werden, die sich nach bezahlbarem Luxus sehnen. Außerdem will man die die Konkurrenz davon abhalten, die Produkte zu imitieren. Zu den neuen Produkten gehört eine Legierung aus Gold, Silber und Kupfer namens Rubedo. Den günstigsten Anhänger aus dem pinkgefärbten Metall gibt es für 250 Dollar.

Tiffany plant für dieses Frühjahr auch eine Art-déco-Kollektion aus Silber, Onyx und Perlen. Eine günstigere Alternative zum Platin- und Diamantenschmuck im Stil der zwanziger Jahre, den das Unternehmen zur Neuauflage des Films "Der Große Gatsby", der bei den Festspielen in Cannes im Mai gezeigt wird, entworfen hat.

Einen weiteren Grund dafür, dass Tiffany derzeit so zu kämpfen hat, sehen Analysten darin, dass es der Juwelier verpasst hat, seinen Anteil im gewinnbringenden Geschäft mit Uhren auszubauen.

Vor vier Jahren ging Tiffany eine 20 Jahre dauernde Zusammenarbeit mit dem weltweit größten Uhrenhersteller Swatch ein. Bis zum Ende der Partnerschaft sollten Uhren für zehn Prozent des Umsatzes aufkommen. Im vergangenen Jahr waren es aber nur zwei Prozent. Ein Jahr zuvor hatte Swatch den Vertrag mit Tiffany beendet. Der Schweizer Uhrenhersteller hatte dem Juwelier vorgeworfen, bei der Werbung und dem Start neuer Produkte zu langsam zu sein und strengte ein Schiedsgerichtsverfahren in den Niederlanden an. Tiffany reichte eine Gegenklage ein: Swatch habe nicht dafür gesorgt, dass die Uhren auch bei anderen Einzelhändlern angeboten wurden. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Wer mal da war, weiß warum.
Gluehweintrinker 24.03.2013
Tiffany - wer immer nach New York reist, guckt sich diesen mitfarbenen Laden auf der Fifth Avenue an. Ich natürlich auch. Was für eine öde Überraschung.... Eine Theke reiht sich an die andere, Theken über Theken, ein mintblauer (was sonst?) textiler Bodenbelag, der zu diesem Zeitpunkt den Begriff "Auslegeware" kaum verdiente, voller Flecken. Ein Angestellter (oder Leiharbeiter) der sich redlich bemühte, festgetretene Kaugummis mit Kältespray schockzufrosten und danach abzuknibbeln. Geschmackvolle Deskoration? Etwas das den Namen "Ambiente" verdient? Fehlanzeige. Es ist wie so vieles in den USA: eine Hochglanzfassade und kaum etwas dahinter. Kulissen eben wie in Hollywood. Wer sollte denn glauben, dass Schmuckdesign in den USA gelingen könnte, in einem Land, das immer noch Schulbusse mit einem Technikkonzept von 1937 über die Schlaglochpisten rumpeln lässt, Waschmaschinen wie vor 100 Jahren benutzt und Krankenversicherung für Sozialismus hält...? Ja, da sind auch noch die tollen Beispiele wie Apple, Hollister, Abercrombie, Ebay, Facebook und und und.... warum ist das alles so erfolgreich? Ich nehme an, weil die meisten glauben, wenn es aus Amerika stammt, müsse es innovativ sein - bis sie mal selbst hinreisen, am besten mehr als nur einmal. Wer einmal im Hotel den Lichtschalter der Tischlampe (die mit dem vasenartigen Porzellanfuß) suchte, der weiß: Miss Kitty aus dem Saloon von "Rauchende Colts" hatte eine Petroleumlampe - und in den Köpfen der Amis lebt sie weiter. Seufz.
2.
Oinkidoink 24.03.2013
Zitat von sysopWer den Namen Tiffany hört, denkt sofort an Diamanten - und an den berühmten Film. Doch um seinen Gewinn aufzupolieren, ist das amerikanische Juweliergeschäft inzwischen auf das Geschäft mit schnöden Silberschmuck angewiesen. Und das geht derzeit alles andere als glänzend. Juwelierbranche: Tiffany setzt auf Modeschmuck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/juwelierbranche-tiffany-setzt-auf-modeschmuck-a-890491.html)
oooch, läuft das Geschäft mit Diamantschmuck nicht mehr so dolle? Sind die Leute endlich darauf gekommen, dass sie seit Jahrzehnten zum Narren gehalten werden, was die Preise angeht?
3.
janne2109 24.03.2013
Zitat von GluehweintrinkerTiffany - wer immer nach New York reist, guckt sich diesen mitfarbenen Laden auf der Fifth Avenue an. Ich natürlich auch. Was für eine öde Überraschung.... Eine Theke reiht sich an die andere, Theken über Theken, ein mintblauer (was sonst?) textiler Bodenbelag, der zu diesem Zeitpunkt den Begriff "Auslegeware" kaum verdiente, voller Flecken. Ein Angestellter (oder Leiharbeiter) der sich redlich bemühte, festgetretene Kaugummis mit Kältespray schockzufrosten und danach abzuknibbeln. Geschmackvolle Deskoration? Etwas das den Namen "Ambiente" verdient? Fehlanzeige. Es ist wie so vieles in den USA: eine Hochglanzfassade und kaum etwas dahinter. Kulissen eben wie in Hollywood. Wer sollte denn glauben, dass Schmuckdesign in den USA gelingen könnte, in einem Land, das immer noch Schulbusse mit einem Technikkonzept von 1937 über die Schlaglochpisten rumpeln lässt, Waschmaschinen wie vor 100 Jahren benutzt und Krankenversicherung für Sozialismus hält...? Ja, da sind auch noch die tollen Beispiele wie Apple, Hollister, Abercrombie, Ebay, Facebook und und und.... warum ist das alles so erfolgreich? Ich nehme an, weil die meisten glauben, wenn es aus Amerika stammt, müsse es innovativ sein - bis sie mal selbst hinreisen, am besten mehr als nur einmal. Wer einmal im Hotel den Lichtschalter der Tischlampe (die mit dem vasenartigen Porzellanfuß) suchte, der weiß: Miss Kitty aus dem Saloon von "Rauchende Colts" hatte eine Petroleumlampe - und in den Köpfen der Amis lebt sie weiter. Seufz.
seufz seufz....., schade schade, dass Sie in den Theken ( die leider zu überpreisten) Schmuckstücke nicht gesehen haben. ach ja Spon, die silbernen Herzen als Ketten-oder Schlüsselanhänger gibt es schon seit mehr als 40 Jahren.
4. Wen interessiert das ?
quark@mailinator.com 24.03.2013
Der ganze Diamantenmarkt ist ein Kartell. Darüber (und die Rolle Rußlands) hätte man einen vernünftigen Artikel machen können. Statt dessen schreibt man über die Margen dieser lächerlichen Verkaufsbude. Nehmen wir an, sie ginge morgen Pleite ? Na und ? Dann werden die gleichen Waren von irgendwem anders verkauft. Mitunter frage ich mich echt, wozu bestimmte Artikel überhaupt verfast werden.
5. Luxus für Opa
tourbillon 24.03.2013
Da reiht sich Tiffany ein in die Reihe von Luxuslabels ein, die aus der Mode gekommen sind, wie Versace, Rolex oder Bvlgari.
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