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Umwelt: K+S soll bei Entsorgungsantrag getrickst haben

Von Steffen Winter

Radlader im Kaliwerk Werra: Massives Entsorgungsproblem Zur Großansicht
DPA

Radlader im Kaliwerk Werra: Massives Entsorgungsproblem

Manipulationsvorwurf gegen den Düngemittelkonzern K+S: Um Lauge vergraben zu können, soll das Unternehmen in seinem Antrag wichtige Informationen unterschlagen haben.

Gegen den Kasseler Düngemittelkonzern K+S wurde Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Gewässerverunreinigung im besonders schweren Fall erstattet.

Der Anwalt der betroffenen thüringischen Gemeinde Gerstungen, der auch eine Bürgerinitiative im Werratal und einen Naturschutzverein vertritt, verdächtigt den Dax-Konzern gegenüber der Staatsanwaltschaft Kassel, "bewusst und vorsätzlich" Unterlagen manipuliert zu haben.

Hintergrund ist die Versenkung salzhaltiger Produktionsabwässer im hessisch-thüringischen Grenzgebiet. Seit Jahren sind die Auswirkungen dieser Praxis umstritten, Ende November lief die bisherige Genehmigung des Regierungspräsidiums Kassel aus. K+S beantragte eine Verlängerung, die nach Ansicht des Anwalts Alexander Reitinger Manipulationen enthält.

Der Konzern hatte ein 3D-Grundwassermodell vorgelegt, das die Unbedenklichkeit der Salzwasser-Versenkung nachweisen sollte. Gutachter zweifeln die Prognosefähigkeit dieses Modells für die komplizierten Vorgänge im Untergrund an. In der Anzeige wird darauf hingewiesen, dass etwa relevante Daten wie Hangquellen, Vorfluter und Störungszonen dem Konzern zwar bekannt gewesen seien, diese aber nicht in das Modell eingestellt wurden. Dies sei unterlassen worden, um "die Gefährdung der Trinkwasserversorgung zu verschleiern".

Seit Monaten ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft Meiningen in Sachen Salzlauge gegen K+S wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit Abfällen. Es kam zu zahlreichen Durchsuchungen, unter anderem am Konzernsitz in Kassel. Auslöser war auch in diesem Fall eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen. K+S erklärte dazu lediglich, mit den Ermittlern in vollem Umfang kooperieren zu wollen.

Den jetzt erhobenen Vorwurf der Manipulation weist der Konzern entschieden zurück. Man habe "ein wahrheitsgemäßes Bild der Gegebenheiten im Untergrund" gezeichnet, so ein K+S-Sprecher. Die verwendeten Daten reichten bis zu 90 Jahre zurück. Wegen der ausstehenden Genehmigung für neue Versenkungen hat der Konzern ein massives Entsorgungsproblem.

Das Unternehmen kündigte an, die Produktion an den Standorten Hattorf (Kreis Hersfeld-Rotenburg) und Unterbreizbach (Wartburgkreis) wohl vorübergehend auszusetzen.

Schein-Idylle pur: Einem schneebedeckten Gipfel gleich liegt der 250 Meter hohe "Monte Kali" hinter dem nordosthessischen Heringen im Werratal. Die Abraumhalde besteht aus Salzabfällen des Düngemittelherstellers K+S.

Mit dem Regen wird das Salz in den Boden gespült. Doch nicht nur das: Seine flüssigen Rückstände schüttet K+S direkt in die Werra - jährlich rund elf Millionen Kubikmeter.

K+S baut im Werra-Tal Kalisalz ab, um daraus Dünger zu gewinnen. Doch nur ein Drittel des zutage geförderten Rohsalzes können verarbeitet werden. Der Abfall ist Kochsalz.

Schon jetzt gilt die Werra deshalb als salzigster Fluss Europas und auch das Grundwasser am Werra-Standort ist bedroht. Seit längerem fordern Umweltschützer daher den Bau einer Pipeline, die das Salz zur Nordsee leitet. Zu teuer, meint K+S.

Nicht nur die Werra kämpft gegen die salzige Last, sondern ein Gebiet bis an die Nordsee. Selbst das 400 Kilometer entfernte Bremen spürt noch die Folgen des Kaliabbaus.

Besonders pikant: Generell wäre es K+S möglich, weniger Salzabfall produzieren. Doch die dafür erforderlichen technischen Verfahren sind kostspielig.

Der Konzern mit Sitz in Kassel verweist auf sein 360-Millionen-Maßnahmenpaket, mit dem mehrere moderne Aufbereitungsverfahren an den Werra-Standorten eingeführt werden sollen. Nicht genug, sagen Umweltschützer.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Gewinnmaximierung geht über alles...
zinobln 16.12.2015
und an diesem Prinzip der freien Marktwirtschaft muss festgehalten werden. Investiert wird nur da wo sich die Investition schnell verdoppelt, verdreifacht usw. Gibt es überhaupt noch Unternehmen die sich verantwortlich für ihr handeln fühlen? Die Banken zocken, Autokonzerne und die meisten anderen Branchen manipulieren, vertuschen, halten die Hände auf etc. Sind wir eigentlich nur noch von skrupellosen Strauchdieben in Nadelstreifen umgeben und will Deutschland nicht immer die Nr. 1 im Umweltschutz sein?
2. Einfach bei Karl Marx nachzulesen
ptb29 16.12.2015
ab einem bestimmten Profit existiert kein Verbrechen, vor dem der Kapitalist zurückschreckt. (Kurzform) Bei welchem Konzern wollen wir anfangen?
3. Keine Sorge
dipl.inge83 16.12.2015
Das nette RP Kassel hat bisher sämtliche Wünsche von K+S durchgewunken und wird dies auch künftig tun. Ansonsten wird mit Arbeitsplatzabbau gedroht und da gehen Politikern, insbesondere regionalen, ganz schnell die Gegenargumente aus.
4. Keine Phantasie
frenchie3 16.12.2015
Die im Kalibergbau verlorenen Stellen kann man ersetzen indem man in der Werra Shrimps züchtet. Denn durch die Abraumhalden ist die Nordseewasserqaulität noch auf Jahrhunderte gesichert
5.
eternal 16.12.2015
Es ist wirklich vorbildlich wie tausende Menschen in ganz Deutschland immer schön drauf hauen, ohne sich zuvor auch nur 5 Minuten zu informieren. Redaktion die voneinander fehlerhaft abschreiben und die große Schlagzeile wollen, genauso wie Politiker die ihr Statement bringen, ohne überhaupt zu wissen auf welcher Karte sie suchen müssen. Was im Fall k+s derzeit abgezogen wird ist einfach nur erbärmlich, wenn man die Geschehnisse direkt vor Ort kennt. Pressemitteilungen der Gemeinde Gerstungen widersprechen sich selbst, massiv Verbesserungen und Erfolge der letzten Jahre werden unter den Tisch gekehrt. Das Thema war unter der EU Kommission 2014 bereits im Interesse aller geklärt, aber nun nutzen diverse Politiker die Situation einer zu spät eingereichten Ergänzung um sich zu profilieren. Und dabei wird blind in Kauf genommen die Existenzgrundlage einer Region in der Größe eines Landkreis zu zerstören. Das hier niemanden an einer wirklichen Lösung interessiert ist, zeigen schon die zahlreichen polemischen Kommentare. Warum wird nichtmal mit Zahlen und Daten argumentiert? Warum behauptet zb Gerstungen das in den letzten Jahren nichts passiert sei, rechnet aber selbst mit Zahlen, die eine Halbierung der abwassermenge belegen? Warum wird unter den Tisch gekehrt, dass es bereits eine Abmachung gab, das die Versenkung 2021 eingestellt wird? Dass allein 2016 weitere 1,5 Millionen m3 Wasser eingespart werden sollten. Hier wird so getan als wenn die Landschaft eine verseuchte postapokalyptische Ödnis ist. Bei aller Liebe zum Gewässerschutz, was hier gerade abgezogen wird, ist einfach nur erbärmlich und absolut kontraproduktiv.
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