Kabinettsbeschluss Mehr Wettbewerb soll Gas-Markt aufmischen

Seit 2006 ist der Markt liberalisiert, doch Gas ist so teuer wie zuvor. Nun will die Bundesregierung neue Anbieter stärken - und erhofft sich davon sinkende Preise.

Gaszähler: Liberalisierung führte bislang nicht zu sinkenden Preisen
ddp

Gaszähler: Liberalisierung führte bislang nicht zu sinkenden Preisen


Berlin - Gaskunden sollen bald aus einer größeren Zahl von Anbietern auswählen können. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine Verordnung, mit der neue Gasanbieter sich besser am Markt behaupten könnten, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. So soll die Zahl der Marktgebiete bis zum Jahr 2013 von heute sechs auf zwei verringert werden. Die Marktgebiete zersplittern die Gas-Landschaft in Deutschland und machen es neuen Anbietern vor allem schwer, bundesweite Angebote zu starten.

Zudem sollen künftig die Kapazitäten der deutschen Gasnetze frei versteigert werden. Hier will die Regierung neue Anbieter leichter zum Zuge kommen lassen. Bisher sind die Kapazitäten der Netze oft auf lange Zeit von angestammten Versorgern ausgebucht. Außerdem soll es Betreibern von Gaskraftwerken künftig erleichtert werden, ihre Produktion in die Gasnetze von Konkurrenten einzuspeisen.

"Ich erwarte, dass die neue Gasnetzzugangsverordnung zu deutlich mehr Bewegung auf dem bisher recht trägen deutschen Gasmarkt führt - auch zum Nutzen der Verbraucher", erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP).

Der Gasmarkt ist seit dem 1. Oktober 2006 liberalisiert. Seitdem werden die Kunden nicht mehr zwingend vom etablierten Versorger beliefert. Auch Wettbewerber können mit ihren Angeboten neue Kunden werben. Die Herrschaft der angestammten Versorger über die Gasnetze und die Zersplitterung des Markts hatten aber von Beginn an zu einer schleppenden Öffnung des Marktes geführt.

Seit Jahren versucht die Bundesregierung, mit Nachbesserungen den neuen Wettbewerbern zu einer besseren Stellung zu verhelfen, um günstige Angebote zu ermöglichen. Inzwischen haben Verbraucher in vielen Regionen zwar eine größere Auswahl an Gasanbietern, die Preise aber sind kaum gesunken.

fdi/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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jos4711 18.08.2010
1. Gaskraftwerke
"Außerdem soll es Betreibern von Gaskraftwerken künftig erleichtert werden, ihre Produktion in die Gasnetze von Konkurrenten einzuspeisen. " Ich weiß zwar nicht, was da genau geplant ist; der Satz ist aber ganz sicher falsch! Gaskraftwerke verbrennen Gas und produzieren Strom; speisen aber ganz sicher kein Gas ins Netz.
silenced 19.08.2010
2. <->
Noch mehr Wettbewerb? Das führt wieder nur zu steigenden Preisen und mehr Tochterunternehmen von den 'großen' Konzernen um 'Wettbewerb' vorzugaukeln. So ein Unfug. "Der Markt wird es schon richten" sagt man immer, aber wenn er es mal richtet, dann wird gegengesteuert und alles 'gerettet' oder 'noch mehr vermarktet'. Bäh.
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