"Kärchern"-Äußerung im Wahlkampf Kärcher schickt Protestbrief an Sarkozy

Seit 2005 schwelt der Konflikt: Nun beschwert sich die Firma Kärcher erneut bei Nicolas Sarkozy - weil er im französischen Wahlkampf wieder von "kärchern" spricht.

Nicolas Sarkozy
AFP

Nicolas Sarkozy


Das schwäbische Familienunternehmen Kärcher hat einen Mahnbrief an den französischen Präsidentschaftsanwärter Nicolas Sarkozy und seine Konkurrenten aus allen Lagern geschickt. Darin warnt der Hersteller von Hochdruckreinigern aus dem baden-württembergischen Winnenden vor "einer Zweckentfremdung der Marke" Kärcher und dem Gebrauch von Wortschöpfungen wie "kärchern".

Hintergrund sind Äußerungen Sarkozys aus dem Juni 2005. Damals war Sarkozy Innenminister. Nach einer Schießerei unter verfeindeten Jugendbanden in der Trabantensiedlung La Courneuve bei Paris hatte er den Ort besucht und gesagt, er werde sie "mit dem Kärcher reinigen" und damit "das Pack" beseitigen.

Im Oktober und November des Jahres kam es dann zu gewalttätigen Unruhen im Großraum Paris, die sich dann auf weitere Städte ausweiteten. Sarkozy wurde durch seine Law-and-order-Parolen zur Hassfigur der Jugendlichen.

Jüngst sagte der konservative Politiker in einem Interview, er sei "stolz" auf seine Äußerungen. Er wolle auch im Fall einer Wiederwahl im Frühjahr 2017 hart gegen die Gewalt in Vorstädten vorgehen.

Seit längerem gleichbedeutend mit "klar Schiff machen"

Ein Firmensprecher von Kärcher sagte der Nachrichtenagentur AFP, man wolle einen "Missbrauch" des Namens verhindern. Der Ausdruck "mit dem Kärcher reinigen" werde in Frankreich schon seit längerem gleichbedeutend mit "klar Schiff machen" oder "ausmisten" gebraucht, aber erst Sarkozy habe ihn in die politische Debatte eingeführt.

In dem Brief von Kärcher an die Präsidentschaftsanwärter heißt es: "Dieser Gebrauch verfälscht unsere Marke und fügt unserem Unternehmen und seinem Image Schaden zu." Der Sprecher betonte, es gehe auch um Respekt vor den Kunden und den Mitarbeitern der Firma.

Das Schreiben machte ein Mitarbeiter des konservativen Präsidentschaftsanwärters Alain Juppé öffentlich, der den Brief ebenfalls erhielt. Dessen rechte Hand Gilles Boyer antwortete Kärcher auf Twitter: "Ich verstehe ihre Sorge, aber ich glaube, es gibt einen Fehler beim Adressaten :)". Juppé gilt als wichtigster Konkurrent Sarkozys und vertritt eine gemäßigte Linie.

Die Firma Kärcher hatte bereits unter Sarkozys Präsidentschaft mehrfach gegen den Gebrauch ihres Namens für politische Zwecke protestiert. Allerdings erfolglos: Im Jahr 2010 antwortete die zuständige Staatssekretärin Fadela Amara, sie verstehe die Aufregung nicht: "Das ist Gratis-Werbung, und außerdem heißt das, dass ihre Produkte effizient und von guter Qualität sind."

Auf den neuerlichen Brief an die französischen Präsidentschaftsanwärter hat Kärcher nach Aussage des Sprechers noch keine Antwort aus dem Sarkozy-Lager bekommen.

msc/AFP



insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Europa! 19.10.2016
1. Schlaue Schwaben
Sarkozy hat natürlich recht. Die Probleme mit den Banlieus müssen bereinigt werden, ggf. auch mit Hochdruck. Andererseits ist es verständlich, wenn Kärcher dagegen protestiert, damit in Verbindung gebracht zu werden. Schließlich ist es eine brave deutsche Firma. Und obendrein erzielt sie mit dem Protest noch eine verstärkende Wirkung: Jetzt weiß jeder, dass die Geräte von Kärcher effizient und die Angehörigen der Firmenleitung politisch korrekt sind. Da kann VW noch was lernen.
genugistgenug 19.10.2016
2. Kärcher lizensiert 'kärchern' und schickt eine Rechnung
An Kärcher - wieso seid ihr so unflexibel - eure Produkte sind da viel flexibler! Unser Vorschlag (coypright): 1. bietet Lizensen für 'kärchern' an 2. schickt eine dicke, fette Rechnung oder schickt eine noch dickere, fettere Abmahnung Oder fragt den Söder wie er sein 'södern/Gesödere' wegbekam ;-) PS für die Nutzung des Ratschlages würden wir uns über ein neues Gerät freuen, danke
Andreas1979 19.10.2016
3. OK in der Wortwahl hatte Sakrozy recht,
doch dafür ein Unternehmen benennen ist nicht richtig. Alle Menschen die anderen Weh tun, Egal ob es um Zugehörigkeit geht, oder um Habgier ist für mich das was Sakrozy sagte.
m.m.s. 20.10.2016
4.
Nicht schlecht, auch für den deutschen Sprachgebrauch. Würde das aber eher mit "Ausräumen" oder "Ganz Saubermachen" verbinden.
pille! 20.10.2016
5. so geht das!
Meine Damen und Herren in Wolfsburg, da in Baden-Württemberg, da hat man wohl in der Schule aufgepasst....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.