Nach Kaiser's-Tengelmann-Deal 700 neue Jobs bei Edeka und Rewe

Zwei Jahre hat der Übernahmekampf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gedauert, jetzt haben die Beschäftigten der Gewerkschaft Ver.di zufolge Sicherheit. Zudem müssen Edeka und Rewe neue Jobs schaffen.

Betriebsversammlung bei Kaiser's Tengelmann (Archiv)
DPA

Betriebsversammlung bei Kaiser's Tengelmann (Archiv)


Nach der Einigung zur Zukunft der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann müssen Edeka und Rewe neues Personal einstellen. "Vereinbart ist, dass sie auf den Beschäftigtenstand von Ende 2015 zurückkehren", sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske der Nachrichtenagentur dpa. Das bedeute rund 700 Arbeitsplätze mehr, als es derzeit in Filialen und Zentralen gibt. Während des Übernahmekampfs war die Mitarbeiterzahl reduziert worden.

Mit der Einigung der vergangenen Woche sind mehr als 15.000 Arbeitsplätze für zumindest fünf Jahre so gut wie gerettet. "Für die Beschäftigten gibt es viele gute Gründe, entspannt auf die Weihnachtstage zu blicken - mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes auf Jahre hinaus", sagte Bsirske. Zweifel der Belegschaft an der endgültigen Einigung könne er verstehen, aber ausräumen. Der unterschriftsreife Vertrag muss zwar noch vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft werden. Aber Bsirske betonte: "Ich gehe davon aus, dass die Finalisierung in Kürze erfolgt."

Der Vereinbarung zufolge übernimmt Marktführer Edeka alle Filialen von Kaiser's Tengelmann und reicht unter anderem 62 Kaiser's-Geschäfte in Berlin an den Konkurrenten Rewe weiter.

Dank an Gabriel

"Am Ende bin ich wirklich zufrieden", sagte Bsirske zu den Verhandlungen. "Das war ein richtiger Erfolg." Der Gewerkschafter hatte in den Gesprächen nach eigenen Worten "vermittelt, wo es ging" und galt als ehrlicher Makler. Zu verdanken sei die Einigung aber maßgeblich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), betonte der Ver.di-Chef. "Sein Einsatz ist sehr, sehr hoch zu bewerten. Herr Gabriel verdient hohe Anerkennung und Respekt aus Sicht der Beschäftigten und der Gewerkschaft."

Der Wirtschaftsminister hatte durch eine Ministererlaubnis das Veto des Bundeskartellamts gegen den geplanten Verkauf von Kaiser's Tengelmann an Edeka ausgehebelt. Die Ausnahmegenehmigung war auf Antrag unter anderem des Konkurrenten Rewe zwar gerichtlich gestoppt worden. Dann hatte man sich aber auf den Kompromiss geeinigt. Dafür soll Rewe seine Klage fallen lassen.

Letztlich gebe es bei dem Deal nur Gewinner, sagte Bsirske. Auch die Verbraucher, die künftig mancherorts weniger Auswahl unter den Supermärkten haben werden, könne man nicht Verlierer nennen. "Kaiser's Tengelmann hat im deutschen Einzelhandel nur einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Die Gesamtwirkung sollte man nicht überbewerten", sagte Bsirske.

nck/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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kumi-ori 07.12.2016
1.
Ich verstand die ganze Aufregung von Anfang an nicht. Wenn Rewe und Tengelmann mehr Filialen möchten, warum eröffnen sie nicht enfach welche? Ganz generell kann es eine Überversorgung an Einkaufsmöglichkeiten nicht geben, denn viele Läden halten die Kunden beim Einkauf in ihrem Viertel und gewöhnen sie daran, vor Ort einzukaufen. Es entsteht nicht so sehr Konkurrenz als vielmehr ein kuscheliger Nestwärme-Effekt unter den Läden, wenn die Straße sich in den Köpfen der Bewohner zur Einkaufsmeile wandelt. Dann profitieren alle davon.
zweiter 07.12.2016
2. Dreiste, wählerverachtende Fehldarstellung von Gabriels Rolle durch Bsirske -
Was jetzt umgesetzt wird, ist 1:1 die von Beginn an vom Kartellamt geforderte Aufteilung der Filialen an mehrere Wettbewerber um eine, mit 40% Anteil marktbeherrschende Stellung von EDEKA zu verhindern und damit genau das Gegenteil von dem Verkauf und Verbleib aller Filialen bei EDEKA der in Gabriels rechtswidriger Ministererlaubnis genehmigt wurde.
homann5 07.12.2016
3.
Zitat von zweiterWas jetzt umgesetzt wird, ist 1:1 die von Beginn an vom Kartellamt geforderte Aufteilung der Filialen an mehrere Wettbewerber um eine, mit 40% Anteil marktbeherrschende Stellung von EDEKA zu verhindern und damit genau das Gegenteil von dem Verkauf und Verbleib aller Filialen bei EDEKA der in Gabriels rechtswidriger Ministererlaubnis genehmigt wurde.
Richtig, jetzt wird der völlig unsinnige Vorschlag des Bundeskartellamts umgesetzt. Leider hat man es dort nicht verstanden, dass ein bundesweiter Marktanteil von 40 % im Einzelhandel die regionale Realität überhaupt nicht abbildet. Wenn Edeka oder Rewe in Berlin, Hamburg oder Frankfurt 95 % Marktanteil haben, ist das für Hannover, München oder Stuttgart völlig irrelevant. In Regionen, in denen ein Anbieter einen sehr hohen Marktanteil hat, hat dies nachweislich keinen negativen Einfluss auf die Verbraucherpreise. Denn auch Edeka, Rewe, Kaiser's und Co. orientieren sich in vielen Bereichen an den Discountern. Hinzu kommt, dass sowohl Edeka als auch Rewe zahlreiche Filialen als Franchaise-Modell betreiben und allein deshalb schon die vom Bundeskartellamt genannten Zahlen zum Marktanteil absoluter Mumpitz sind. Übrigens: Wenn das Bundeskartellamt etwas gegen regional sehr hohe Marktanteile hat, warum wird dann in zahlreichen Branchen nichts unternommen?
zweiter 07.12.2016
4. 0,6 % LEH Marktanteil, aber im relevanten Teil der Supermärkte sind es 2 von 29 Mrd. Euro Umsatz
also schon ganz spannende 7-8%, sonst hätte das Kartellamt ja auch gar nicht gefragt werden müssen. Aber wer erwartet im aufziehenden Wahlkampf heute noch Aufrichtigkeit und Anstand. Es zeigt aber auch, dass die bedauerlicherweise wieder aufkeimenden Rechten nur nachmachen müssen, was "Links" schon lange praktiziert!
Jim Power 07.12.2016
5.
Zitat von homann5Richtig, jetzt wird der völlig unsinnige Vorschlag des Bundeskartellamts umgesetzt. Leider hat man es dort nicht verstanden, dass ein bundesweiter Marktanteil von 40 % im Einzelhandel die regionale Realität überhaupt nicht abbildet. Wenn Edeka oder Rewe in Berlin, Hamburg oder Frankfurt 95 % Marktanteil haben, ist das für Hannover, München oder Stuttgart völlig irrelevant. In Regionen, in denen ein Anbieter einen sehr hohen Marktanteil hat, hat dies nachweislich keinen negativen Einfluss auf die Verbraucherpreise. Denn auch Edeka, Rewe, Kaiser's und Co. orientieren sich in vielen Bereichen an den Discountern. Hinzu kommt, dass sowohl Edeka als auch Rewe zahlreiche Filialen als Franchaise-Modell betreiben und allein deshalb schon die vom Bundeskartellamt genannten Zahlen zum Marktanteil absoluter Mumpitz sind. Übrigens: Wenn das Bundeskartellamt etwas gegen regional sehr hohe Marktanteile hat, warum wird dann in zahlreichen Branchen nichts unternommen?
Sorry, aber was Sie da schreiben entspricht weder den Tatsachen, noch der Begründung des Bundeskartellamtes. 1. Primär hat das Bundeskartellamt die Übernahme von rund 450 Kaiser’s Tengelmann Filialen durch EDEKA untersagt, weil es zu erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen in den zahlreichen ohnehin stark konzentrierten regionalen Märkten und Stadtbezirken, z.B. im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen gekommen wäre. 2. Starke wettbewerbliche Probleme hätte es auch im Bereich der Beschaffung (Lieferanten) gegeben. Weniger Annehmer und gleichzeitige Marktmachtsteigerung hätte beispielsweise für viele Markenartikler und kleinere Lieferanten erhebliche Nachteile bedeutet = Preisdumping bei Zulieferern der Supermärkte. 3. Das Bundeskartellamt hat die Märkte entsprechend des Einkaufsverhaltens der Verbraucher lokal oder regional abgegrenzt. In den großen Städten wurde auch die konkrete Wettbewerbssituation in Stadtbezirken und Ortsteilen ermittelt. Kaiser’s Tengelmann ist danach in den betroffenen regionalen Markträumen fast durchweg mit Marktanteilen zwischen 10 und knapp 30 % eine wichtige Wettbewerbskraft und verfügt über ein – für den potenziellen Erwerber – wertvolles Standortnetz. Teilweise wäre die bereits mit Abstand führende Marktposition von Edeka weiter verstärkt worden. Aber auch in lokalen und regionalen Markträumen, in denen nicht EDEKA, sondern der enge Wettbewerber REWE marktführend ist, war aufgrund der aus Sicht des Verbrauchers sehr ähnlichen Vertriebskonzepte und der entsprechend ausgeprägten wettbewerblichen Nähe der Anbieter von einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs auszugehen. Zudem ist es zentrale Aufgabe des Kartellamtes, die ohnehin schon sehr ausgeprägte Konzentration im Lebensmittelhandel zu bremsen. Die 4 großen Ketten (Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe [Lidl & Kaufland]) beherrschen bereits jetzt mehr als 85 Prozent des gesamten deutschen Absatzmarktes.
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