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17. Oktober 2016, 12:58 Uhr

Zerschlagung beginnt

Angebote für Tengelmann bitte jetzt!

Tengelmann-Chef Haub leitet die Zerschlagung der Supermarktkette ein. Interessenten können ab sofort ihre Angebote für jede der fast 450 Filialen abgeben. Die Chance auf einen Erhalt ist winzig.

Tengelmann treibt die Vorbereitungen für eine Zerschlagung der verlustreichen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann zügig voran. Interessenten werden aufgefordert, für jede einzelne der knapp 450 Filialen zu bieten. Am Wochenende hatte es keine Signale für weitere Gespräche der Handelskonzerne Edeka, Rewe, Markant und Norma gegeben, die das noch verhindern könnten.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub sieht bei der "Verwertung" bis zu 8000 Stellen gefährdet, weil sich vermutlich nicht für alle Geschäfte ein Käufer finde. Die größten Sorgen machen die 105 Supermärkte in Nordrhein-Westfalen, für die potenzielle Käufer im Laufe des Tages Interessenbekundungen abgeben sollen, sagte eine Tengelmann-Sprecherin am Montag: "Wir beginnen heute."

Haub hatte angekündigt, zunächst Käufer für die Märkte in NRW sowie die Fleischwerke in Viersen, Donauwörth und Perwenitz zu suchen. Die "Verwertungsphase" für die Supermärkte in Bayern und Berlin solle später beginnen. Zugleich wolle er aber weiter daran arbeiten, den eigentlich geplanten Verkauf an den Marktführer Edeka doch noch möglich zu machen. Dieser wird durch Klagen der Konkurrenten Rewe, Norma und Markant blockiert. Das "Zeitfenster" schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei.

Ver.di sieht letzte Chance für Verhandlungslösung

Für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch gibt es noch einen Rest Hoffnung. Die Gewerkschaft Ver.di hatte am Freitag betont, es gebe noch Kontakte zwischen allen Beteiligten. Angesichts der drohenden Zerschlagung hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zudem ein Schlichtungsverfahren ins Gespräch gebracht.

Interesse an den Kaiser's-Tengelmann-Filialen hatten unter anderem Rewe und Edeka angemeldet. Auch der Handelsverband Markant will sich einen Teil sichern: Markant bestätige ein "hohes Interesse an einer Übernahme von Filialen durch Handelspartner", wie ein Sprecher am Montag mitteilte. Insidern zufolge hat auch die Signa Holding von Karstadt-Eigner René Benko ihre Fühler nach Teilen der Kette ausgestreckt.

Haub sieht beim Einzelverkauf der Filialen ein bevorzugtes Zugriffsrecht für Branchenprimus Edeka. "Wenn Edeka Märkte von Kaiser's Tengelmann übernehmen will, die kartellrechtlich unproblematisch sind, dann hat Edeka für mich den Vorrang", sagte der Tengelmann-Chef dem "Handelsblatt". "Das gebietet alleine der Anstand nach zwei Jahren Zusammenarbeit."

Ex-Monopolkommissionschef hält Komplettverkauf für unmöglich

Der frühere Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, hält das indes für unmöglich. "Das wird so nicht passieren", sagte der Wirtschaftsrechtler im RBB-Inforadio. "Denn allen Seiten ist klar, dass es diesmal nicht ohne das Kartellamt gehen wird."

Die Behörde habe eine "ganz detaillierte Marktanalyse" vorgelegt, sagte Zimmer. Diese sei eine sehr gute Grundlage für die nun geplante Aufteilung der Kaiser's-Tengelmann-Filialen zwischen verschiedenen Interessenten. Aus der Kartellamtsanalyse lasse sich ersehen, welche Filialen Edeka problemlos übernehmen könne und welche anderweitig veräußert werden müssten.

nck/Reuters/dpa/AFP

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