Marihuana-Legalisierung in Kalifornien Das komplizierte Geschäft mit dem Kiffen

Colorado, Washington, Oregon, Alaska, Nevada - und jetzt auch Kalifornien: Der sechste US-Bundesstaat hat den Verkauf von Marihuana legalisiert. Viele neue Läden freuen sich auf ein Milliardengeschäft - doch es gibt Probleme.

Verfremdeter Hollywood-Schriftzug in Los Angeles (Archiv)
DPA

Verfremdeter Hollywood-Schriftzug in Los Angeles (Archiv)


Mit Kalifornien öffnet an Neujahr der weltweit größte legale Markt für Cannabis. Zahlreiche Unternehmer haben Shops eingerichtet, um die Nachfrage zu bedienen. Experten rechnen mit jährlichen Umsätzen von mehreren Milliarden Dollar in der Branche. Allein die Einnahmen aus der 15-prozentigen Steuer auf die Produkte könnten in dem Bundesstaat demnach eine Milliarde Dollar ausmachen.

Nach Colorado, Washington, Oregon, Alaska, Nevada ist Kalifornien der sechste und mit Abstand größte US-Bundesstaat, der die Droge nun legalisiert hat. 39,5 Millionen Menschen leben dort. Massachusetts und Maine wollen im Lauf des Jahres folgen.

In den USA brummt das Geschäft mit legalem Marihuana, der Markt wuchs 2017 um satte 33 Prozent. Dennoch ist die Zukunft der Branche nach wie vor ungewiss. Die Droge bleibt unter dem Bundesgesetz verboten. Obwohl die Legalisierung auf Ebene der Bundesstaaten rapide voranschreitet, steht die Marihuana-Industrie deshalb weiterhin vor großen rechtlichen Hürden und Risiken - und auch zahlreiche Auflagen verlangsamen den Verkaufsstart in Kalifornien.

Staatliche "Cannabis-Bank" für die Kifferkohle?

In Los Angeles und San Francisco sollen die Läden etwa erst Tage oder Wochen nach Neujahr öffnen, da die Stadt- und Bezirksverwaltungen zusätzliche Nachweise für eine der staatlichen Lizenzen zum Verkauf von Cannabis verlangen.

Auch in den großen Anbaugebieten fehlen einigen Farmen die Zulassungen. Außerdem ist die Legalisierung für die oftmals sehr kleinen Betriebe teuer, die bislang häufig in legalen Grauzonen agierten. Um die strengen kalifornischen Umweltstandards zu erfüllen, müssen sie zudem viel investieren.

Unter anderem in San Diego, San Jose, Santa Cruz, Oakland, Berkeley, Eureka und Desert Hot Springs sollen dennoch jetzt bereits Shops öffnen. Zu den ersten dürfte die Harborside-Apotheke in Oakland gehören, die angekündigt hatte, bereits um 6 Uhr morgens Ortszeit am 1. Januar den Verkauf starten zu wollen. Der Cannabis-Führer GreenState nennt knapp 50 Marihuana-Geschäfte in Kalifornien. Viele von ihnen hatten bislang Cannabis zu medizinischen Zwecken im Angebot - seit 1996 ist der Bundesstaat dabei landesweit Vorreiter.

Brände bedrohen Ernte - und Bargeld

Um die Droge zu kaufen, müssen Kunden mindestens 21 Jahre alt sein und dürfen maximal 28 Gramm reines Cannabis auf einmal erwerben. Sie stammen häufig aus Emerald Triangle im Norden des Bundesstaats, der größten Anbauregion für die berauschende Pflanze im ganzen Land.

In Deutschland ist Cannabis als Genussmittel weiter verboten. Nur Ärzte dürfen das Rauschmittel seit Anfang 2017 als Schmerzmedikament verordnen. Die große Mehrheit der Deutschen möchte das auch so belassen. Bei etwa einem von zehn Cannabis-Konsumenten droht eine Abhängigkeit. Zur sehr geringen Gefahr einer Psychose kommen laut Forschern zudem harmlosere Nebenwirkungen wie ein trockener Mund, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel.

Die Marihuana-Farmer im Emerald Triangle in Kalifornien hatten 2017 mit einer Rekordernte gerechnet. Doch durch verheerende Waldbrände wurden seit Oktober Teile der Ernte vernichtet. Und das ist nur eines der Probleme, mit denen die Branche kämpft.

Banken, Versicherer und Finanzdienstleister scheuen angesichts des Verbots auf Bundesebene Geschäfte mit der Branche. Um die Steuereinnahmen aus dem Marihuanaverkauf sicher zu transportieren, schlug eine vom kalifornischen Schatzmeister John Chiang einberufene Expertengruppe unlängst sogar vor, gepanzerte Fahrzeuge einzusetzen.

Die meisten Geschäfte werden in bar abgewickelt. Das erfordert teure Sicherheitsdienste, Tresore und Geldtransporter - und kann ein großer Nachteil sein, wie sich zuletzt durch Brände zeigte, bei denen unversicherte Bargeldbestände in Flammen aufgingen. Die Experten um Schatzmeister Chiang hatten deshalb auch eine eigene "Cannabis-Bank" für die wachsende Branche vorgeschlagen.

VIDEO: High Life in Colorado

apr/Reuters/dpa

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insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
Pontifaz 01.01.2018
1. Entweder oder
"Bei etwa einem von zehn Cannabis-Konsumenten*droht eine Abhängigkeit. Zur sehr geringen Gefahr einer Psychose kommen laut Forschern zudem harmlosere Nebenwirkungen wie ein trockener Mund, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel." In der Tat furchtbare Nebenwirkungen. Natürlich sind sie bei weitem nicht so schlimm wie die Nebenwirkungen von Alkohol. Wäre es da nicht logisch entweder Cannabis trotzdem zu legalisieren oder aber konsequent zu sein und Alkohol als das Rauschgift mit den schlimmeren Nebenwirkungen zu verbieten?
Fuxx2000 01.01.2018
2. Für eine Milliarde
Steuereinnahmen und vermutlich sehr hohen Einsparungen, da die Entkriminalisierung zu erheblichen Erleichterungen bei der “Verbrechensverfolgung” von Bagatelldelikten führt - kann man sich auch mal ein paar Gedanken machen. Ich nenne das mal Luxusproblem... Aber wir gehen lieber hier den Leuten auf die Nerven und versuchen künstlich die Kriminalität hoch zu halten...
dborrmann 01.01.2018
3. Und Deutschland eiert weiter rum...
Verglichen mit Alkohol ist Cannabis harmlos. Ein Toxikologieprofessor sagte 1980 in einer Pharmakologievorlesung: „Das Gefährliche an Cannabis ist die Nachweisbarkeit im Urin.“ Cannabisinduzierte Pychosen dürften im Vergleich zu alkoholinduzierten Psychosen lediglich einen geringen Bruchteil ausmachen. Dem Korsakowsyndrom oder der Wernicke-Encephalopatie verwandte Bilder kommen überhaupt nicht vor. Ein Alkoholverbot wäre sinnvoller als ein Cannabisverbot.
lincoln33t 01.01.2018
4. Verbote waren noch nie eine Lösung
davon haben schon immer nur die kriminellen profitiert und das Ergebnis ist, dass jeder Schüler an das Zeug ran kommt. Hierzu Lande hat das unsere politische Elite noch nicht kapiert. Aber der Tag wird kommen!
keine Zensur nötig 01.01.2018
5. Geht nicht -
Zitat von Pontifaz"Bei etwa einem von zehn Cannabis-Konsumenten*droht eine Abhängigkeit. Zur sehr geringen Gefahr einer Psychose kommen laut Forschern zudem harmlosere Nebenwirkungen wie ein trockener Mund, Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel." In der Tat furchtbare Nebenwirkungen. Natürlich sind sie bei weitem nicht so schlimm wie die Nebenwirkungen von Alkohol. Wäre es da nicht logisch entweder Cannabis trotzdem zu legalisieren oder aber konsequent zu sein und Alkohol als das Rauschgift mit den schlimmeren Nebenwirkungen zu verbieten?
stellen Sie sich vor, dass Vater Staat auf die Schaumweinsteuer verzichten müsste. Diese wurde für den Bau der deutschen Hochseeflotte erhoben. Die Hochseeflotte liegt seit gut 100 Jahren auf dem Meeresgrund - nur die Steuer blieb. Ähnlich ist bei allen anderen legalen Rauschmitteln - Rauchen inklusive. Hier ist es ein echtes Rauchgift - Nikotinsäurediäthylamid, welches abhängig macht. Als dieselbe Gruppe wie LSD. Fütr den Anbau von Tabak gibt es in der EU sogar die höchsten Subventionen. Der Weg? Cannabis über Apotheken angeben, samt Registratur. Damit wäre der Einstiegsmarkt für Schlimmeres erledigt und auch die Steuern wären toll. Nicht so toll - die Posten für Drogenjäger und Opfersozialarbeiter wären passeé.
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