Solms/London - Leica ist gelungen, was andere deutsche Traditionsunternehmen wie Märklin, Schiesser oder Rosenthal nicht geschafft haben: Der Kamerahersteller aus dem mittelhessischen Solms konnte die Insolvenz abwenden und schreibt wieder schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern ein Rekordergebnis von 36,3 Millionen Euro, erstmals seit 1997 gab es auch wieder eine Dividende.
Der Erfolg zieht Investoren an: Der Finanzinvestor
Blackstone steigt jetzt bei dem Traditionsunternehmen ein. Die Blackstone Group
soll eine Minderheitsbeteiligung von 44 Prozent erhalten, teilte die Leica Camera AG
am Mittwoch mit. Ziel sei es, die internationalen Wachstumspläne des Kamera-Herstellers zu unterstützen. Der Kamerahersteller will künftig neue Märkte in Asien, Südamerika und im Mittleren Osten erschließen. Schwerpunkt der Expansionsstrategie sei China, hieß es bei Leica.
Über den Wert der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Leica-Aufsichtsratschef Andreas Kaufmann, der über seine Beteiligungsfirma ACM bisher mehr als 95 Prozent an Leica hält, teilte mit: "ACM beabsichtigt nicht, weitere Anteile der Leica Camera AG zu veräußern. Wir planen, Leica Camera langfristig bei ihrer weiteren weltweiten Expansion zu begleiten."
Das Unternehmen, das neben Kameras auch Ferngläser herstellt, beschäftigt 1150 Mitarbeiter. Seit dem Ersten Weltkrieg machte sich Leica mit hochwertigen Fotoapparaten und Objektiven weltweit einen Namen; die Kameras wurden unter anderem von Fotografen-Legenden wie Henri Cartier-Bresson genutzt.
2005 stand das Traditionsunternehmen allerdings am Rande der Pleite, zahlreiche Mitarbeiter mussten entlassen werden - Leica hatte den Umstieg von analoger auf digitale Technik verpasst und musste mit einer Kapitalerhöhung gerettet werden. Die abgewendete Pleite hat der Kamerahersteller dabei vor allem dem österreichischen Investor Kaufmann zu verdanken.
Im vergangenen Jahr erreichten die Mittelhessen dann einen Rekordumsatz von 248,8 Millionen Euro. Gegenüber dem Umbruchjahr 2009 bedeutete dies eine Steigerung von 57,2 Prozent. Der Gewinn war sogar mehr als zehnmal so hoch wie 2009. "Jetzt liegt eine Phase des weltweiten Wachstums vor Leica", sagte Kaufmann.
lgr/dpa/Reuters/dapd
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