Kampf gegen den Rausschmiss: Chefin verschanzt sich im Büro

Der Chefin des französischen Hotelverbands Umih wurde gekündigt - zu Unrecht, wie sie findet. Also nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie verbarrikadierte sich in der Pariser Verbandszentrale, um dem Rausschmiss zu entgehen. Jetzt will die Belegschaft gegen die Sesselkleberin klagen.

Paris - Christine Pujol scheint eine recht resolute Dame zu sein. Um ihre Ablösung als Chefin zu verhindern, hat sie sich kurzerhand in ihrem Büro eingeschlossen. Pujol steht dem wichtigsten französischen Hotel- und Gaststättenverband Umih vor - seit kurzem gegen den Willen der Belegschaft.

Die hatte im November am Rande der Hauptversammlung ihre Absetzung beschlossen. Pujol wehrte sich dagegen zunächst mit einer Klage vor einem Pariser Gericht. Doch dieses wies die Klage am Dienstag zurück - wegen eines Formfehlers. Der Ausgang des Verfahrens ist allerdings unklar: In der Sache müssen die Richter noch entscheiden.

Pujol schuf kurzerhand selbst Fakten: Am Mittwoch verschaffte sie sich gewaltsam Zugang zu ihrem Pariser Büro, verbarrikadierte sich und harrt seitdem dort aus. Zwei Nächte habe sie dort schon verbracht, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. "Man kann das Büro nicht verlassen, sonst darf man nicht wieder hinein", sagte sie. Zwei Wachleute stünden vor ihrer Tür und ließen keine Besucher zu ihr durch.

Den Umih-Arbeitern gefällt das gar nicht. Sie haben für Montag die Wahl eines neuen Präsidenten angekündigt und wollen Pujol nun herausklagen; eine Anhörung dazu findet am Dienstag vor Gericht statt.

Pujol, der mehrere Hotels und Gaststätten im südfranzösischen Carcassonne gehören, leitet den Verband seit November 2008. Der Aufstand gegen sie hatte einige Monate nach der Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie begonnen. Die Regierung hatte die Abgabe im vergangenen Sommer von 19,6 auf 5,5 Prozent gedrosselt.

Die Branche war damals in die Kritik geraten, weil sie die Preise trotz des Steuernachlasses kaum senkte. Der französische Senat drohte daraufhin mit einer Wiedereinführung der vollen Mehrwertsteuer. Pujols Kritiker sagten, sie habe in der Öffentlichkeit zu wenig klargemacht, dass die Gastwirte die Steuersenkung auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Lohnerhöhungen genutzt hätten.

ssu/AFP

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1. Wegen der nicht erfolgten Preissenkung
Emil Peisker 12.03.2010
Zitat von sysopDer Chefin des französischen Hotelverbands Umih wurde gekündigt - zu Unrecht, wie sie findet. Also nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie verbarrikadierte sich in der Pariser Verbandszentrale, um dem Rausschmiss zu entgehen. Jetzt will die Belegschaft gegen die Sesselkleberin klagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,683255,00.html
So sollte es auch hierzulande laufen. Wegen der nicht erfolgten Preissenkung sollte der Bundestag den alten Steuersatz für die Hotelbranche wieder einführen, so wie der französische Senat das androhte.
2. So ein Quatsch!
unente 12.03.2010
Zitat von sysopDer Chefin des französischen Hotelverbands Umih wurde gekündigt - zu Unrecht, wie sie findet. Also nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie verbarrikadierte sich in der Pariser Verbandszentrale, um dem Rausschmiss zu entgehen. Jetzt will die Belegschaft gegen die Sesselkleberin klagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,683255,00.html
Was ist das denn für eine Quatschmeldung? Ist man offiziell noch nicht entlassen, wenn man sich in der Firma verstecken kann? Muss man so lange noch Gehalt bekommen? Hat die sich in der Verbandsverpflegungsstelle verbarrikadiert, dass sie ewig aushalten kann? Was passiert, wenn die Klage erfolgreich ist, sie aber auch dann nicht aufgibt? Das war wohl euer Aprilscherz für dieses Jahr? Zu früh! ;-)
3. Französische Selbsthilfe
Transmitter 12.03.2010
Zitat von sysopDer Chefin des französischen Hotelverbands Umih wurde gekündigt - zu Unrecht, wie sie findet. Also nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand: Sie verbarrikadierte sich in der Pariser Verbandszentrale, um dem Rausschmiss zu entgehen. Jetzt will die Belegschaft gegen die Sesselkleberin klagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,683255,00.html
Richtig, dass jetzt auch die Manager ihren Rausschmiss verweigern und die Sache selbst in die Hand nehmen. Diverse Belegschaften haben dies in Frankreich ja erfolgreich vorgemacht und Werksschließungen verhindert, indem sie die Betriebe besetzten und die Manager als Geiseln nahmen. Solange, bis der Schließungs- und Kündigungsbeschluss wieder vom Tisch war. Ein Erfolgsrezept, konjunkturelle Krisen ohne Jobverluste zu überstehen. Gerade den Deutschen würde es gut anstehen, sich an solchen Aktionen zu orientieren. Nokia Bochum und Quelle Karstadt, AEG, Grundig und viele andere deutsche Unternehmen würden heute noch existieren. Auch abgewählte Mitglieder des Bundestages und anderer Parlamente sollten einmal darüber nachdenken, ob sie wirklich so mir nichts, dir nichts einfach ihre Sitze aufgeben sollten. Würden sich abgewählte Parlamentarier zusammenschließen und in ihren Büros verschanzen, könnten sie ihren Abgang in den meisten Fällen sicher verhindern. Bundesminister Schäuble zum Beispiel macht das schon seit Jahrzehnten so. Er wurde bereits in den 80ern von Kohl entlassen und ist immer noch da.
4. Selbst Kidnapping
genugistgenug 12.03.2010
Zitat von unenteWas ist das denn für eine Quatschmeldung? Ist man offiziell noch nicht entlassen, wenn man sich in der Firma verstecken kann? Muss man so lange noch Gehalt bekommen? Hat die sich in der Verbandsverpflegungsstelle verbarrikadiert, dass sie ewig aushalten kann? Was passiert, wenn die Klage erfolgreich ist, sie aber auch dann nicht aufgibt? Das war wohl euer Aprilscherz für dieses Jahr? Zu früh! ;-)
nette Schmozette - sonst werden Manager gekidnappt, hier bricht eine entlassene Managerin in ihr EHEMALIGES Büro ein SATIRE: wie kamen die Engländer früher eigentlich zu ihren Hausgespenstern? Haben die nicht manchmal zukünftig ehemalige Verwandte eingemauert:-)))))
5. Klagegeister
unente 12.03.2010
Zitat von genugistgenugnette Schmozette - sonst werden Manager gekidnappt, hier bricht eine entlassene Managerin in ihr EHEMALIGES Büro ein SATIRE: wie kamen die Engländer früher eigentlich zu ihren Hausgespenstern? Haben die nicht manchmal zukünftig ehemalige Verwandte eingemauert:-)))))
...und die könnte man da herausklagen?
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