Kampf gegen Spekulanten Was der Alleingang bei der Finanzsteuer bringt

Frankfurter Bankenviertel: Teure Zeiten für die Finanzindustrie
DPA

Frankfurter Bankenviertel: Teure Zeiten für die Finanzindustrie

Von

3. Teil: Was soll die Steuer bewirken?


Die Steuer hat zwei Ziele: Zunächst soll sie die wild gewordenen Finanzmärkte etwas entschleunigen. Gerade durch die Ausbreitung des elektronischen Handels ist die Zahl der Transaktionen an den Märkten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. So wurden im Jahr 2010 an den Aktienbörsen der Welt 63 Billionen Dollar umgesetzt. Am Devisenmarkt, wo Währungen gehandelt werden, waren es mehr als 1000 Billionen Dollar. Im Sekundentakt schieben Computerprogramme Wertpapiere und Derivate mit Millionenwerten hin und her, um geringste Kursdifferenzen auszunutzen. Die Gewinne pro Geschäft sind minimal, erst durch die Vielzahl der Transaktionen entstehen hohe Profite.

Für die Finanzstabilität kann die Hin-und-her-Schieberei zum Problem werden. Weil die Computerhändler auch auf den kleinsten Trend aufspringen, verstärken sie den sogenannten Herdentrieb an den Märkten: Alle Investoren rennen gleichzeitig in eine Richtung - und treiben so die Kurse in kürzester Zeit nach oben oder unten.

Hier setzt die geplante Steuer an. Wenn die Teilnehmer an den Finanzmärkten auf jede Transaktion eine Mini-Abgabe zahlen müssten, würden sich viele Geschäfte nicht mehr lohnen. Die Kursausschläge, so die Hoffnung der Politik, würden geringer.

Als zweites Ziel soll die Steuer die Finanzbranche an den Kosten der Krise beteiligen. Bei einer EU-weiten Steuer rechnet die Kommission mit Einnahmen von bis zu 57 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne Großbritannien würden die Einnahmen allerdings deutlich geringer ausfallen.

Zudem gibt es ein Problem: Die beiden Ziele heben sich teilweise gegenseitig auf. Wenn das erste Ziel erreicht wird und weniger Transaktionen stattfinden, sinken auch die Einnahmen aus diesen. Dieses Problem gibt es im Übrigen bei allen Verbrauchssteuern, die eine politische Lenkungswirkung haben sollen, also zum Beispiel bei der Ökosteuer auf Benzin oder bei der Tabaksteuer auf Zigaretten.

Experten warnen zudem davor, allzu große Hoffnungen in die Finanztransaktionssteuer zu setzen. Mit der aktuellen Krise hat sie ziemlich wenig zu tun. Sie hätte weder den Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers verhindert, noch die überbordende Verschuldung von Staaten, Banken und Privathaushalten. Die Steuer sei kein Allheilmittel, warnt Stephan Schulmeister vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, der die Auswirkungen in einer Studie untersucht hat und die Einführung der Steuer eigentlich befürwortet.

insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cekay 11.01.2012
1. .
Für was braucht der Staat denn noch mehr Geld, er hat doch Rekordsteuereinnahmen?
dirk_pf 11.01.2012
2.
Zitat von sysopAngela Merkel und Nicolas Sarkozy preschen vor: Sie wollen eine Finanztransaktionssteuer ohne Europas größten Finanzplatz London*einführen. Kritiker beschwören bereits den Exodus der Geldbranche aus Euro-Land. Doch ganz so schlimm muss es nicht kommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808360,00.html
Bei einer Besteuerung von 0,1 Prozent sind das wohl kaum 10 Euro für den Privatanleger!
Xangod 11.01.2012
3. Banken retten! Was denn sonst!
Zitat von cekayFür was braucht der Staat denn noch mehr Geld, er hat doch Rekordsteuereinnahmen?
Na, was wohl - die Banken rekapitalisieren, die sich verzockt haben!
achso123 11.01.2012
4. Bitte richtig rechnen
Zitat von sysopAngela Merkel und Nicolas Sarkozy preschen vor: Sie wollen eine Finanztransaktionssteuer ohne Europas größten Finanzplatz London*einführen. Kritiker beschwören bereits den Exodus der Geldbranche aus Euro-Land. Doch ganz so schlimm muss es nicht kommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,808360,00.html
Zitat: "Wenn ein Anleger Aktien im Wert von 1000 Euro kauft, muss er also damit rechnen, die fälligen zehn Euro Steuern letztlich selbst zu tragen." 1000€ x 0.1% = 1€ ... ansonsten schwer zu sagen, ob die Steuer was bringt.
dionysos74 11.01.2012
5. Was denn sonst?
Zitat von dirk_pfBei einer Besteuerung von 0,1 Prozent sind das wohl kaum 10 Euro für den Privatanleger!
1000 Euro mal 0,1 macht 10 Euro!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.