Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kapitalbedarf: Deutschland dringt auf laxere Regeln für Banken

Die Sorge vor einer Kreditklemme treibt Deutschland um: Laut "Financial Times" will Finanzminister Schäuble die strengen Kapitalvorschriften für Banken lockern - und wird dabei von seinem französischen Amtskollegen Baroin unterstützt. Doch das Ministerium in Berlin dementiert.

Finanzminister Schäuble: Obligatorische Veröffentlichung der Verschuldungsquote verzögern Zur Großansicht
dapd

Finanzminister Schäuble: Obligatorische Veröffentlichung der Verschuldungsquote verzögern

London - Deutschland und Frankreich setzen sich für eine Lockerung der Kapitalregeln für Banken ein. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Kollege François Baroin fürchteten, dass die Institute wegen der strengen Regeln ihre Kreditvergabe zu stark einschränken und damit die Wirtschaft abwürgen, schreibt die "Financial Times" unter Berufung auf ein gemeinsames Papier der beiden Minister.

Schäuble und Baroin wollten für Banken mit einem Versicherungsgeschäft eine Sonderbehandlung einfordern, hieß es in dem Bericht weiter. Schäuble und Baroin wollten sich zudem dafür einsetzen, wichtige Elemente der Basel-III-Vorschriften abzumildern. In ihrem Papier fordern die beiden der Zeitung zufolge, die obligatorische Veröffentlichung der Verschuldungsquote um drei Jahre zu verzögern. Die Banken müssen weltweit ab 2013 die Basel-Regeln einhalten, die den Anlegern mehr Vertrauen in die Stabilität der Institute geben sollen.

Schäuble teilte im Laufe des Tages jedoch mit, dass es sich bei dem Bericht um eine Falschmeldung handele. Deutschland und Frankreich wollten die Vorgaben wie geplant einführen, sagte der Finanzminister nach Beratungen mit Baroin. Auch der für die Finanzmarktregulierung zuständige EU-Kommissar Michel Barnier sagte, der vereinbarte Zeitplan für die Umsetzung der Basel-III-Vorschriften stehe.

Mit den neuen internationalen Kapitalvorschriften werden Konsequenzen aus der Finanzkrise gezogen - das Finanzsystem soll stabilisiert und es soll verhindert werden, dass der Steuerzahler für klamme Geldhäuser aufkommen muss.

  • Basel III verpflichtet Banken, sieben Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva als hartes Kernkapital halten zu müssen. Bisher liegt die Quote bei vier Prozent.
  • Sogenannte systemrelevante Institute müssten sogar 9,5 Prozent hartes Kernkapital vorweisen.
  • Hartes Kernkapital ist Geld, das in Krisenzeiten stets verfügbar ist - sofort und bedingungslos. Dazu zählen Aktien und Gewinnrücklagen.
  • Risikogewichtete Anlagen sind all jene, bei denen nicht absolut sicher ist, dass sie zurückgezahlt werden können.

yes/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Laxere Regeln für Banken????
Niamey 23.01.2012
Zitat von sysopDie Sorge vor einer Kreditklemme treibt Deutschland um: Finanzminister Schäuble will die strengen Kapitalvorschriften für Banken lockern. Unterstützt wird er von seinem französischen Amtskollegen Baroin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810709,00.html
Was denn, was denn, was für den Privatier gilt sollte auch für die Banken gelten. Die suchen sich immer die günstigste Variante für sie raus und versuchen Schlupflöcher im System zu nutzen. Wenn es dann kracht, soll Vater Staat einspringen und den Lumpen über unsere Steuergelder den Hint..rn retten! Machen wir nur so weiter und der deutsche Frühling steht vor der Tür. Klar, unterstützen die Franzosen den Quatsch auch. Die sind nämlich noch größere Gauner als wir das aus der deutschen Politik kennen. Nur dort ist es offensichlicher, die Verbandlung von Geld und Politik.
2. An die Leine legen
Stelzi 23.01.2012
Merkel sollte ihren Schäuble dringend wieder an die Leine legen. Als ob die Bankster die gleichen Fehler, die zu diesem Schlamassel geführt haben, zum Anlass nehmen würden, der Wirtschaft mehr Kapital zur Verfügung zu stellen... in welcher Traumwelt leben die beiden denn?
3. Warum immer nur hinterher, wenn alles beschlossen war ?
Gerdtrader50 23.01.2012
Zitat von sysopDie Sorge vor einer Kreditklemme treibt Deutschland um: Finanzminister Schäuble will die strengen Kapitalvorschriften für Banken lockern. Unterstützt wird er von seinem französischen Amtskollegen Baroin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810709,00.html
Sag nur, die Besserwisser haben gemerkt, dass sie die Messlatte zu hoch setzten ? Warum erlassen sie dann immer die Regeln so, dass es die Institute in Schwierigkeiten bringt ? Gleichzeitig aber bringen sie es nicht fertig in den westlichen Industrieländern, eine Regelung für die schärfere Überwachung von Finanzmarktgeschehen durchzusetzen. Nach Lockerung der EK-Vorschriften unterhalb 9,5 % Kernkapitalquote, der Lockerung der Basel - III - Richtlinien könnte es vielleicht sogar gelingen, eine Kreditklemme in Europa zu vermeiden. Es fehlt noch ein Konjunkturprogramm, welches die Rezession auffängt. Anstatt die Billion in den Eurokram zu stecken.
4. Ja klar
ausländer33 23.01.2012
Zitat von sysopDie Sorge vor einer Kreditklemme treibt Deutschland um: Finanzminister Schäuble will die strengen Kapitalvorschriften für Banken lockern. Unterstützt wird er von seinem französischen Amtskollegen Baroin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810709,00.html
Zocken ist auch viel interessanter als alles andere. Banken die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren sind einfach langweilig. Wo bleibt denn da dar Spass. Und der Bürger hat ja auch etwas von der Zockerei... er darf zahlen. Das hat auch Herr Schäuble jetzt endlich eingesehen und möchte die Banken dabei unterstützen. Natürlich "zum Wohle des Volkes" >>sarkassmus aus
5. Schraube locker?
Elvenpath 23.01.2012
Zitat von sysopDie Sorge vor einer Kreditklemme treibt Deutschland um: Finanzminister Schäuble will die strengen Kapitalvorschriften für Banken lockern. Unterstützt wird er von seinem französischen Amtskollegen Baroin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810709,00.html
Schäuble will die Regeln für Banken LOCKERN???? Hat der eine Schraube locker? Die zu laxen Regeln für Banken haben uns doch diese Krise beschert. Und wenn ich sehe, wie selbstherrlich Banken sich gegenüber Privatkunden verhalten, kann ich echt nur den Kopf schütteln, dass statt dringend nötig strengeren Regeln diesen Hasardeuren noch mehr Freiheiten gelassen werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Stichwort: Baseler Ausschuss

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht wurde 1974 von den G-10-Ländern gegründet. In ihm sitzen nicht Politiker, sondern Mitglieder der Notenbanken sowie Bankenaufseher. Mittlerweile ist das Gremium stark gewachsen - Vertreter aus 27 Ländern sitzen darin. Das Ziel der Gruppe: Die Vereinheitlichung der Aufsichtsregeln für die Finanzbranche. Bekannt ist der Ausschuss, der alle drei Monate zusammenkommt, vor allem durch die Eigenkapital-Richtlinien Basel I und II.


Stichwort Basel II/Basel III
Die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Ende Juni 2004 verabschiedete Eigenkapitalvereinbarung sollte die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Finanzsystems stärken. Wichtige Teilnehmer der sogenannten Basel-II-Runde wie die USA haben die Regeln allerdings noch immer nicht umgesetzt. Präsident Barack Obama hat aber die Einführung bis 2011 versprochen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern gelten sie seit 2007. Im Kern geht es bei Basel II darum, dass sich die Summe eigener Mittel, die Banken zur Abfederung ausgefallener Kredite vorhalten müssen, stärker an der Zahlungskraft vor allem ihrer Unternehmenskunden orientiert. Derzeit wird allerdings schon an Basel III gebastelt. Mit dem neuen Regelwerk, das ab 2012 in Kraft treten soll, sollen die Lehren aus der Finanzkrise gezogen werden.
Stichwort: Eigenkapital
Tier 1
Der Begriff "Tier 1" ist die englische Bezeichnung für Kernkapital. Bei Aktiengesellschaften besteht es im Wesentlichen aus Aktien, Rücklagen und stillen Einlagen. Die Kernkapitalquote berechnet sich, indem man das Kernkapital der Bank durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Ziffer zeigt, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Tier 1 gilt darum als magische Zahl, um die Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Je höher die Quote, desto gesünder die Bank. Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen. Sieben Prozent gelten allerdings gemeinhin als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz.

Tier 2
Ein weiterer Bestandteil der Eigenmittel einer Bank ist das Ergänzungskapital (Tier 2), das sich unter anderem aus Genussrechten (eine Anlageform) und langfristigen nachrangigen Verbindlichkeiten zusammensetzt. Ergänzungskapital ist maximal in Höhe des Kernkapitals für die Bank als Eigenmittel anrechenbar. Aufsichtsrechtlich muss eine Bank Eigenmittel (Kern- und Ergänzungskapital) in Höhe von acht Prozent der Risikoaktiva vorhalten. Vereinfachend gesagt bedeutet dies, dass ein vergebener Kredit von 100 Euro mit acht Euro Eigenmitteln unterlegt sein muss.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: