Frankfurt am Main - Es wird der befürchtet schmerzhafte Einschnitt für Altaktionäre: Die
Commerzbank
hat die Ausgabepreise für den zweiten Teil der Mega-Kapitalerhöhung festgelegt, mit dem sie weitere vier Milliarden Euro an der Börse einsammeln will. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen gibt das teilverstaatlichte Institut die neuen Papiere zum Preis von 2,18 Euro je Stück auf den Markt, wie es am Sonntagabend mitteilte. Die Bezugsfrist werde voraussichtlich vom 24. Mai bis 6. Juni 2011 laufen.
Damit liegt der Ausgabepreis rund 45 Prozent unter den 3,95 Euro, zu denen das Papier bei Börsenschluss am Freitag gehandelt wurde. Anfang April - also vor der Ankündigung der Kapitalerhöhung - hatte die Aktie sogar noch mehr als fünf Euro gekostet.
Auf der Hauptversammlung Anfang Mai bekam Commerzbank-Chef Martin Blessing und seine Führungsriege bereits den Umut zahlreicher Kleinaktionäre zu spüren. "Totalversager", "Hütchenspieler" und "Kursvernichter" mussten sich die Manager schimpfen lassen. Doch mehr als Wut ablassen konnten die erbosten Anteilseigner nicht - am Ende stimmten die Großaktionäre für die Kapitalerhöhung.
Im ersten Teil der Kapitalerhöhung
hatte die Bank im April bereits 4,3 Milliarden Euro am Markt erhalten. Das war mehr als zunächst geplant. Dass das Institut auch beim nun anstehenden zweiten Schritt den erstrebten Erlös bekommt, ist gesichert - durch eine Garantie der begleitenden Banken, zu denen mit der Deutschen Bank
auch der Erzrivale der Commerzbank gehört.
Mit dem Erlös will sich die zweitgrößte deutsche Bank von einem Großteil der in der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen trennen. Bis Mitte Juni sollen 14,3 Milliarden Euro der 16,2 Milliarden Euro schweren Stillen Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin zurückgezahlt werden. Davon kommen elf Milliarden Euro aus den zwei Teilen der Kapitalerhöhung.
Rund 8,25 Milliarden Euro holt sich die Commerzbank dabei von institutionellen und privaten Anlegern. Der Staat selbst steuert weitere insgesamt 2,75 Milliarden Euro bei, um seine Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie zu behalten und dadurch weiter hohen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank zu haben.
Bis spätestens 2014 will die Bank die als Einlage erhaltenen Steuergelder komplett getilgt haben. Wie lang der Bund an seiner direkten Beteiligung als Großaktionäre festhalten will, ist noch unklar. Die Commerzbank-Aktie hat seit dem Anfang der Finanzkrise 2007 rund 90 Prozent an Wert verloren.
fdi/dpa/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Commerzbank | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH