Madrid - Spanien steht erneut im Mittelpunkt der Euro-Krise. Wie die spanische Zentralbank am Freitag mitteilte, hat die Kapitalflucht aus dem Krisenland infolge des andauernden Misstrauens der Investoren eine Rekordhöhe erreicht. Demnach wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres 235,4 Milliarden Euro aus Spanien abgezogen.
Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Land noch einen Kapitalzufluss von 47,4 Milliarden Euro verzeichnet. Allerdings hat sich die Kapitalflucht im Juli wenigstens verlangsamt: In dem Monat wurde ein Nettokapital von 15 Milliarden Euro abgezogen, im Vergleich zu 59 Milliarden Euro im Vormonat.
Nächste Hürden: Rating-Urteil und Bankenstresstest
Schon am späten Freitagabend droht aber weiteres Ungemach: Die US-Rating-Agentur Moody's wird ihre Einschätzung der Kreditwürdigkeit Spaniens bekanntgeben. Wegen der angespannten Lage in dem Euro-Krisenstaat ist eine erneute Herabstufung nicht auszuschließen. Bei Moody's steht die Spanien-Bewertung nur noch eine Stufe über Ramschniveau.
Außerdem will die Regierung in Madrid die Ergebnisse des Stresstests für die spanischen Banken bekanntgeben. Allein die vier verstaatlichten Banken Spaniens benötigen nach Experteneinschätzung rund 40 Milliarden Euro an Finanzhilfe. Die Finanzwelt wartet mit Spannung auf die Zahlen. Der Stresstest soll den Auftakt zur umfassenden Bankenreform in Spanien bilden und wieder Vertrauen in das Finanzsystem des Euro-Krisenlandes schaffen.
Oliver Wyman hatte bei einer ersten Schätzung im Juni die von den spanischen Banken benötigten Finanzmittel unter den ungünstigsten wirtschaftlichen Bedingungen auf bis zu 62 Milliarden Euro beziffert. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte am vergangenen Wochenende einen ähnlichen Betrag genannt. Von der Euro-Gruppe in Brüssel war Spanien bereits insgesamt bis zu 100 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken unter der Bedingung zugesagt worden, dass der Sektor reformiert wird.
nck/dpa/dapd
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