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Reaktionen auf Tod von Karl Albrecht: "Großer Unternehmer mit revolutionären Ideen"

Grab der Familie Albrecht in Essen: Bewunderung für die Lebensleistung Zur Großansicht
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Grab der Familie Albrecht in Essen: Bewunderung für die Lebensleistung

Die Handelsbranche würdigt den verstorbenen Aldi-Gründer Karl Albrecht. Selbst der Chef des ärgsten Konkurrenten zollt dem Patriarchen "tiefen Respekt".

Berlin/Hamburg/Neckarsulm - Gemeinsam mit seinem Bruder Theo erfand er das Discounter-Prinzip und veränderte die Einkaufskultur der Deutschen. Am vergangenen Mittwoch starb Karl Albrecht im Alter von 94 Jahren. Bei der Konkurrenz waren er und das Aldi-Imperium stets gefürchtet - nun ehrt die Handelsbranche die Lebensleistung des Patriarchen.

Allen voran würdigte der Chef des erbitterten Aldi-Konkurrenten, die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, Albrecht als "Pionier der Branche". Der deutsche Lebensmittelhandel verliere eine "erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit", sagte Klaus Gehrig. "Wir zollen seiner Lebensleistung tiefen Respekt." Karl Albrecht habe gemeinsam mit seinem Bruder "mit kaufmännischem Geschick, Mut, Engagement und Verlässlichkeit eine äußerst erfolgreiche Vertriebsform entwickelt".

Gehrig spricht aus eigener Erfahrung. Der Handelsmanager hatte seine Laufbahn in der Discounter-Branche bei Aldi gestartet, bevor er Anfang der Siebzigerjahre zu Lidl wechselte und den Aldi-Konkurrenten mit aufbaute.

Auch Edeka betonte die Vorreiterrolle Karl Albrechts für die Branche. "Karl Albrecht ist ein Pionier des Handels und verfügte über ein einzigartiges unternehmerisches Gespür", teilte das genossenschaftlich organisierte Unternehmen mit. Mit seinem Bruder Theo habe er den Einzelhandel nicht nur in Deutschland revolutioniert. "Ohne ihn wäre der deutsche Lebensmittelhandel nicht der effizienteste der Welt. Auch deshalb gehört seiner großen Lebensleistung unsere Bewunderung."

Als einen "großen Unternehmer mit revolutionären Ideen" bezeichnete der Chef des Handelsverbands Deutschland (HDE) den Aldi-Mitgründer. "Er hat zusammen mit seinem Bruder Theo über viele Jahre die Handelsbranche geprägt und verändert. Beide haben Aldi zu einer großen Erfolgsgeschichte gemacht. Die Branche verliert mit Karl Albrecht einen ihrer faszinierendsten Unternehmer", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.

fdi/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Der Mann hat große Verdienste,
Thomassimo 21.07.2014
denn ohne das Aldi-Konzept wären breite Bevölkerungskreise nie in den Genuss von Lebensmitteln und Nonfood-Artikeln gekommen, die sonst nur den Wohlhabenderen vorbehalten geblieben wären. Er hat den Wohlstand demokratisiert. Danke!
2. Warum kann Aldi billiger?
sandemann 22.07.2014
Weil die skrupellosen Albrechtbrüder ihre Marktmacht über Massenabsatz generiren und kleinere Zulieferer zu erpressbaren Vasallen machen. In unserer a-sozialen Marktwirtschaft wird Fairness nicht als erstrebenswürdiger Wert belohnt - der Brutalste gewinnt. Die Lobreden auf Albrechts Unternehmergeist und dessen greiser Machtgier schmecken fahl und sind nicht mehr zeitgemäss. Hoffen wir, dass sich dieses System bald selbst tot läuft.
3.
brassica 22.07.2014
Zitat von Thomassimodenn ohne das Aldi-Konzept wären breite Bevölkerungskreise nie in den Genuss von Lebensmitteln und Nonfood-Artikeln gekommen, die sonst nur den Wohlhabenderen vorbehalten geblieben wären. Er hat den Wohlstand demokratisiert. Danke!
Nichts für ungut, aber ich halte diese These für falsch. In den Anfangsjahrzehnten der Bundesrepublik spielte Albrecht noch nicht so eine große Rolle im Lebensmitteleinzelhandel wie ab den 80er Jahren bis heute. Das Sortiment der Aldi-Läden nahm sich vor 30 Jahren auch wesentlich bescheidener aus als heute. Und Aldi hatte da noch ein bißchen das "Asi-Image". Dort einzukaufen galt für viele Mittelschichtler als unchic, nach dem Motto "der hat's nötig, dort einzukaufen". Dieses Bild hat sich komplett gewandelt. Sich praktisch nur von Aldi-Ware zu ernähren, das geht erst seitdem es dort auch frisches Obst und Gemüse usw. zu kaufen gibt. Bei Aldi gibt es heute in der Breite ja fast die gleiche Produktpalette wie im Supermarkt, nur mit entsprechend weniger Markenvielfalt. Aber das war nicht immer so. Dort bekam man lange Zeit wirklich nur die Grundbausteine des Einkaufssortiments, die dann immer noch mit Artikeln aus anderen Supermärkten ergänzt werden mußten. Das Aldi-Prinzip hat zwar dafür gesorgt, daß viele Haushalte ein paar Mark bei den Gütern des täglichen Bedarfs einsparen konnten. Aber daraus abzuleiten, daß Aldi für den Wohlstand einer breiten Masse verantwortlich war und ist, das halte ich für vermessen.
4. pro & contra
timofine 22.07.2014
Sicherlich sind die Albrecht-Brüder revolutionär im Bereich des Lebensmittelhandels gewesen. Sie haben auch die Möglichkeit geschafft, teure Produkte auf ein Preisniveau zu senken, damit sich jeder gute Qualität leiszen kann. Auf der anderen Seite aber denke ich an Hühnerfarmen, Tiermast, an die übermäßigen Schlachtung und die darin verborgene Unmenschlichkeit gegenüber das Leben, an Milchbauern, die mit einem minimalen Ertrag ihrer Produktivität in Milchprodukten um ihren Lebensunterhalt kämpfen... und sicherlich noch viele Bereiche mehr, in denen die Lebensmittelhändler profitieren,* aber andere verlieren.
5. pro & contra
timofine 22.07.2014
Sicherlich sind die Albrecht-Brüder revolutionär im Bereich des Lebensmittelhandels gewesen. Sie haben auch die Möglichkeit geschafft, teure Produkte auf ein Preisniveau zu senken, damit sich jeder gute Qualität leiszen kann. Auf der anderen Seite aber denke ich an Hühnerfarmen, Tiermast, an die übermäßigen Schlachtung und die darin verborgene Unmenschlichkeit gegenüber das Leben, an Milchbauern, die mit einem minimalen Ertrag ihrer Produktivität in Milchprodukten um ihren Lebensunterhalt kämpfen... und sicherlich noch viele Bereiche mehr, in denen die Lebensmittelhändler profitieren,* aber andere verlieren.
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Die Discounter in Deutschland
Aldi
Die unangefochtene Nummer eins der Lebensmittel-Discounter in Deutschland, Aldi , ist ebenso erfolgreich wie verschwiegen. Branchenexperten schätzen, dass Aldi 2011 weltweit rund 57 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Der Gewinn wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Insgesamt betreibt der Marktführer in Deutschland etwa 4300 Filialen.
Lidl
Auch der zweitplatzierte Lidl lässt sich nicht gerne in die Zahlen schauen. Für 2011 wird der weltweite Umsatz auf 50,4 Milliarden Euro geschätzt. Das Flaggschiff der Schwarz-Gruppe betreibt bundesweit rund 3100 Filialen. Lidl verkauft - anders als Aldi - auch viele Markenartikel.
Netto
Nach dem Zusammenschluss mit Plus ist Netto der drittgrößte Discounter Deutschlands. Die Edeka-Tochter hat in Deutschland rund 4000 Filialen. Der Umsatz lag 2011 bei etwa 13,7 Milliarden Euro.
Penny
Der Discounter Penny des Rewe-Konzerns erwirtschaftete 2011 mit seinen bundesweit 2400 Filialen rund zwölf Milliarden Euro Umsatz. Rewe hatte sich 2007 mit Edeka eine Bieterschlacht um den Discounter Plus geliefert, unterlag jedoch.
Norma
Der Discounter hat in Deutschland rund 1300 Filialen und erwirtschaftet einen Umsatz von schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro. Der Schwerpunkt des Filialnetzes liegt in Süddeutschland, aber auch in Frankreich, Tschechien und Österreich gibt es Norma-Märkte.

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Aldi: Die Brüder, die Erben, das Imperium


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