Karstadt-Eigentümer Berggruen weist Kritik zurück

"In Deutschland gibt es nur Kritik, man wird bestraft, wenn man etwas versucht": Der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen wehrt sich gegen die massive Kritik des Betriebsrats. Er profitiere nicht von den Gewinnen seiner Holding, sagte er dem SPIEGEL.

Berggruen: "Mache die Zahlen nicht öffentlich, weil es ein privates Unternehmen ist"
AP

Berggruen: "Mache die Zahlen nicht öffentlich, weil es ein privates Unternehmen ist"


Hamburg - Trotz der Kritik an Karstadts "Tarifpause" plant das Management der Warenhauskette erneut einen Sonderweg für die Bezahlung der Mitarbeiter. Nach Informationen des SPIEGEL will Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz dem Gesamtbetriebsrat am Mittwoch den "KARSTADT-Weg" erläutern. In einer solchen Vereinbarung soll den Beschäftigten 8,50 Euro Mindestlohn und die Beibehaltung der tariflichen Leistungen garantiert werden - eine Art Tarifversprechen ohne Vertrag. Für solche Verhandlungen ist eigentlich nicht der Betriebsrat, sondern sind die Gewerkschaften zuständig.

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen wehrte sich außerdem gegen die massive Kritik, die er in den vergangenen Wochen einstecken musste.

"In Deutschland gibt es nur Kritik, dort wird man bestraft, wenn man etwas versucht", sagt er dem SPIEGEL. Er habe 99 Prozent seines Vermögens in eine Stiftung eingebracht.

"Ich profitiere nicht von den Gewinnen meiner Holding. Ich mache die Zahlen nicht öffentlich, weil es ein privates Unternehmen ist." In jedem anderen Land würde man das gut finden, nur die Deutschen verstünden das Prinzip Charity nicht.

Verluste in dreistelliger Millionenhöhe

Der Warenhauskette drohen offenbar erneut hohe Verluste. Der scheidende Konzernchef Andrew Jennings nannte als Grund für sinkende Verkäufe unter anderem die "schlimmste Frühjahrssaison im Modebereich für Einzelhändler in Europa seit vielen Jahren". Außerdem seien verlustbringende Abteilungen wie Multimedia geschlossen worden. Er bezifferte das Minus bis Mitte Juni auf 3,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des zurückliegenden Geschäftsjahres. Für den Zeitraum seit April zeige die Entwicklung aber wieder nach oben. "In einigen Abteilungen sehen wir bereits sehr positive Wachstumszeichen."

Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 sind nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" bei Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern angefallen. Der Konzernabschluss stand bei der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche auf der Tagesordnung, das Blatt beruft sich auf vertrauliche Unterlagen. Für 2012/13 werde demnach erneut ein Verlust "in niedriger dreistelliger Millionenhöhe" erwartet. Der SPIEGEL hatte bereits im März über die sinkenden Umsätze von Karstadt berichtet.

cte/Reuters

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
optism 16.06.2013
1. Inhalt?
Zitat von sysopAP"In Deutschland gibt es nur Kritik, man wird bestraft, wenn man etwas versucht": Der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen wehrt sich gegen die massive Kritik des Betriebsrats. Er profitiere nicht von den Gewinnen seiner Holding, sagte er dem SPIEGEL. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/karstadt-berggruen-weist-kritik-zurueck-a-906029.html
Was fehlt, ist der Informationsgehalt. Außer der Aussage Berggruens "ich profitiere nicht" und der direkt nachgeschobenen Verweigerung, dies zu beweisen, kann ich nichts finden. Wie wäre es mit etwas Recherche? Kritischem Auseinandersetzen? Was ist das Prinzip Charity, was bedeutet es? Wie sind die kontroversen Meinungen dazu? Schon peinlich, dass ich Ihren Job wohl besser machen könnte.
Worldwatch 16.06.2013
2. "In Deutschland gibt es nur Kritik, man wird bestraft, ...
... wenn man etwas versucht". Stimmt, auch der Versuch von Straftaten ist strafbar.
eaglefighter 16.06.2013
3. Ist der nicht ein Blender
Dandy, und Gernegroß, wie auch Weiberheld ??
ManeGarrincha 16.06.2013
4. Jammer, Jammer.
Wer's glaubt wird selig. Stiftung auf den Cayman Inseln, sich vom Arbeitsamt und durch Lohnverzicht die Sanierung bezahlen lassen, ohne einen einzigen Euro selbst einzubringen, vom Image des Kunstmäzen-Vaters leben und einen auf "Der gute Kapitalist von nebenan" machen. Schlimmer sind die "Heuschrecken" KKR, Permira und Consorten auch nicht. Da wird immer ohne eigenes Kapital "saniert", ja das Geld sogar aus den Unternehmen abgezogen, und den Karren aus dem Dreck sollen die anderen ziehen. Widerlich. So funktioniert aber Kapitalismus der übelsten angelsächsischen Tradition heute.
meischer_eder 16.06.2013
5. Berggrün profitiert also nicht???
"Ich profitiere nicht von den Gewinnen meiner Holding. Ich mache die Zahlen nicht öffentlich, weil es ein privates Unternehmen ist." Lächerlich! Wer profitiert denn sonst von den Gewinnen SEINER Holding?
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