Krisentreffen: Karstadt bestellt Betriebsräte ein

Mitarbeiter-Eingang einer Karstadt-Filiale (in Essen): Krisentreffen mit Betriebsräten Zur Großansicht
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Mitarbeiter-Eingang einer Karstadt-Filiale (in Essen): Krisentreffen mit Betriebsräten

Erneut Unruhe bei Karstadt: Das Management des Warenhauskonzerns hat die Betriebsräte zu Beratungen einbestellt - und zwar ungewöhnlich viele. Offenbar laufen die Geschäfte schlecht, die Umsätze sollen deutlich geringer sein als angestrebt.

Düsseldorf - Der kriselnde Kaufhauskonzern Karstadt hat seine Betriebsräte für diesen Montag zu Gesprächen einbestellt. Das Treffen begann gegen Mittag in Düsseldorf und sollte voraussichtlich mehrere Stunden dauern, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Ver.di. Die Gewerkschaft sei bei dem Treffen zwar auch vertreten, aber vorab nicht über den Inhalt der Gespräche informiert worden. Das Unternehmen selbst wollte sich bislang nicht zu dem Treffen äußern.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") zufolge handelt es sich um ein Krisentreffen, zu dem die Konzernführung geladen hat. Aus jeder Filiale sollen demnach fünf Betriebsräte erscheinen, das sind ungewöhnlich viele. Dies deute auf heikle Themen hin. Zudem seien für Ende der Woche Betriebsversammlungen angesetzt, in denen voraussichtlich sämtliche Mitarbeiter des Konzerns über den Ausgang des Krisentreffens mit den Betriebsräten informiert würden.

Laut "SZ"-Bericht und nach Informationen des SPIEGEL könnte es bei den Gesprächen auch um Einschnitte bei der Vergütung der Mitarbeiter gehen. Demnach wird erwartet, dass das Management darauf dringt, die Tarifbindung bis auf weiteres auszusetzen. Erst im vergangenen Sommer war ein Sanierungstarifvertrag ausgelaufen, durch den die Karstadt-Beschäftigten sechs Jahre lang auf Gehaltsbestandteile wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet hatten. Karstadt hätte diese Regelung gern verlängert, die Gewerkschaft Ver.di hatte dies jedoch abgelehnt. Seitdem gilt bei dem Kaufhauskonzern wieder der Flächentarifvertrag der Branche.

"Dieses Jahr wird noch hart werden"

Hintergrund der möglichen Bestrebungen: Die Geschäftslage bei Karstadt ist einem Bericht der "Wirtschaftswoche" aus dem April zufolge schlecht. Der Warenhauskonzern rechnet demnach in diesem Jahr mit einem Erlös von 3,13 Milliarden Euro, das seien gut 230 Millionen Euro weniger als geplant. Und Konzernchef Andrew Jennings hatte die Aussichten für dieses Jahr in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" kürzlich düster bewertet: "Dieses Jahr wird noch hart werden, aber dann werden wir Land sehen."

Einen weiteren Stellenabbau wollte Jennings nicht ausschließen. Karstadt habe nach den bisherigen Einschnitten nun zwar "die richtige Größe", sagte Jennings dem "Tagesspiegel". "Es ist aber klar, dass am Ende der Kunde entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht." Im Geschäftsjahr 2010/2011 hatte Karstadt demnach 21 Millionen Euro Verlust gemacht.

Karstadt steckt bereits seit vielen Jahren in der Krise, die Konzernmutter Arcandor meldete im Jahr 2009 Insolvenz an, im Jahr darauf auch die Warenhauskette. Im gleichen Jahr übernahm der US-deutsche Investor Nicolas Berggruen Karstadt, das drohende Aus für die Kaufhauskette war damals zumindest vorerst abgewendet. Berggruen versprach, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

Im Sommer 2012 kündigte Karstadt dann allerdings den Abbau von rund 2000 Stellen bis 2014 an. Dieser ist bereits fast umgesetzt; rund 1850 Arbeitsplätze wurden durch Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge eingespart. Insgesamt arbeiten noch rund 22.000 Menschen bei Karstadt.

fdi/Reuters/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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1. verdi schafft sie alle....
u.loose 13.05.2013
nach Schlecker versuchen sie sich jetzt wohl an Karstadt...
2.
thedoctor46 13.05.2013
Zitat von u.loosenach Schlecker versuchen sie sich jetzt wohl an Karstadt...
Völlig neu scheint Ihnen zu sein, daß der Umsatz nicht alleine von der gewerkschaftlichen Organisation der Mitarbeiter abhängig ist - sondern vom - Umsatz. Also dem, was verkauft wird, dem Betriebsergebnis. Das dürfte vielen FDP-Sympathisanten und Kleinklitschenbetreibern zu hoch sein. Kennt man ja: Im Zweifelsfall sind immer entweder die Gewerkschaften oder "der Staat" schuld...
3.
thedoctor46 13.05.2013
Zitat von u.loosenach Schlecker versuchen sie sich jetzt wohl an Karstadt...
Völlig neu scheint Ihnen zu sein, daß der Umsatz nicht alleine von der gewerkschaftlichen Organisation der Mitarbeiter abhängig ist - sondern vom - Umsatz. Also dem, was verkauft wird, dem Betriebsergebnis. Das dürfte vielen FDP-Sympathisanten zu hoch sein. Kennt man ja: Im Zweifelsfall sind immer entweder die Gewerkschaften oder "der Staat" schuld... Und Schlecker ist ja auch absolut unverschuldet in die eigene Pleite gerutscht. Wer's (immer noch) glaubt..
4. Verdi arbeitet an etwas viel Groesserem
2wwk 13.05.2013
Deutschland ... nicht nur Schlecker und Karstadt .. wir machen "alles platt" mit unserem starken Arm.
5.
petromax 13.05.2013
Zitat von 2wwkDeutschland ... nicht nur Schlecker und Karstadt .. wir machen "alles platt" mit unserem starken Arm.
Das sieht man wohl nur in den USA so - und in Deutschland hoffen das manche seit mehr als 50 Jahren. Vergeblich. Zwischendurch war D mehrfach Exportweltmeister - und die USA - stehen immer wieder vor dem Staatsbankrott. Da gibt's aber kaum Gewerkschaften. Woran mag das nur liegen?
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Zur Person
Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Kunstsammlers Heinz Berggruen, wurde am 10. August 1961 in Paris geboren. Er wuchs in England, Frankreich und der Schweiz auf und verdiente nach einem Finanzwirtschaftsstudium schon früh an der Wall Street sein eigenes Vermögen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Investor, der keinen festen Wohnsitz hat und in Hotels wohnt, auf nachhaltige Investments. So gehören zu seinem Firmen- und Immobilienimperium auch Reisfarmen in Kambodscha und eine Ethanolfabrik. Mehr auf der Themenseite...

Karstadts Kampf ums Überleben
9. Juni 2009
Die Insolvenzanträge für die Holding Arcandor und die Töchter Karstadt und Quelle werden gestellt.
1. September 2009
Das Essener Amtsgericht eröffnet die Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften, darunter die Karstadt Warenhaus GmbH. Insgesamt muss das Essener Gericht über rund 40 Einzelanträge entscheiden.
10. November 2009
Gläubiger stimmen dem Verkauf von Karstadt an einen Investor zu. Dennoch stehen harte Einschnitte bevor, einige Häuser müssen schließen.
1. Dezember 2009
Nach Angaben der Insolvenzverwaltung sollen zehn Karstadt-Standorte mit zum Teil mehreren Häusern geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen. 112 Waren- und Sporthäuser sowie acht Schnäppchencenter mit insgesamt mehr als 25.000 Beschäftigten sollen erhalten bleiben.
15. März 2010
Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt.
12. April 2010
Die Gläubiger stimmen dem Insolvenzplan zu.
23. April 2010
Als erster Interessent legt der Finanzinvestor Triton ein Angebot für Karstadt vor.
21. Mai 2010
Es wird bekannt, dass die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Investmentgesellschaft Berggruen Holdings Ltd. sämtliche Karstadt-Geschäftsaktivitäten übernehmen will.
28. Mai 2010
Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt. Nach der Präsentation der drei Rettungskonzepte vertagt der Ausschuss die Entscheidung über einen Zuschlag auf den 7. Juni. Der Kaufvertrag soll am 9. Juni unterschrieben werden.
1. Juni 2010
Nach monatelangen Gesprächen mit bundesweit 94 Kommunen über einen Verzicht auf Gewerbesteuer haben bis auf drei alle Kommunen zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.
3. Juni 2010
Kurz vor der Entscheidung im Karstadt-Bieterrennen bekräftigt der Handelskonzern Metro sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.
7. Juni 2010
Nach langen Verhandlungen am Konzernsitz in Essen erteilt der Gläubigerausschuss dem Inverstor Nicolas Berggruen den Zuschlag für den Kaufhauskonzern. Karstadt-Vermieter Highstreet und der deutsch-skandinavische Investor Triton überzeugten mit ihren Angeboten nicht.
2. September 2010
Investor Berggruen bekommt die Zustimmung aller Gläubiger zu Mietsenkungen. Dies ist die vorletzte Hürde auf dem Weg zur Rettung des Konzerns. Noch fehlt die Zustimmung des Essener Insolvenzrichters zum Rettungsplan.

3. September 2010
Das Essener Amtsgericht billigt den Insolvenzplan. Damit ist die Übernahme der Warenhauskette durch Berggruen in letzter Instanz bestätigt. Karstadt kann das Insolvenzverfahren abschließen und schuldenfrei weitergeführt werden.
1. Oktober 2010
Letze Gläubiger ziehen ihre Beschwerden gegen den Insolvenzplan zurück. Damit ist der pünktliche Einstieg Berggruens bei Karstadt gesichert. jok/ulz/dpa
Juli 2012
Karstadt kündigt an, 2000 Stellen abbauen zu wollen. Dabei hatte Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen noch bei der Übernahme des Warenhauskonzerns versprochen, alle Jobs zu erhalten und die Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern.