Neuer Chef Stephan Fanderl Sechs Karstadt-Häuser werden dichtgemacht

Standorte in Stuttgart, Göttingen und in Hamburg sind betroffen: Der neue Chef Stephan Fanderl soll die Warenhauskette durch die Sanierung führen und plant Filialschließungen. Bis zu 2000 Stellen will er streichen.

Stephan Fanderl: Der neue Chef im Hause Karstadt
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Stephan Fanderl: Der neue Chef im Hause Karstadt


Essen - Der bisherige Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl wird neuer Chef der angeschlagenen Warenhauskette. Der Aufsichtsrat habe den 51 Jahre alten Manager bei seiner Sitzung in Essen berufen, teilte das Unternehmen in Essen mit. Er folgt auf die im Sommer überraschend ausgeschiedene Eva-Lotta Sjöstedt. Fanderl saß bereits seit einem Jahr im Aufsichtsrat von Karstadt und genießt das Vertrauen des neuen Eigeners René Benko.

Nach Informationen der "Welt" und von "derwesten.de" sollen sechs Häuser des Krisenkonzerns geschlossen werden. Neben zwei klassischen Kaufhäusern in Hamburg-Billstedt und Stuttgart seien die auf junge Mode spezialisierten Karstadt-Ableger "K-Town" in Göttingen und Köln sowie Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt an der Oder betroffen. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Bereits bei seiner vorigen Sitzung im September hatte der Karstadt-Aufsichtsrat die Weichen für einen harten Sanierungskurs gestellt. Rund 2000 Stellen sollen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gestrichen werden. Der Wegfall dieser Arbeitsplätze und Beschlüsse zur Schließung von sechs Filialen bedeuteten einen "dunklen Tag für die Beschäftigten", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt nach der Sitzung des Aufsichtsrats.

Konzern dementiert Interesse an Kaufhof-Kette

Patzelt zufolge sind in den sechs Standorten, die geschlossen werden sollen, rund 200 bis 240 Mitarbeiter beschäftigt. Es sei offen, wo genau die 2000 Stellen abgebaut werden sollen. Ein Karstadt-Sprecher wollte sich zu den Zahlen nicht äußern.

Die Gewerkschaft Ver.di hatte bereits vor der Sitzung Klarheit über die künftige Strategie gefordert. "Wir wollen wissen, wo der Kurs des Unternehmens hingehen soll", sagte Arno Peukes, der für Ver.di im Aufsichtsrat sitzt, dem Berliner "Tagesspiegel". "Bei dem bisherigen Sanierungskonzept fehlt uns die Zukunftsperspektive."

Zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Wolfram Keil gewählt. Er gilt als Vertrauter des Karstadt-Eigentümers René Benko und ist Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH.

Benko signalisierte unterdessen einem Medienbericht zufolge erneut Interesse an einer Übernahme der Warenhauskette Kaufhof. Der Kaufpreis solle bei 2,5 Milliarden bis 2,7 Milliarden Euro liegen, schrieb die "Lebensmittel Zeitung" unter Berufung auf Insider. Konkrete Verhandlungen über einen Verkauf der Metro-Tochter hätten jedoch noch nicht begonnen.

Ein Sprecher des österreichischen Benko-Unternehmens Signa wies die Meldung allerdings zurück. "Der Bericht entbehrt jeder Grundlage. Die Signa konzentriert sich zusammen mit dem Management von Karstadt voll und ganz auf das Sanierungs- und Zukunftsprogramm für die Karstadt Warenhaus GmbH", erklärte Signa-Sprecher Robert Leingruber.

isa/dpa/Reuters



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otto789 24.10.2014
1. Was ist der Sinn und Zweck eines Unternehmens
Der Sinn und Zweck eines Unternehmens ist Profite zu erwirtschaften und Gewinne zu machen. Damit wird alles bezahlt. Gehälter, Mieten, Versicherungen Und was sonst alles anfällt. Ob da jetzt Ver.di rumheult oder nicht Wenn die Gelder nicht erwirtschaftet werden geht's halt nicht. Es spielt keine Rolle ob es am Warenangebot, am Management oder an schlecht gelauntem Verkaufspersonal liegt. Es ist ja nett, das der Verdi Vertreter im Aufsichtsrat wissen möchte wohin der Kurs geht. Aufsichtsrat bedeutet aber auch lenken des Unternehmens und Wen ihm die Situation des Unternehmens nicht bekannt ist Dann hat die ganze Zeit geschlafen.
oldlindi 24.10.2014
2. Abgewickelt, ausgesaugt
Hoffentlich verstehen es bald alle: Karstadt wird keine neuen Konzepte zur Genesung bzw. zum "turn around" erhalten. Karstadt wird - ganz nach Mänädscher-Verwaltungsart - schrumpfend, aussaugend "nieder-saniert". Spätestens die Aussagen des neuen Aussaugers (ahem, Besitzers), dass es weniger Kassen und weniger Beratungsmitarbeiter geben solle (genau dies ist das Pfund gegenüber den Wettbewerbs-Kanälen), verdeutlicht, dass sich dieses Unternehmen einmal wieder nicht in Händen von aufbauenden Unternehmern befindet, die Chancen erkennen und aufbereiten, sdr. dass der typische Weg auf Kosten der Belegschaft, auf Kosten der Standorte und auf Kosten der Beratung, des Services gegangen wird, an dem am Ende die Braut (Karstadt) wieder zerkleinert möglichst lukrativ weiter veräußert wird. Schade, schade, schade, oder aber: So ist er halt, der "Investoren"-Markt...
Nabob 24.10.2014
3. Die Chef-Ideologen auf dem Experimentierparkur
Die Sache ist seit Jahren durchsichtig. Karstadt ist letztlich zur vollständigen Schließung verdammt, doch bis dahin wird auf Kosten des Steuerzahlers noch mächtig abgegriffen. Geht man bei Karstadt einkaufen, könnte man den Verkäufern passend zurufen: Achtung, Kunde droht mit Kauf! Das ist wohl in erster Linie das Problem, warum man bei dem ungelenken Karstadt kaum noch einkaufen geht.
Reg Schuh 24.10.2014
4. Was ist der Sinn und Zweck eines Unternehmens
Zitat von otto789Der Sinn und Zweck eines Unternehmens ist Profite zu erwirtschaften und Gewinne zu machen. Damit wird alles bezahlt. Gehälter, Mieten, Versicherungen Und was sonst alles anfällt. Ob da jetzt Ver.di rumheult oder nicht Wenn die Gelder nicht erwirtschaftet werden geht's halt nicht. Es spielt keine Rolle ob es am Warenangebot, am Management oder an schlecht gelauntem Verkaufspersonal liegt. Es ist ja nett, das der Verdi Vertreter im Aufsichtsrat wissen möchte wohin der Kurs geht. Aufsichtsrat bedeutet aber auch lenken des Unternehmens und Wen ihm die Situation des Unternehmens nicht bekannt ist Dann hat die ganze Zeit geschlafen.
Achtung!! Der Sinn und Zweck eines Unternehmens ist nicht Gewinne zu machen, sondern a) den Unternehmern einen Lebensunterhalt zu verschaffen und b) Ein Produkt oder mehrere Produkte zu machen/verkaufen oder Dienste zu leisten. (Gewinne zu machen, mag z.B. der Aktienspekulant gerne sehen, aber Aktienspekulanten machen keine ehrliche Arbeit, sondern greifen hier und da Gewinne ab, die von anderen erwirtschaftet wurden....) Trotzdem: Wenn das Unternehmen dabei dauernd massiv Verluste macht, dann muß etwas im Unternehmen geändert werden.
articulator 24.10.2014
5. support your local dealer
Beständig ist nur der Wandel. Insbesondere beim Handel. War früher der Preis eine Art Wertmaßstab, so gilt heute der UVP als Empfehlung ohne Wert. Ohne Schnapp kein Deal. Wir sind ja schließlich nicht blöd... Und dann Warehouse 2.0: Offline begutachten und online kaufen. Wie soll das dauerhaft funktionieren? Derweil wird hin und her gekarrt, dass die Heide wackelt. Und die schöne alte Warenwelt verdient zwar Aufmerksamkeit, doch kaum noch Geld. Und der Tränen sind bald viele. Ach ihr Krokodile... Btw: K-Town-Häuser sind KEINE eigentlichen Filialen, sondern deren Sidestores. Noch isses nicht so schlimm, wie's gehypt wird. Auf zu Karstadt.
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