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Angeschlagener Warenhauskonzern: Karstadt-Chefin Sjöstedt verlässt das Unternehmen

Karstadt-Chefin Sjöstedt (Archivbild): Abschied nach nur wenigen Monaten Zur Großansicht
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Karstadt-Chefin Sjöstedt (Archivbild): Abschied nach nur wenigen Monaten

Erneuter Machtwechsel bei Karstadt: Die Chefin der angeschlagenen Warenhauskette, Eva-Lotta Sjöstedt, räumt nach kurzer Zeit ihren Posten. Sie begründet den Schritt mit fehlender Unterstützung durch den Eigentümer Berggruen.

Essen - Karstadt-Geschäftsführerin Eva-Lotta Sjöstedt verlässt nach nur wenigen Monaten an der Konzernspitze die angeschlagene Warenhauskette. Das teilte das Unternehmen mit.

Zur Begründung sagte Sjöstedt, sie sehe keine Basis mehr für den vor ihr angestrebten Sanierungsprozess. Sie habe die schwierige Aufgabe beim Essener Konzern auch deshalb übernommen, weil ihr der Eigentümer des Unternehmens, Nicolas Berggruen, die volle Unterstützung für ihre Strategie und ihre Investitionspläne für die 83 Warenhäuser zugesagt habe. Doch habe sie die nötige Unterstützung durch Berggruen nicht erhalten, erklärte die Schwedin.

"Nach eingehender Prüfung, den Erfahrungen der letzten Monate und in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten muss ich jedoch nun feststellen, dass die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Weg nicht mehr gegeben sind", erklärte die Managerin. Sie habe deshalb ihr Amt zum 7. Juli niedergelegt.

"In sehr schwierigen Zeiten"

Das Unternehmen bedauerte die Entscheidung von Sjöstedt und teilte mit, der Schritt komme "überraschend und in sehr schwierigen Zeiten". Finanzvorstand Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz sollen den Konzern nun weiterführen. Ziel sei es, "die Sanierung von Karstadt entschlossen und unverzüglich anzugehen", sagte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl.

Die frühere Ikea-Managerin hatte den Job erst im Dezember angenommen, offiziell hatte sie den Dienst am 24. Februar 2014 angetreten. Die Position gilt als einer der unattraktivsten Posten im deutschen Handel.

Schon vor ihrem offiziellen Amtsantritt hatte Sjöstedt in 47 Filialen selbst an der Kasse gestanden, mit den Mitarbeitern gesprochen und Kunden bedient, um sich aus erster Hand ein Bild von der Lage im Konzern zu machen. Ihre ersten Sofortmaßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beruhten ganz wesentlich auf den damals gemachten Erfahrungen, schrieb sie kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter.

Im März hatte Sjöstedt angekündigt, sie wolle den Filialen mehr Eigenverantwortung einräumen und so stärker auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Bislang habe Karstadt zu viele Entscheidungen zentral vorgegeben.

Sjöstedt hatte für Ikea in den Jahren zuvor unter anderem in Japan und den Niederlanden gearbeitet. So war sie im schwedischen Möbelhaus für das Multichannel-Geschäft verantwortlich, also die Verknüpfung von Internet und stationärem Handel.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 76 Beiträge
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1.
dani7830 07.07.2014
warum immer so schnell aufgeben. nur weil mal was nicht so läuft. so ist nun mal das leben. und gute Chefs können das ab und finden einen weg. aber nur ein guter und williger chef schaft das. sie findet sicher eine leichtere aufgabe.
2. immer weiter abwärts
thiga 07.07.2014
geht es mit dem runtergwirtschafteten Traditionsunternehmen. Und Hr. Berggrün Junior beweist einmal mehr, dass ihm nur der gute Ruf des Herrn Vater den Einstieg ermöglichte.
3.
Michael200669 07.07.2014
Zitat von sysopDPAErneuter Machtwechsel bei Karstadt: Die Chefin der angeschlagenen Warenhauskette, Eva-Lotta Sjöstedt, räumt nach kurzer Zeit ihren Posten. Sie begründet den Schritt mit fehlender Unterstützung des Eigentümers Berggruen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/karstadt-chefin-sjoestedt-raeumt-ihren-posten-a-979615.html
Ich bin etwas verwirrt. Es wird und wurde doch immer behauptet, das Frauen es besser können. Und jetzt geht die nächste Frau in einer Führungsposition. Kann es doch sein, das die meisten Frauen doch nicht in der Lage sind, sich argumentativ durchzusetzen sondern nur auf der emotionaler Basis. Nur funktioniert das halt im Berufsleben nicht. So das diese Karte nicht mehr Sticht. Vor allem zeigt es sich immer wieder, das Frauen, die es geschafft haben, keine anderen Frauen neben sich akzeptieren können und die dementsprechend Aufstiege durch verschiedenste Maßnahmen zu verhindern wissen.
4.
Ruhri1972 07.07.2014
Der von der Politik hochgejubelte Berggruen zeigt sein wahres Gesicht. Mittlerweile gibt es viele aufschlußreiche Dokumentationen und Reportagen hierzu.
5. Schade
tkedm 07.07.2014
Das ist schade, schien sie sich doch wirklich für das Unternehmen zu interessieren, wie man die letzten Monate so lesen und von Mitarbeitern erfahren konnte. Wenn aber vom Investor kein Geld bereitgestellt wird, kann die beste Geschäftsführerin nichts bewegen. Der charmante Herr Investor zeigt von Jahr zu Jahr sein Gesicht klarer.
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