Nach langer Durststrecke Karstadt macht wieder Gewinn

Filialen mussten schließen, Mitarbeiter gehen: Seit Jahren steckt Karstadt in der Krise. Nun schreibt das Traditionskaufhaus erstmals wieder schwarze Zahlen und plant Neueröffnungen.

Karstadt-Warenhauses in Düsseldorf
DPA

Karstadt-Warenhauses in Düsseldorf


Karstadt hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 erstmals seit zwölf Jahren einen Jahresüberschuss erzielt. Das teilte der Essener Traditionskonzern mit. Unter dem Strich stand ein Plus von 1,4 Millionen Euro. Zudem wolle Karstadt wieder neue Filialen eröffnen, kündigte Karstadt-Chef Stephan Fanderl an: "Wir haben ein Portfolio von interessanten Standorten, und es ist nicht die Frage ob, sondern wann und an welchem davon ein neues Warenhaus entstehen wird."

Karstadt kämpfte über Jahre mit Verlusten. Die Kette war 2014 vom österreichischen Immobilien-Investor René Benko gekauft worden, Fanderl übernahm das Ruder. Er setzte zunächst den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete Karstadt eine verstärkte lokale Ausrichtung der Warenhäuser.

Karstadt als "vernetzter Marktplatz"

Fanderl holte zudem Partner in die Warenhäuser und kurbelte das Onlinegeschäft an: Karstadt soll so zu einem "vernetzten Marktplatz" umgeformt werden. Bis zum Geschäftsjahr 2019/20 wolle er den Anteil des Onlineumsatzes auf rund zehn Prozent steigern, kündigte Fanderl an.

Bereits im Geschäftsjahr 2015/16 hatte der Kaufhof-Konkurrent den Verlust deutlich verringert. Er hatte damals einen Jahresfehlbetrag von 7,5 Millionen Euro verzeichnet. Davor lag das Minus noch bei knapp 65 Millionen Euro. Nun konnte Karstadt einen kleinen Gewinn ausweisen. Der von Fanderl eingeschlagene Sanierungskurs zeigt damit Wirkung.

Investor Benko hatte in der Vergangenheit auch Interesse an Wettbewerber Kaufhof gezeigt. Der nordamerikanische Kaufhof-Eigner HBC hatte eine Übernahmeofferte aber ausgeschlagen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, dass 400 Stellen in der Karstadt-Firmenzentrale bis zum Jahr 2020 gestrichen werden sollten. Diese Angabe waren nicht korrekt. Zudem wurde der Firmensitz des Unternehmens falsch angegeben.

ans/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hevopi 21.03.2018
1. Meine Hoffnung für Karstadt
hält sich in Grenzen, weil der Spaziergang und das Angebot interessant sind, aber durch den Vertrieb im Internet die Wettbewerbsfähigkeit sehr fraglich ist. Es muss auch Karstadt solche Abteilungen wie Lidl und Aldi in den Häusern unterbringen, denn wenn ein Kunde erst mal kaufentschlossen so ein Haus besucht, wird er auch andere Angebote erwerben.
ziooyong 21.03.2018
2. Mief
Karstadt ist ein miefiger Laden in dem das ganze Jahr Sale ist. Die Preise sind nicht konkurrenzfähig, den Laden brauche ich nicht.
crazy_swayze 21.03.2018
3.
Eine Lehrstunde an aller Trillerpfeifen, die bei defizitären Unternehmen gegen Stellenkürzungen agitieren.
3liter 21.03.2018
4. Gutes Signal
So langsam wachen die ersten Menschen auf und realisieren, dass Onlinehandel zwar recht günstig und bequem ist, der Preis aussterbender Innenstädte hoch, vielleicht zu hoch ist. Mittlerweile kaufe ich Bücher, Filme u. a. lieber wieder im lokalen Buchladen als bei Steuervermeider Amazon. Online kaufe ich nur noch, was ich in der Nähe wirklich nicht ohne Kopfstand zu machen bekomme. Damit ist den Gewerbetreibenden, dem Stadtsäckl und einigen anderen geholfen und wesentlich mehr habe ich in der Regel auch nicht bezahlt. Da Karstadt u. ä. Ketten letztlich immer noch Ankerpunkte in diversen Innenstädten sind, ist das ein gutes Zeichen - auch für alle umliegenden stationären Händler, die ja im wesentlichen von der Frequenz leben, welche die "Großen" ihnen bringen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.