Kriselnder Kaufhauskonzern Interims-Chef von Karstadt muss gehen

Es ist der erste Schritt des neuen Eigentümers Benko: Der langjährige Karstadt-Personalchef Weitz verlässt nach SPIEGEL-Informationen das Unternehmen. Bis auf Weiteres führt Finanzvorstand Müllenbach den Konzern.

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Karstadt-Filiale in Berlin: Benko trifft erste Personalentscheidungen
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Karstadt-Filiale in Berlin: Benko trifft erste Personalentscheidungen


Hamburg - Es war keine lange Amtszeit: Gerade mal zwei Monate führte Kai-Uwe Weitz gemeinsam mit Miguel Müllenbach die Geschäfte der kriselnden Warenhauskette, nachdem die bisherige Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjösted das Unternehmen Anfang Juli überraschend verlassen hatte. Doch damit ist jetzt Schluss: Wie der SPIEGEL aus Unternehmenskreisen erfuhr, wird der langjährige Arbeitsdirektor das Unternehmen verlassen, "in gegenseitigem Einvernehmen", wie es heißt. Vorerst soll Finanzchef Müllenbach die Geschäfte bei Karstadt alleine weiter führen.

"Karstadt dankt Kai-Uwe Weitz für seinen Beitrag in den zurückliegenden schwierigen Jahren des Umbruchs und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute", erklärte Aufsichtratschef Stephan Fanderl in einer Mitteilung.

Erst Anfang der Woche hatte der österreichische Immobilieninvestor René Benko die kriselnde Warenhauskette vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen übernommen. Eine für Donnerstag geplante Aufsichtsratssitzung musste vorerst verschoben werden. Damit müssen die Mitarbeiter noch länger auf Informationen über kommende Sanierungspläne warten.

Wie Karstadt mitteilte, wurde die Sitzung verschoben, da Benko zunächst den Beschluss des Kartellamtes zur Übernahme des Konzerns abwarten muss. Diese wurde am vergangenen Freitag beim Bundeskartellamt angemeldet. Im schnellsten Falle könnte die Genehmigung der Übernahme bis Mitte September erfolgen. Zudem will Benko vor wichtigen Entscheidungen auch die Wahl seiner eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat abwarten. Derzeit ist das Gremium noch mit Vertrauten von Berggruen besetzt.

"Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen", sagte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. Aber der Entscheidung der Kartellbehörde könne das Management nicht vorgreifen.

Sanierungspläne liegen auf Eis

Dringende Entscheidungen über die Sanierung von Karstadt waren bereits nach dem abrupten Abgang von Firmenchefin Sjöstedt verschoben worden. Ursprünglich sollte sich der Aufsichtsrat bereits Ende Juli mit der Zukunft des Einzelhandelskonzerns beschäftigen. Karstadt hat in Deutschland derzeit 83 Warenhäuser.

Bisher ist unklar, was Benko mit der Übernahme des Warenhausgeschäftes langfristig plant. Bislang hatte sich sein Unternehmen - die Signa-Gruppe - hauptsächlich auf Immobilien-Investments konzentriert.



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
ohemmer69 19.08.2014
1. Wenn die Finazabteilung
am Steuer sitzt kommt meistens nichts gutes dabei raus.
lutfikus 19.08.2014
2.
Die Angestellten sollten sich schon mal ernsthaft nach neuen Jobs umschauen. Benko wird das Unternehmen weiter ausweiden und die Immobilienperlen in kurzfristigen Profit umwandeln.
hacki1987 19.08.2014
3.
ich könnte mir gut vorstellen dass Karstadt genau so wie in den letzten Jahren einige große Versandhäuser früher oder später eingestampft wird und die Immobilien anderweitig verwendet werden oder sogar für neue bauten weichen müssen. Das lange hin und her zeigt doch nur das es schlecht steht um Karstadt. anders kann ich mir das mit dem Personalwechsel an der Führungsspitze nicht erklären ...
spontanistin 19.08.2014
4. Referenzen
In welchen entwickelten Industriestaaten mit gesättigten Märkten funktioniert denn noch das alte Konzept "Warenhaus" profitabel? Warum wird / wurde den Mitarbeitern nicht reiner Wein eingeschenkt von den Topmanagern und weitsichtigen Betriebsräten? Statt "Ein Ende mit Schrecken" haben diese sich wohl auf Kosten der armen Mitarbeiter für "Ein Schrecken ohne Ende" entschieden, um so lange wie möglich ihre Schäfchen in's Trockene zu bringen.
dr.könig 19.08.2014
5. Profit ist der Götze
Zitat von lutfikusDie Angestellten sollten sich schon mal ernsthaft nach neuen Jobs umschauen. Benko wird das Unternehmen weiter ausweiden und die Immobilienperlen in kurzfristigen Profit umwandeln.
Herr Benko ist nicht Papst Franziskus. Nachdem Berggruen Karstadt mit den Linzenzkosten nur für den Namen( wer hat die Rechte jetzt ? ) jährlich mit 9 Millionen ausgenommen hat, steuerarm über Amsterdam, kommt nun der nächste Hai. Ein vorbestrafter Immo Händler aus Österreich. Filialen schließen, Personal weg. Umwandeln in Shop in Shop mit neuen Pächtern und guten Einnahmen. Das ist das Konzept. Herr Wiedekind, früher CEO bei Porsche, heute Anteilspartner bei Benko, sagte einmal über die Preisfindung bei Porsche : " Wir nehmen, was der Markt hergibt ". Das ist auch die Parole von Benko. Es ist nichts unanständiges ! Nur die Mitarbeiter, immerhin 17.000 , kommen hier überhaupt nicht vor. Die rangieren unter ferner liefen. Da muß Herr Gabriel und Frau Nahles zusammen tätig werden. " Eigentum verpflichtet ", steht im GG.
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