Karstadt am Abgrund Sommer. Schluss. Verkauf?

Für die Karstadt-Mitarbeiter war Eva-Lotta Sjöstedt der erste Lichtblick seit Langem. Nun wirft die Schwedin nach nur fünf Monaten an der Spitze hin. Ihr Abgang zeigt, wie hoffnungslos die Lage bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern ist.

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Karstadt-Filiale in Frankfurt: Zum Spielball von Spekulanten geworden
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Karstadt-Filiale in Frankfurt: Zum Spielball von Spekulanten geworden


Hamburg - Zu Deutschland hatte Eva-Lotta Sjöstedt bislang ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Schon als Kind sei sie mit ihren Eltern von Schweden aus zum Lübecker Weihnachtsmarkt gefahren, erzählte sie noch vor Kurzem der "Brigitte". Bis heute verbinde sie ein Grundgefühl von Wärme mit dem Land.

Das Verhältnis scheint sich in Rekordzeit abgekühlt zu haben. Am Montag gab Sjöstedt per Pressemitteilung bekannt, dass sie nach nur fünf Monaten ihren Job als Karstadt-Chefin hinschmeißt. Den schwierigen Job habe sie auch deshalb übernommen, weil der Eigentümer Nicolas Berggruen ihr volle Unterstützung zugesichert habe. Doch nach "den Erfahrungen der letzten Monate und in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten" erscheine der von ihr angestrebte Weg nicht mehr möglich.

Für die Karstadt-Belegschaft ist die Nachricht ein Schock. Sjöstedts Amtsantritt im Februar erschien vielen als erster Lichtblick seit Langem. Für ihre offene Art erhielt die Schwedin reichlich Vorschusslorbeeren. Noch in der vergangenen Woche hatte sie sich auf einer Betriebsrätekonferenz im hessischen Willingen über die Sorgen der Mitarbeiter informiert.

Von Sjöstedts Abschied erfuhr die Belegschaft nun erst kurz vor der Öffentlichkeit aus einem Brief im Intranet. Auch der Karstadt-Aufsichtsrat war nicht in Gänze vorab informiert. Mit ihrem Abschied scheint es Sjöstedt also ziemlich eilig gehabt zu haben.

Berggruen ließ längst die Maske fallen

Die frühere Ikea-Managerin hatte einen Neustart für Karstadt versprochen. Das Konzept dazu müsse sie erst mit den Angestellten erarbeiten, sagte Sjöstedt noch vor wenigen Tagen. Doch von Beginn an war klar gewesen, dass die studierte Modedesignerin neben Ideen auch zusätzliches Geld benötigen würde. Stattdessen musste sie einen harten Sparkurs durchziehen. Berggruen, der die Maske des Karstadt-Retters schon vor längerer Zeit fallen ließ, zieht dem strauchelnden Konzern auf immer neue Weise Geld ab.

Zum Abschied kritisierte Sjöstedt den Investor nun in bislang nicht gekannter Deutlichkeit. Das lässt ahnen, wie dramatisch die finanzielle Situation inzwischen ist. Der Konzern versucht sich mit Rabattschlachten über Wasser zu halten. Im Lager sollen sich laut einem Mitarbeiter noch Waren für acht bis zehn Millionen Euro aus der letzten Saison befinden, Bestellungen für Neuware seien in großem Stil storniert worden. "Die Zahlen von Karstadt sind nach wie vor besorgniserregend", sagt Manuel Jahn, Handelsexperte bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Entscheidend für die Zukunft von Karstadt ist jetzt der österreichische Immobilieninvestor René Benko. Ihm gehören schon jetzt zahlreiche Karstadt-Filialen, zudem kaufte er zusammen mit dem israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz die Sporthäuser und die Luxuskaufhäuser Alsterhaus, Oberpollinger und KaDeWe. Ohne die in Kürze erwartete zweite Tranche aus diesem Geschäft müsste der Konzern schon jetzt ums Überleben bangen.

Über eine sogenannte Call-Option kann Benko zudem jederzeit 75 Prozent an Karstadt zum Preis von einem Euro übernehmen. Dafür könnte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein. Doch Benko scheint genausowenig Interesse an dem Geschäft zu haben wie Berggruen. Ihm dürfte es vor allem um die lukrativen Standorte der Karstadt-Immobilien gehen.

Es geht nicht mehr um den Betrieb

Die Hoffnung auf eine Kehrtwende unter Sjöstedt hält GfK-Experte Jahn denn auch für naiv. "Dahinter steckt die Überzeugung, es gehe noch um den Betrieb. Es geht bei Karstadt aber längst um den Wert der Immobilien. Die sind für sich viel mehr wert als das, was Karstadt erwirtschaften kann." Der Konzern ist somit endgültig zum Spielball von Spekulanten geworden.

Ob Sjöstedt sich ihrer Statistenrolle erst jetzt bewusst wurde? Unerfahren ist die Schwedin nicht, bei Ikea verantwortete sie unter anderem die Expansion nach Japan, führte die Logistiksparte und war für die digitale Strategie zuständig. Am Ende ihrer Rücktrittserklärung dankte Sjöstedt den Mitarbeitern für ihr Vertrauen und wünschte ihnen für die Zukunft alles Gute. Es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass die Karstadt-Mitarbeiter einem Chef vertrauen.

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auf_dem_Holzweg? 07.07.2014
1. es ist schade...
der Hintergrund für den Rückgang dieser Unternehmen ist klar das Internet. Werden doch die gleichen Waren dort für 10-15% weniger Geld angeboten. Oft fahren Kudnen in die Warenhäuser um sich die Sachen man anzuschauen und in die Hand zu nehmen. Zudem bekommen Sie eine kostenlose Beratung. Danach geht's ab heim an den PC und die Ware wird über Internet bestellt. Klar geht es dort billiger, keine Lagerhaltung, keine Verkäufer, nicht einmal Kosten für Werbung. Die Kaufhäuser der Zukunft, die sich finanziell über Wasser halten lkönnen. müssen Eintritt nehmen, um die Kosten zu decken. Kauft der Kunde etwas kann dieser Eintritt erlassen werden. In einigen Geschäften für Professionelle Fotografie werden schon Beratungskosten verlangt, die jedoch entfallen, wenn der Kunder etwas kauft. Solange Karstadt DAS nicht begreift wird es untergehen. Es wird also in der Tat Zeit für ein neues Management.
ex rostocker 07.07.2014
2. Mal ehrlich: Wer hat zuletzt bei Karstadt gekauft?
Jetzt wird wieder das Wehklagen einsetzen über die bösen Kapitalisten. Aber malehrlich: Wer hat wann zuletzt bei Karstadt etwas gekauft? Bei mir ist der letzte Karstadt-Einkauf schon einige Jahre her. Das Konzept des Warenhauses hat sich überlebt. Aber Schuld daran sind wir Kunden, die wir dort kein Geld mehr hintragen.
Freidenker10 07.07.2014
3. Abgezockt...
Und Berggruen kassiert seine Tantiemen für die Namensrechte weiter und weiter... Der Typ ist eine Heuschrecke erster Güte! 1€ investiert und sicherlich schon 50 Mio rausgezogen, dabei lässt er sich noch in künstler und intellektuellen Kreisen feiern... Gewusst wie...
medermark 07.07.2014
4. Neoliberale Verwerfungen
Ob die im Artikel gegen den Investor Berggruen erhobenen Vorwerfe zutreffen, vermag ich aus meiner Perspektive nicht zu beurteilen. Sollte dies aber der Fall sein und es wirklich nur noch um den Wert der Karstadt Immobilien gehen, dann wäre dies bezeichnend für die Verwerfungen unseres schrecklichen, vom neoliberalen FDP-ler Geist vergifteten, Jahrhunderts. Spekulation vor Substanz. Das ist eine gesellschaftspolitische Tragödie, aber all zu oft die bittere Realität.
monolithos 07.07.2014
5. Zeit ist abgelaufen
Wer braucht noch Warenhäuser wie Karstadt? Setzt sich wirklich noch jemand ins Auto, verfährt Sprit, quält sich durch den Parkplatzsuchstau, zahlt Parkgebühren und läuft durch die halbe Innenstadt, um dann festzustellen, dass es das, weswegen man losgefahren ist, gerade nicht gibt, weil dieser Artikel aus dem Sortiment genommen wurde, in der gesuchten Größe gerade nicht verfügbar ist oder einfach ausverkauft ist? Zudem hat so ein Warenhaus meistens geschlossen, wenn ich Zeit zum Einkaufen habe. Wenn ich was einkaufen will, dann mache ich das meistens nach 22.00 Uhr im Internet. Da bekomme ich die Sache noch günstiger als bei Karstadt mit Rabatt. Und die Post bringt mir die Sachen nach Hause. Kein Stau, keine Parkgebühren, kein "Hamwanichda". Sorry, liebe Karstädter, aber Euer Geschäftsmodell stammt aus einer Zeit, die abgelaufen ist.
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