Absichtserklärung Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näher

Über einen Zusammenschluss der großen deutschen Kaufhausketten wird seit Jahren diskutiert - nun sind der kanadische Kaufhof-Eigentümer und Karstadt-Eigner Benko vorangekommen. Dann droht die Schließung von Filialen.

Kaufhof in Köln
DPA

Kaufhof in Köln


Die Eckpunkte einer Fusion der kriselnden Warenhauskette Kaufhof mit Konkurrent Karstadt stehen offenbar fest: Die Eigentümer der beiden Konzerne haben in ihren Gesprächen über eine Zusammenlegung beider Warenhausketten eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Das Papier des kanadischen Kaufhof-Eigentümers Hudson's Bay Company (HBC) und des österreichischen Karstadt-Eigners René Benko, über das zuvor die "Wirtschaftswoche" berichtet hatte, sieht vor, Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einzubringen. Es soll demnach den Titel tragen: "Vereinbarung zu einer Fusion unter Gleichen im europäischen Warenhaus-Geschäft".

Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von einem geplanten Gemeinschaftsunternehmen. Vermutlich würden weniger als 15 Filialen geschlossen, die ohnehin nicht gut liefen, hieß es demnach. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete dagegen unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person: "Drei bis fünf Standorte würden bei einem Zusammengehen vermutlich geschlossen." Beide Eigentümer seien daran interessiert, so viele Kaufhäuser wie möglich zu erhalten.

Kaufhof betreibt in Deutschland derzeit 96 Warenhäuser, Karstadt 82. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll Stephan Fanderl, Chef von Karstadt und Signa Retail, das künftige Gemeinschaftsunternehmen leiten - beide Markennamen bleiben demnach vorerst bestehen. Benkos Firma Signa hatte bereits im November 2017 ein Übernahmeangebot für Kaufhof und ein Immobilienpaket vorgelegt. Die damalige Offerte in Höhe von drei Milliarden Euro lehnte HBC jedoch ab.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Eigentümer beider Ketten erneut über eine Zusammenarbeit sprechen. Laut "Wirtschaftswoche" soll Signa nun etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft managen.

"Wall Street Journal": HBC soll 1,1 Milliarden Euro erhalten

Der Stammsitz des neuen Unternehmens solle entweder in Köln oder an einem anderen Standort in Nordrhein-Westfalen angesiedelt werden, zitierte das Blatt Verhandlungskreise. Als relativ sicher gelte, dass der Karstadt-Stammsitz in Essen wegfalle. Eine Bestätigung für diese Angaben gibt es bislang aber nicht.

Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hat, ist offen. Die Verwaltung und der Einkauf sollten zusammengelegt und Arbeitsplätze abgebaut werden, zitierte die "Wirtschaftswoche" aus Verhandlungskreisen.

Das "Wall Street Journal" berichtete, Hudson's Bay erhalte im Zuge der Transaktion 1,1 Milliarden Euro von Signa. Signa übernehme wiederum Schulden in Höhe von 750 Millionen Euro. Eine Bestätigung hierfür gibt es bislang nicht.

Die angeschlagene HBC hatte sich zuletzt immerhin etwas Luft verschafft. Das Unternehmen hatte im Herbst 2017 angekündigt, sich durch den Verkauf einer Luxusimmobilie in Manhattan und den Einstieg eines Finanzinvestors sanieren zu wollen. Zu den aktuellen Details der Übernahmepläne wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Kaufhof verhandelt über Sanierungstarifvertag

Benko hatte die Karstadt-Warenhäuser 2015 übernommen. Er wollte danach auch den Konkurrenten Kaufhof kaufen und damit die Idee einer deutschen Warenhaus AG wieder aufleben lassen. Diese scheiterte jedoch, weil die damalige Metro-Tochter Chart zeigen Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro an die kanadische HBC-Gruppe ging. Seither kämpft der Kölner Konzern mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald verhandelt zurzeit mit der Gewerkschaft Ver.di über einen Sanierungstarifvertrag, der die Kosten des Unternehmens um einen Millionenbetrag senken soll.

Beide Ketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Onlinehändlern wie Amazon oder Zalando. Auch Karstadt hat nach einer harten Sanierung gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Im vergangenen Geschäftsjahr wies der Konzern bei weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen bescheidenen Überschuss von 1,4 Millionen Euro aus.

apr/Reuters/dpa-AFX



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