Fusion der Warenhäuser Wie es jetzt mit Karstadt und Kaufhof weitergeht

Es ist offiziell: Kaufhof und Karstadt fusionieren zu einem großen Warenhauskonzern. Was ändert sich für Kunden - und was wird aus den Mitarbeitern?

Kaufhof- und Karstadt-Filialen
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Kaufhof- und Karstadt-Filialen

Von und Felix Sommerfeld


Was über Jahre hinweg spekuliert wurde, bewahrheitet sich jetzt: Die Karstadt Warenhaus GmbH und die Galeria Kaufhof GmbH schließen sich zu einem großen Warenhauskonzern zusammen.

Besonders für Kaufhof mit seinen 96 Warenhäusern dürfte es Rettung in höchster Not gewesen sein. Das Unternehmen kämpft seit der Übernahme durch den nordamerikanischen Handelskonzern Hudson's Bay Company (HBC) Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen.

Bei Karstadt dagegen hatte der Sanierungskurs von Vorstandschef Stephan Fanderl Wirkung gezeigt: Für das Geschäftsjahr 2016/2017 wies das Unternehmen mit seinen 79 Warenhäusern erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen Gewinn aus.

Stephan Fanderl
DPA

Stephan Fanderl

Nun soll Fanderl auch bei Kaufhof die Sanierung anpacken. Der 54-jährige Manager wird das fusionierte Warenhausunternehmen führen. Europaweit wird der Einzelhandelskonzern 243 Standorte haben und rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen.


Warum fusionieren die beiden Ketten?


Die Unternehmen sind wegen des immer wichtiger werdenden Onlinehandels enorm unter Druck geraten. Allein Amazon macht heute ein Drittel des Gesamtumsatzes im deutschen E-Commerce aus, die hiesigen Konzerne verlieren dagegen zunehmend an Boden. Sowohl Karstadt als auch Kaufhof haben großen Aufholbedarf. Karstadt-Eigentümer Signa und Kaufhof-Besitzer HBC teilten mit, dass sich im Bereich der "leistungsfähigen Onlineplattformen" durch den Zusammenschluss "zahlreiche Chancen" böten.

Der Zusammenschluss ermögliche, dass Synergien geschaffen, Einkäufe gebündelt und Doppelstrukturen gestrichen werden könnten - die Eigentümer sprechen von "effizienteren Prozessen, einem noch breiteren Warenangebot und neuen Formaten im stationären Einzelhandel" - zudem dürften in der Verwaltung und Logistik Einsparmöglichkeiten entstehen.


Rettet der Zusammenschluss die deutsche Warenhaustradition?


Auch wenn mit der Fusion ein seit Langem diskutierter Schritt erfolgt ist, garantiert er nicht den Erfolg des künftigen Unternehmens. "Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist", sagte Karstadt-Chef Fanderl. Handelsexperten sind sich sicher, dass noch viel unternommen werden muss, um die deutschen Warenhäuser für die Zukunft fit zu machen.

Experten erachten die Fusion aber als sinnvoll und vor dem Markthintergrund als den einzig richtigen Schritt. Ein Selbstgänger sei der Zusammenschluss jedoch keinesfalls, so Gerd Hessert, Honorarprofessor für Handelsmanagement an der Universität Leipzig. "Jetzt geht es darum, dass Konzepte geschrieben und umgesetzt werden, die wieder eine Erlebnissituation Warenhaus schaffen - modern, zukunftsfähig und auch für die Jugend attraktiv."


Welche Bedeutung hat das aus der Fusion entstehende Unternehmen?


Zuletzt war vermehrt vom neu entstehenden Kaufhausriesen die Rede. Tatsächlich ist es eher ein gefühlter Riese. Die nun zusammengeführten Geschäfte erzielten HBC zufolge 2017 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Drogeriekette dm erwirtschaftete in Deutschland im selben Zeitraum 7,9 Milliarden Euro.


Könnte die Fusion noch scheitern?


Entscheidend dürfte sein, wie die Wettbewerbshüter das künftige Unternehmen bewerten. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne genau zu prüfen: "Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein." Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden.

Dabei müssen die Kartellwächter nicht nur den stationären Handel berücksichtigen, sondern auch den im Internet. "Wir hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir uns in diesem Umfang mit diesen Fragen auseinandersetzen mussten", sagte Mundt.


Was bedeutet die Fusion für die Mitarbeiter?


Offen ließen die Warenhausketten zunächst, ob im Zuge der Fusion auch Filialschließungen geplant sind. Insider hatten berichtet, Einsparungen seien bei den Zentralen in Essen (Karstadt) und Köln (Kaufhof) sowie in der Logistik und beim Einkauf geplant.

In der Kaufhof-Belegschaft geht bereits die Angst vor einem massiven Stellenabbau um. Berichten zufolge könnten in dem Unternehmen 5000 der insgesamt knapp 20.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auf die verbleibenden Mitarbeiter komme ein Sanierungstarifvertrag mit schlechteren Konditionen zu. Die Gewerkschaft Ver.di will diese Zahl nicht kommentieren. "Es ist jetzt höchste Zeit, gemeinsam mit den Betriebsräten und Ver.di ein tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

"Wer Geld für solch eine große Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben." Die Gewerkschaft plädiert dafür, beide Traditionsmarken zu erhalten und die Unternehmen nicht einfach zu verschmelzen.


Was bedeutet die Fusion für die Kunden?


Was sich für die Verbraucher durch die Fusion konkret ändern wird, ist noch unklar. Die Firmen ließen offen, ob im Zuge des Zusammengehens Filialschließungen geplant sind. Zunächst sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof vorerst als Marken bestehen bleiben. "Änderungen für die Verbraucher werden sich aus dieser Fusion erst mittelfristig ergeben, nämlich dann, wenn die durch Synergien gesunkenen Kosten dem neuen Unternehmen ermöglichen, sich konzeptionell weiterzuentwickeln und moderner zu werden", sagte Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.


Wer steckt hinter Karstadt und Kaufhof?


Karstadt wurde 2014 von der österreichischen Investmentgesellschaft Signa übernommen, hinter der der Immobilieninvestor René Benko steckt. Er hatte schon mehrfach versucht, nach Karstadt auch Kaufhof unter seine Kontrolle zu bringen. Nun hält Signa mit 50,01 Prozent eine knappe Mehrheit am operativen Geschäft des neu entstehenden Kaufhauskonzerns. Die restlichen Anteile gehen an das nordamerikanische Handelsunternehmen HBC, das Kaufhof 2014 von Metro übernommen hatte.

René Benko
imago/Viennareport

René Benko

Zu dem Team des künftigen Holding-Chefs Fanderl sollen Führungskräfte von Galeria Kaufhof und Karstadt gehören. Nicht nur aus Handelssicht ist die Fusion für Signa interessant: die Investmentgesellschaft erwirbt im Zuge des Zusammenschlusses 50 Prozent des milliardenschweren europäischen Immobilienbestands von HBC und vergrößert damit den gesellschaftseigenen Bestand an Luxusimmobilien in Innenstädten. Zu Signas Reich gehören bereits die Nobelkaufhäuser KaDeWe in Berlin und Oberpollinger in München.

Mit Material von dpa und Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
könig der jogis 11.09.2018
1. So what?
Wie es jetzt weitergeht ....? Ist doch klar. Tausende werden entlassen,die wertvollen Immobilen verscherbelt und die Hälfte der Häuser geschlossen . Dank amazon, Fahrverboten, Shopping Center im Grünen etc. ist die große Zeit der Innenstadt-Warenhäuser vorbei. Endgültig.
Andre V 11.09.2018
2.
Zitat von könig der jogisWie es jetzt weitergeht ....? Ist doch klar. Tausende werden entlassen,die wertvollen Immobilen verscherbelt und die Hälfte der Häuser geschlossen . Dank amazon, Fahrverboten, Shopping Center im Grünen etc. ist die große Zeit der Innenstadt-Warenhäuser vorbei. Endgültig.
Sehe ich ähnlich. Dazu kommt noch, immer eine Armlänge Abstand einzuhalten. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wird es interessant für die Mitarbeiter. Was allerdings ein Kartellamt da noch groß prüfen will, erschließt sich mir nicht. Klingt für eher, als wenn Rot-Weiß Essen und der 1.FC Köln fusionieren wollten - völlig irrelevant für den Rest des Marktes bzw. der Liga.
sven2016 11.09.2018
3.
Das Kartellamt wird zu prüfen haben, inwieweit der neue Konzern Lieferanten monopolisieren kann. Im Einzelhandel entsteht der Gewinn im Einkauf. Wenn dann reihenweise Zulieferer in Not geraten wie immer mal wieder bei Autozulieferern, ist das durchaus ein Hinderungsgrund. Mittelfristig werden in der neuen Konstellation vermutlich beide Ketten zu Einkaufszentren mit Fremdfirmen in den Häusern umgebaut werden. Benko hat die Immobilien, Fremdfirmen wie Otto betreiben dann die Einkaufszentren und die Sache läuft, auch ohne eigenes Personal. Kaufhof ade.
at.engel 11.09.2018
4.
Signa wird natürlich genau das Gleiche machen, was alle andere auch gemacht hätten: Fillialien schließen, konsequenterweiße dann entlassen, dann Immobilien verscherbeln, kurzfristig Gewinne machen, und das dann alles an die Aktionäre weitergeben. Warum sollten die jetzt ausgerechnet etwas anders machen....?! Heute werden gut zwei Drittel der Gewinne an Aktionäre weitergegeben. Die Angestellten sehen davon nicht viel - und schon gar nicht so lange da überhaupt keine Gewinne zu verzeichnen sind. Und die werden wiederum meist auf Kosten der Angestellten gemacht... q.e.d.!
Putsche 11.09.2018
5.
Zitat von Andre VSehe ich ähnlich. Dazu kommt noch, immer eine Armlänge Abstand einzuhalten. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wird es interessant für die Mitarbeiter. Was allerdings ein Kartellamt da noch groß prüfen will, erschließt sich mir nicht. Klingt für eher, als wenn Rot-Weiß Essen und der 1.FC Köln fusionieren wollten - völlig irrelevant für den Rest des Marktes bzw. der Liga.
Die grundsätzliche Prüfung des Kartellamts sollte schon stattfinden, im "vor Ort" Geschäft ist der fusionierte Schuppen kein Leichtgewicht. Eine Randbemerkung sei erlaubt: Rot-Weiss Essen (der Verein wird übrigens mit doppelt "s" geschrieben) würde niemals mit dem FC Köln fusionieren. Niemals!!
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