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Illegale Preisabsprachen: Deutsche Bahn verlangt Schadensersatz von Stahlkartell

Gleisbau bei der Bahn: "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen" Zur Großansicht
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Gleisbau bei der Bahn: "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen"

Die Bahn schlägt zurück: Jahrelang sollen mindestens neun Unternehmen dem Staatskonzern Stahl-Beton-Schwellen zu überhöhten Preisen verkauft haben. Jetzt droht ihnen eine Klage auf Schadensersatz.

Berlin/Hamburg - Die Deutsche Bahn will mehrere Stahlhersteller wegen illegaler Preisabsprachen verklagen. Der Staatskonzern fordert von den Unternehmen einen Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe. Gerd Becht, Bahn-Vorstand für Recht und Konzernsicherheit, sagte der "Bild am Sonntag", die am Kartell beteiligten Unternehmen hätten Gespräche über eine gütliche Einigung abgelehnt. "Deswegen klagen wir jetzt."

In der Vergangenheit hätten aufgedeckte Kartellsünder zwar immer wieder mit den Behörden zusammengearbeitet, die geschädigten Kunden aber abblitzen lassen. "Das lassen wir uns nicht mehr gefallen", erklärte der Bahn-Manager.

Nach internen Ermittlungen seien der Deutschen Bahn über 18 Jahre hinweg 48 Millionen Stahl-Beton-Schwellen zu überhöhten Preisen verkauft worden, wodurch ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen vertraulichen Bahn-Bericht. Das entspreche ungefähr der Gesamtzahl der in Deutschland verlegten Schienenschwellen.

Jede Betonschwelle enthält zwei bis vier Spannstahlstäbe. Sie stellen sicher, dass die Konstruktion bei hoher Belastung durch darüberfahrende Züge nicht bricht. Die Hersteller für Spannstahl sollen demnach ein europaweites Kartell gebildet haben, um die Schwellen 20 bis 30 Prozent teurer verkaufen zu können. Die Unternehmen hätten sich von 1984 bis 2002 über 500 Mal in Hotels am Rande von Branchenverbandsveranstaltungen zu Preisabsprachen getroffen. Daher sollen nun mindestens neun europäische Firmen, darunter vier deutsche Stahlhersteller, verklagt werden.

Das Kartell flog dem Bericht zufolge erst auf, als ein ehemaliger Mitarbeiter einer Stahlfirma bei Beamten der EU-Kommission auspackte. Die Behörde verhängte 2010 hohe Geldbußen gegen die Firmen. Bei der Deutschen Bahn sei der Fall von einer neu gegründeten "Sondereinheit" für Kartellfälle aufgegriffen und überprüft worden.

In einem anderen Fall war die Bahn bereits juristisch gegen Schienenhersteller vorgegangen. Das Schienenkartell soll zwischen 2001 und 2011 höhere Preise abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt verhängte für die Lieferungen an die Deutsche Bahn ein Bußgeld von 124,5 Millionen Euro. Davon musste Thyssen-Krupp mit 103 Millionen Euro den Löwenanteil bezahlen. Zudem einigte sich der in Essen ansässige Konzern im November mit der Bahn auf Schadensersatz. In Bahnkreisen war damals von rund 150 Millionen Euro die Rede.

mhu/Reuters

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1. Neuzeit
Snoozel 27.04.2014
Hmm, so ist es halt im aktuellen Europa, ohne Mauscheleien, Absprachen, Betrügereien und Unterdrückung wird man (Manager) nicht reich. Und ein Anfang diesen ganzen korrupten oberen Haufen zu entsorgen wäre ein geschlossenes Abwählen der großen Parteien.
2. Escheck
Escheck 27.04.2014
... sind denn diese Unternehmen von neuen Aufträgen der Regierung ausgeschlossen worden? Hieß ja mal so - 'habe aber nie etwas davon gehört.
3. Machen wir uns nicht alle etwas vor?
lackehe 27.04.2014
Ein jeder will immer mehr bekommen und immer weniger geben. Dann kommt ein Staat und nimmt, um geben zu können. Seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland, dem aufkommendem Wirtschaftswunder, ist es allen gut gegangen. Jetzt wo es allen erheblich besser geht als zum Beginn, weiß keiner mehr, was man noch geben könnte und erfindet etwas, was im Grunde vollkommen überflüssig ist. Keiner fragt sich mehr, warum es Dinge nicht schon gab, als Ehen noch dazu dienten der reichlichen Nachkommenschaft ein Heim zu bieten; heute, wo der Nachwuchs fehlt, müssen Heime, Kinderverwahranstalten her. Arbeit und Leistung wird bestraft, es wird nicht gegeben sondern nur noch genommen und umverteilt, zum Nachteil der schaffenden Masse, die den Staat trägt. Da fällt auch keiner mehr darauf rein, warum uns in einem 10 Euro Prozess weiß gemacht werden soll, dass es Bestechung nicht gibt. In Deutschland ist keiner arm und vielen wird sogar geholfen sich noch etwas Luxus leisten zu können.
4. Alles kleine Erdnüsse
ihrwerterguller 27.04.2014
Was sind die paar Milliönchen gegen den Milliarden - Betrug in Stuttgart gegenüber dem Steuerzahler?
5. Märkte
HerbertVonbun 27.04.2014
Märkte sind schon wirklich eine tolle Sache! Schon alleine die Existenz eines Oligopol verleitet zu Markt- und Preisabsprachenv, von den anderen möglichen Absprachen ist noch garnicht die Rede! Und mit dem Freihandelsabkommen wird alles noch schlimmer!! Die weltweiten Konzerne wiehern doch über unser Wettbewerbsrecht. Und hat nicht noch der Wirtschaftsminister in der Not ein Vetorecht und hat sich in der Kausa Krupp vor Jahren für den Konzern entschieden, der dadurch reichlich Kohle eingespart hat? Die Wirtschaft hat immer Vorrang vor dem Wohl der Bürger und der Gemeinschaft.
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