Preiskartell Bundeskartellamt verhängt Millionenstrafe gegen Möbelhersteller

Das Kartellamt hat Bußgelder von mehr als 4,4 Millionen Euro gegen fünf Möbelhersteller verhängt. Die Unternehmen hatten massiven Druck auf Möbelhäuser ausgeübt: Wer zu günstig verkaufte, wurde mit Lieferstopp bestraft.

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt (Archiv)
DPA

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt (Archiv)


Wegen illegaler Methoden zur Preisdurchsetzung hat das Bundeskartellamt Bußgelder von gut 4,4 Millionen Euro gegen fünf deutsche Möbelhersteller verhängt. Die Firmen hätten unzulässig Druck auf günstigere Möbelverkäufer ausgeübt, um deren Preise zu beeinflussen und dafür auch Liefersperren angedroht oder gar angewandt, teilte die Aufsichtsbehörde am Donnerstag in Bonn mit. In vier Fällen sind die Bescheide bereits rechtskräftig.

In einem Fall kann demnach gegen die Entscheidung noch Einspruch eingelegt werden. Bei den Herstellern handelt es sich um die Unternehmen Aeris, Hülsta-Werke, Kettler, Rolf Benz und Zebra Nord, die Polster-, Büro- sowie Garten- und Freizeitmöbel herstellen. Eine Preisüberwachung, teils auch von konkurrierenden Möbelhändlern, habe es für die komplette Angebotspalette gegeben. Die Bußgelder unterschieden sich von Fall zu Fall aufgrund der unterschiedlichen Schwere der Vergehen und unterschiedlicher Firmengrößen erheblich voneinander, teilte die Behörde mit.

Hersteller dürfen Händlern laut Bundeskartellamt keine Mindestpreise vorgeben, sondern nur "unverbindliche Preisempfehlungen" geben. "Wenn sie den Wettbewerb zwischen den Händlern einschränken, ist der Kunde der Leidtragende", sagte Präsident Andreas Mundt. Seine Behörde habe zuletzt mehrfach Bußgelder wegen verbraucherschädigenden Verhaltens verhängt, etwa gegen Lebensmitteleinzelhändler oder Matratzenhersteller.

Die Verfahren gegen die Möbelhersteller waren durch Beschwerden von Händlern ins Rollen gekommen, bereits 2014 und 2015 durchsuchte das Kartellamt die beschuldigten Firmen. Alle fünf Unternehmen hätten kooperiert. Die Verfahren seien daher im Rahmen einer "einvernehmlichen Verfahrensbeendigung" abgeschlossen worden.

Dadurch hätten sich die Bußgelder pauschal um zehn Prozent reduziert. Bei einigen der Möbelhersteller seien die Strafen zudem gesenkt worden, weil sie finanziell angeschlagen seien und derzeit gerade Sanierungs- oder Umstrukturierungsprozesse durchliefen.

nck/AFP



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 12.01.2017
1. Ein Verständnisproblem
Wenn ein Händler meinen Artikel billiger verkauft schießt er sich doch selbst in's Knie. Der Hersteller selbst hat seine Marge. Da kann der Grund doch höchstens die Angst davor sein künftig als Billigheimer zu gelten
moneysac123 12.01.2017
2.
Bußgelder sind erst dann abeschreckend, wenn sie die Unternehmen in wirtschaftliche Bedrängnis bringen, sonst zahlen die das locker aus den Mehreinnahmen. Ein Mittelweg zwischen den Strafen in den USA und denen hierzulande wäre ratsam.
koves 12.01.2017
3. Rabattfreie Markenprodukte
Man liest es oft: 20% Rabatte außer... - jetzt kommt das Kleingedruckte: Markenprodukte wie Miele, Boss etc. sind von Rabatten immer ausgenommen. Und wer mal versucht hat bei unterschiedlichen Händler Rabatte auszuhandeln, hat es bei diesen Produkten weitaus schwerer, wenn nicht sogar keine Chance. Warum hier der Wettbewerb scheinbar ebenfalls nicht recht funktioniert, mag man allenfalls nur vermuten...
bristolbay 12.01.2017
4. Und da liegt der Hund für den Hersteller begarben
Zitat von frenchie3Wenn ein Händler meinen Artikel billiger verkauft schießt er sich doch selbst in's Knie. Der Hersteller selbst hat seine Marge. Da kann der Grund doch höchstens die Angst davor sein künftig als Billigheimer zu gelten
Kenne Sie die Situation im Möbelhandel? Allein die «Top-Ten» des deutschen Möbelhandels hätten auch im vergangenen Jahr weitere Marktanteile hinzugewonnen und damit über 50 Prozent des Branchenumsatzes von 33,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. ... ist die Aussage des Chefs des Verbandes der Möbelhersteller. Dies ist aber nur die Spitze des Eisberges, denn im Gegensatz zum Lebensmitteleinzelhandel, gibt es im Möbelhandel noch eine breite Schicht mittelständischer Unternehmen und die haben sich in Einkaufsverbände zusammengeschlossen. Unter dem Strich ist die Nachfragemacht des Handels riesig, denn sie trifft auf kleine mittelständische Unternehmen und die wenigen großen Hersteller sind für den Handel unverzichtbar, da sie sehr gute Produkte mit hoher Lieferzuverlässigkeit und bester Qualität liefern. Das Kartellamt sollte mal lieber die Nachfragemacht untersuchen. Im übrigen, jede dieser tollen Prozentaktionen, geht zu Lasten der Marge der Hersteller. Die deutsche Möbelindustrie ist schon fast gestorben, beerdigt vom Handel.
Tachano 12.01.2017
5. zu wenig
und mal wieder ist die Strafe nur ein kleiner Teil des Profits, welcher gewonnen wurde....das schreckt nicht ab, sondern ermutigt eher noch andere, in dieses Millionengeschäft einzusteigen. Schlussendlich hat es sich ja doch gelohnt, trotz der sogenannten ,, Strafe''(falls es überhaupt aufgedeckt wird). Und die Opfer dieses Spiels sind mal wieder die Verbraucher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.