Kartelle Autoindustrie nicht krimineller als andere

Abgas-Betrug, Tierversuche, illegale Kartelle - die Autobranche genießt zurzeit nicht den besten Ruf. Nach Überzeugung von EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager geht es dort aber nicht schlimmer zu als anderswo.

EU-Wettbewerbskommissarin Vestager
AFP

EU-Wettbewerbskommissarin Vestager


Trotz neuer Fälle illegaler Absprachen in der Automobilindustrie hält EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Branche nicht per se für krimineller als andere. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte die Dänin, "wenn es nur sehr wenige Anbieter in einem Sektor gibt, besteht die Verlockung, sich den Markt aufzuteilen". Man handele nach dem Motto "Du nimmst den Osten, ich den Westen". Aber die "Häufung liegt nicht spezifisch an den Branchen Technologie und Automobil, sondern an der Struktur und der Art ihrer Produkte".

Für relevanter als in der Automobilbranche hält es Vestager, gegen Wettbewerbsverstöße in der Digitalwirtschaft und der Energiebranche vorzugehen. "Alles wird digitalisiert. Wenn Dinge sich in einem solchen Ausmaß ändern, ist es besonders wichtig, ein Auge auf die Regeln zu haben", sagte die EU-Kommissarin. "Meine zweite Priorität gilt der Energie. Der Sektor ist ebenfalls einem grundlegenden Wandel unterworfen."

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Autozulieferer Bosch und Continental wegen Bildung illegaler Kartelle Millionenstrafen zahlen sollen. Vestager verhängte zudem hohe Geldbußen gegen ein Kartell von Reedereien, die Fahrzeuge verschifften. Insgesamt verlangt sie mehr als eine halbe Milliarde Euro - und kündigte zugleich weitere Entscheidungen an. Auch die Ermittlungen wegen des möglichen deutschen Autokartells seien noch nicht abgeschlossen.

mik/dpa



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