EU-Strafe für Microsoft: Machtlos gegen die Web-Giganten

Von Stefan Schultz

Die Kartellstrafe gegen Microsoft kommt zu spät: Manche Konkurrenten sind längst pleite, andere haben die Marktdominanz des Software-Riesen aus eigener Kraft gebrochen. Der Fall zeigt, wie ohnmächtig die Wettbewerbshüter gegenüber der Dynamik der IT-Märkte sind.

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Mehr als eine halbe Milliarde Euro Strafe Zur Großansicht
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Microsoft-Chef Steve Ballmer: Mehr als eine halbe Milliarde Euro Strafe

Hamburg - Die Kartellstrafe gegen Microsoft Chart zeigen ist das Ende einer Saga, die sich über einen fast epischen Zeitraum erstreckt hat. 561 Millionen Euro Strafe hat die EU-Kommission dem IT-Konzern am Mittwoch aufgebrummt, weil er sich auf dem Markt der Internet-Browser wettbewerbswidrig verhalten hatte.

Begonnen hat diese Geschichte, da waren Computer noch zahnsteinfarbene Türme, Handys waren Plastikknochen mit unförmigen Tasten, und manche Menschen gingen mit einem Kasten ins Internet, der sich über die Telefonleitung einwählte und dabei komische Geräusche machte.

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Browserchoice: Nimm mich, Nutzer!
Mitte der neunziger Jahre startete der Microsoft-Konzern mit seinem Browser, dem Internet Explorer, einen brutalen Verdrängungswettbewerb und machte den Konkurrenten Netscape platt. Ab 2004 erstarkten neue Konkurrenten: Firefox, Opera, Google Chrome. Der Microsoft-Konzern hielt die Emporkömmlinge auf Distanz, indem er auf seinem alles dominierenden Betriebssystem Windows ab Werk den eigenen Browser vorinstallierte.

Ab 2009 ging die EU-Kommission dagegen vor. Drohte mit hohen Strafen. Ließ Microsoft zwischenzeitlich wieder vom Haken, unter der Auflage, dass alle Windows-Nutzer ihren Browser per Wahlmenü selbst festlegen. Eröffnete das Verfahren erneut, weil das Menü bei 15 Millionen der insgesamt rund 670 Millionen verkauften Exemplare von Windows 7 fehlte. Und bestraft Microsoft nun dafür.

Späte Gerechtigkeit

Die abschreckende Wirkung dieser Strafe ist begrenzt. Die 561 Millionen Euro für das Bußgeld verdiente der Software-Gigant im Winterquartal 2012 in ungefähr anderthalb Wochen. Doch angesichts des recht kleinen Verstoßes haben die Kartellwächter durchaus hart durchgegriffen. Das mussten sie auch. Es hätte sie sonst niemand mehr ernst genommen.

Das Hauptproblem ist ein anderes. Das Urteil kommt reichlich spät. Zu einer Zeit, in der das internetfähige Handy mehr Rechenpower hat als das PC-Monster unterm Tisch. In der Internetnutzer darüber sinnieren, wie sich die internetfähige Brille, die Google entwickelt, beim Flirten einsetzen lässt. In der Verteilungskämpfe auf dem Browser-Markt nicht mehr das vordringliche Problem sind. Und in der Microsofts Übermacht ohnehin passé ist.

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Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 8
In aktuellen Schätzungen zu Marktanteilen auf dem europäischen Browser-Segment liegt Google Chrome mit rund 35 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Firefox mit 28 Prozent; Microsofts Internet Explorer belegt mit 23 Prozent den dritten Platz. Die Konkurrenz hat es aus eigener Kraft geschafft, dem Software-Riesen Marktanteile abzutrotzen. Einbußen durch Wettbewerbsnachteile musste sie trotzdem erdulden.

Die Strafe der EU-Kommission ist also nicht umsonst gewesen. Sie ist eben nur eine sehr späte Form der Gerechtigkeit. Und sie zeigt, wie machtlos die Wettbewerbswächter gegen die Dynamik der IT-Märkte sind.

Begrenzte Macht

Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt, dass sich der Verkauf von Handy-Apps im laufenden Jahr zu einem Weltmarkt mit einen Volumen von 25 Milliarden Dollar entwickeln wird. Vor fünf Jahren gab es ihn noch nicht. Für das Tempo solcher Märkte sind die Wettbewerbsbehörden einfach nicht gewappnet. Wenn sie wirklich jemanden schützen müssen, versagen sie regelmäßig.

Beispiel Chip-Industrie: Als Europas Wettbewerbshüter 2009 gegen Intel ein Rekordbußgeld von 1,06 Milliarden Euro verhängten und auch das US-Kartellamt sich den IT-Konzern vorknöpfte, hatte Intel die Konkurrenz bereits zerquetscht. Intels Weltmarktanteil lag damals bei mehr als 80 Prozent, Hauptkonkurrent AMD bei 17 Prozent, andere Hersteller bewegten sich unter der Wahrnehmungsschwelle.

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Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?
Beispiel Suchmaschinen: Unternehmen, die mit bestimmten Google-Produkten konkurrieren, werden womöglich seit Jahren bei der Anzeige von Suchergebnissen benachteiligt. Die EU-Kommission geht einer entsprechenden Beschwerde nach. US-Kartellwächter sprachen Google kürzlich von dem Vorwurf frei. Die EU-Kommission indes droht mit Strafen. Sie will diesen Sommer entscheiden.

Sollte sie zu dem Ergebnis kommen, dass die Vorwürfe gerechtfertigt sind, hätten zahlreiche Firmen seit Jahren Mindereinnahmen hinnehmen müssen. Das britische Unternehmen Foundem hatte bereits 2010 umfangreiches Datenmaterial an die EU-Kommission geschickt. Aus dem geht angeblich hervor, dass Google Konkurrenten bei manchen seiner Suchergebnisse den Platz raube. Schon seit 2007. Mindestens.

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insgesamt 77 Beiträge
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1. Das ist unverständlich!
chrimirk 06.03.2013
Zitat von sysopDie Kartellstrafe gegen Microsoft kommt zu spät: Manche Konkurrenten sind längst pleite, andere haben die Marktdominanz des Software-Riesen aus eigener Kraft gebrochen. Der Fall zeigt, wie ohnmächtig die Wettbewerbshüter gegenüber der Dynamik der IT-Märkte sind. Kartellstrafe gegen Microsoft kommt zu spät - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kartellstrafe-gegen-microsoft-kommt-zu-spaet-a-887254.html)
Firefox hat in D. die Marktführerschaft und weltweit die Position 2. Ist das nichts? Und Thunderbird ist auch sehr gut positioniert. Leider ist Opera aus Norwegen die Positionierung nicht sehr gut gelungen. Schade, aber vielleicht wird es noch?
2. Und was ist dann mit Apple?
mezzman 06.03.2013
Auf meinem MacBook war auch von Anfang an Safari installiert , na und? Einmal draufgehen , Firefox runterladen und Safari verstauben lassen. Die Strafe von 561 Millionen wird dennoch selbst in der Portokasse von Microsoft kaum auffallen.
3. Microsoft - Strafe
zocceroo 06.03.2013
Wer bekommt eigentlich die immer wieder verhängten Millionenstrafen ? Werde diese an die geschädigten Nutzer ausgezahlt, oder machen sich die Brüsseler Beamten davon ein paar nette Tage ? Zocceroo
4. Ohne die EU-Kommissionsentscheidungen ...
discotieren 06.03.2013
... gäbe es wohl heute weder Apple noch Alternativbrowser, noch Linux. Microsoft hätte schlicht alles platt gemacht. Andere Browser gibt es überhaupt nur noch, weil die EU-Kommission Microsoft damals "in den Griff" nahm. Das ist lange her, liegt sogar vor dem hier von Microsoft abgegebenen und dann gebrochenen Versprechen, diese Auswahl anzubieten. Damals, man glaubt es heute kaum mehr, log Microsoft, dass Browser und Betriebssystem nicht voneinander getrennt werden könnten! Damit versuchte man die selbstverständlich technik-fernen EU-Beamten zu beeindrucken. Schön, dass diese freche Finte nicht geklappt hat. Und Apple gibt es noch, weil Microsoft es wollte. Microsoft hat Apple vor der Pleite gerettet. Warum wohl? Naja, sagen wir mal so, unmotiviert und ungeschickt war es sicher nicht. Jetzt können sie immer sagen: Guck mal, wir sind gar keine Monopolisten! Es gibt doch noch Apple! Mal ne Frage: Hält Microsoft immer noch die Aktien an Apple? Wieviele? Linux gibt es noch, obwohl Microsoft es bekämpft hat, als "Krebsgeschwür"(Ballmer). Ein quelloffenes, freies, gemeinsam geschaffenes und kostenloses Krebsgeschwür ohne die vielen hausgemachten Sicherheitsprobleme von Microsoft-Software? Wie bösartig muss man sein, die Freiheit als Krebsgeschwür zu bezeichnen? Etwa so bösartig wie Microsoft/Nokia, die bei ihrem Zusammenschluss verkündeten, dass einige freie Biotope von mobilen Betriebssystemen zerstört werden müssten ("disrupted"). Ist das die Sprache eines technisch überlegenen Konzerns? Nein, es ist die Sprache eines "McDonalds" der Betriebssysteme: Heiße Luft statt Nahrung. Linux dasselbe und ist frei und kostenlos. Leicht bedienbar für ganz Junge bis ganz Alte. Gut, dass sich die EU-Kommission noch offenbar noch traut wenigstens eine Fünftel-Strafe zu verhängen. Die volle Strafe trauten sie sich schon nicht mehr ... Viele Politiker kuschen schon vor den Konzernen. Wen wunderts, vertrauen sie doch alltäglich ihre intimsten Daten einem Microsoft-Gerät an, nimmt Bill Gates doch jetzt nicht nur den geschäftlichen sondern mit seiner "Stiftung" nun auch den gesellschaftlichen Bereich ein. Sagenhaft ist aber wirklich die Fanboi- und Lemminge-Mentalität der Deutschen: Alles, was US-Konzerne an den Mann bringen wollen, kriegen sie hier verkauft. USA ist toll lautet die Botschaft aus Hollywoods (Werbe-)Filmen und seit 1945 plappern die Leute es dümmlich nach und stopfen McDonalds und Coffee von Starbucks hin sich hinein. Auf diesem Qualitätsniveau sind auch US-amerikanische Betriebssysteme anzusiedeln: Mein Linux stürzt nie, mein Safari-Browser auf Apple iOS 6.x alle Nasen lang ab. Will ich Viren, nehme ich Microsoft, will ich offene, seriöse, freie und intelligente Software, nehme ich Linux. McApple, McDonalds, McMicrosoft, McStarbucks, McSubway - teure, heiße Luft. Mit Methode. Und fast immer mit HighTech aus Europa.
5. Marktdominanz von Taschendieben, Betrügern und daraus enstandenen rechtfreiem Raum im Monopolnetz
criticalsitizen 06.03.2013
denn weshalb die Macht sich so konzentriert, sieht man z.B. an Frau Merkels blinder Gutheissung aller Internetgeschäfte als innovativ. Auch Klingetöneabonnements.
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