Durchbruch bei Verhandlungen Ärzte und Kassen einigen sich im Honorarstreit

Mehrere Stunden dauerten die Verhandlungen am Dienstag, am Ende stand die Einigung zwischen Kassen und Medizinern: Niedergelassene Ärzte in Deutschland sollen im kommenden Jahr bis zu 1,27 Milliarden Euro mehr verdienen. Trotzdem soll es am Mittwoch zu bundesweiten Protesten der Mediziner kommen.

Arzt mit Stethoskop: Mehr Geld für niedergelassene Ärzte
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Arzt mit Stethoskop: Mehr Geld für niedergelassene Ärzte


Berlin - Die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland sollen im kommenden Jahr bis zu 1,27 Milliarden Euro mehr verdienen. Dieses Ergebnis der Honorarverhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gab Jürgen Wasem, Chef des Bewertungsausschusses, am Dienstagabend bekannt. Wie hoch das Plus genau ausfällt, sei von weiteren Details abhängig.

Insgesamt waren die Kassen nach bisherigem Verhandlungsstand zu einem Plus von 900 Millionen Euro bereit. Die KBV hatte 3,5 Milliarden Euro mehr verlangt. Das Resultat, mit dem der Streit nun beigelegt ist, entspreche einem Plus von drei bis vier Prozent, sagte KBV-Chef Andreas Köhler.

In stundenlangen Verhandlungen hatten die Spitzenvertreter von Ärzten und Kassen am Dienstag nach einem Kompromiss gesucht. Doch der für Mittwoch angekündigte Protest niedergelassener Ärzte wird trotzdem stattfinden: In einer Schaltkonferenz habe noch am späten Dienstagabend eine Mehrheit dafür gestimmt, an der Planung festzuhalten, sagte ein Sprecher der Allianz ihrer Berufsverbände. Es sollen die größten Ärzteproteste seit sechs Jahren werden.

Die Mediziner hatten aus Protest gegen die strikte Haltung der Krankenkassen im Honorarstreit angekündigt, am Mittwoch bundesweit zu demonstrieren und ihre Praxen zu schließen. Vor allem viele Orthopäden, Magen-Darm- und Herz-Spezialisten, Hals-Nasen-Ohren- sowie Lungenärzte wollten ihre Praxen ganz geschlossen halten. Die Aktion richtet sich nicht nur gegen die Honorarpolitik der Kassen, sondern auch gegen ein Übermaß an Bürokratie. Die Organisatoren der Proteste saßen nicht mit am Verhandlungstisch.

Monatelanges Hin und Her

Kassen und Ärzte streiten seit Monaten über die Höhe der Honorare für das kommende Jahr. Ende August hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss, in dem je drei Vertreter von Ärzten und Kassen sowie drei unabhängige Mitglieder sitzen, per Schlichterspruch entschieden, die Zuweisungen zunächst um 270 Millionen Euro zu erhöhen. Demnach sollte der sogenannte Orientierungswert von derzeit 3,50 Cent auf 3,54 Cent angehoben werden. Der Orientierungswert entscheidet über den Preis der von der Ärzteschaft erbrachten Leistungen.

Die Ärzteschaft akzeptierte diese Entscheidung jedoch nicht. Die KBV reichte Klage gegen das Ergebnis ein und legte zunächst alle weiteren Verhandlungen auf Eis. Auch das Angebot der Kassen, die Honorare insgesamt um 900 Millionen Euro anzuheben - ohne jedoch den Orientierungswert noch einmal nachzuverhandeln - lehnte die KBV ab.

Am 22. Oktober soll die nun erzielte Entscheidung im Erweiterten Bewertungsausschuss offiziell beschlossen werden.

aar/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
chuckal 09.10.2012
1. gott sei dank
wieder in letzter sekunde eine verelendungswelle abgewendet! mich hätten die vielen obdachlosen ärzte in den fußgängerzonen der städte noch mehr deprimiert.
tinyentropy.com 09.10.2012
2. Es geht doch...
Vernünftiger Kompromiss. Die Hälfte der Summe, die im Raum stand.
d_a 09.10.2012
3.
Ein Plus von drei bis vier Prozent und dann wird deswegen so ein Fass aufgemacht. Muss hier den Ärzten beipflichten, das ist doch eher eine normale Gehaltserhöhung. Ist ja nicht so, als würde deren Gehalt jedes Jahr um 4% steigen. Außerdem wird in den meterlangen Angaben über Arzt-Gehälter in den Medien meist vergessen, die Praxis-Kosten abzuziehen. Man müsste viel eher Bürokratie abbauen und sinnlose Behandlungen verringern. Wenn das Gesundheitssystem auch nur um 10% effizienter würde (dazu zählen auch preiswertere Pharmazeutika), wären die Kosten für Arzt-Honorare doch locker wieder drin.
ruhrorter1966 09.10.2012
4.
Gott sei Dank!
Picador 09.10.2012
5. Nicht schlecht, Herr Specht
...das sind also im Schnitt 8667 Euro mehr für jeden Arzt. RESPEKT!! Da kann man schon neidisch werden, zumal Ärzte sowieso nicht zu den Geringverdienern gehören und zusätzlich von den Pharmakonzernen reichlich beschenkt werden.
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