Nach Referendum Spanische Großbank verlässt Katalonien

Die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens verunsichert die Unternehmen. Die spanische Großbank Banco Sabadell verlegt nun ihren Firmensitz aus der Region. Weitere große Unternehmen könnten folgen.

Sabadell-Zentrale in Barcelona
AFP

Sabadell-Zentrale in Barcelona


Im Zuge der Katalonien-Krise verlegt die spanische Großbank Banco Sabadell ihren Firmensitz weg aus der Region. Wie die viertgrößte spanische Bankengruppe am Abend nach einer Eilsitzung des Direktoriums mitteilte, wird sie von Barcelona nach Alicante umziehen.

Mit einer Bilanzsumme von 217 Milliarden Euro und konzernweit 26.000 Mitarbeitern ist die Banco Sabadell das größte Unternehmen, das Katalonien angesichts der Turbulenzen um die mögliche Abspaltung der Region von Spanien verlässt. In der Nacht zu Mittwoch hatte der Biotechnologiehersteller Oryzon Genomics seinen Umzug von Barcelona nach Madrid bekannt gegeben - und war dafür an der Börse mit Kurssprüngen belohnt worden.

Banco-Sabadell-Präsident Josep Oliu hatte den Auszug schon nach dem verfassungswidrigen, von Polizeigewalt geprägten Unabhängigkeitsreferendum angedeutet. Spanien erlebe eine "beunruhigende Situation", sagte der 68-Jährige. Rechtssicherheit und institutionelle Zuverlässigkeit seien unabdinglich. Um die Interessen der Kunden zu schützen, werde man im Notfall "genügend Maßnahmen" ergreifen. Ähnlich äußerte sich auch das Management der CaixaBank in einer internen Mail.

Weitere führende Unternehmen in der Region haben ähnliche Pläne:

  • Der Telekommunikationsbetreiber Eurona und Proclinic Expert, ein Anbieter für Zahnarztbedarf, verlagern ebenfalls ihren Firmensitz aus der Region. Sie siedeln nach Madrid beziehungsweise Saragossa über.
  • Die CaixaBank aus Barcelona erwägt laut der spanischen Zeitung "El Mundo" und der britischen "Financial Times" den Umzug ihres Firmensitzes nach Mallorca, sollte das katalanische Parlament Anfang kommender Woche die einseitige Unabhängigkeit erklären.
  • Der Versicherungskonzern Catalan Occidente überprüft spanischen Medienberichten zufolge einen Umzug. In einer Stellungnahme schrieb das Unternehmen: "Wie werden sehr aufmerksam alle Ereignisse verfolgen, und je nachdem wie sich das Geschehen entwickelt, werden wir flink die passenden Entscheidungen treffen, um die Interessen unserer Kunden, Mitarbeiter, Vertreter und Aktionäre zu schützen."

Nach SPIEGEL-Informationen prüft auch ein großer Investor aus Deutschland, seinen Spanien-Sitz im Ernstfall aus Katalonien herauszuverlegen. Die spanische Zentralregierung erwägt, die autonome Region nach einer Abspaltungserklärung unter Zwangsverwaltung zu stellen. Die Unternehmen fürchten Tumulte, Rechtsunsicherheit sowie im Falle einer Staatsgründung ein Dasein außerhalb der EU.

cmh



insgesamt 86 Beiträge
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akarsu0 05.10.2017
1. freut mich
Man sollte das Gebiet wirtschaftlich isolieren, bis es denen nicht mehr so gut geht. Mal schauen ob sie dann noch unabhängig sein wollen, diese Egoisten.
pn0563 05.10.2017
2. Briefkastenadresse
Was soll die Verlegung der Adresse im Handelsregister am Risiko für die Bank ändern? Das Geschäft bleibt im riskanten Markt und die Verwaltung zieht ebenfalls nicht um. Nur Steuern zahlen sie dann woanders. Und außerhalb der EU wäre man ja ohnehin erst, wenn Spanien Katalonien anerkennen würde, womit wohl kaum zu rechnen ist. Geht es hier evtl. eher um politische Gefallen? Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos hatte ja erst gestern mit seinen Äusserungen den Aktienpreisverfall von Sabadell befeuert... Seltsamer Zufall, das.
schröte 05.10.2017
3. Caixa Bank nach Mallorca?
Ich glaube nicht, dass Mallorca ein guter Platz für die Caixa Bank wäre, hat die Balearenregierung mit més per mallorca und deren Scharfmacher David Abril auch so eine Separatistenbande, die je nach "Mehrheit" 2020 / 2030 oder 2040 nach dem Vorbild von Katalonien eine Abspaltung der Balearen betreiben möchte. Da sollte sich die Caixa genau überleben, ob sie nach Mallorca umsiedeln möchte.
wi_hartmann@t-online.de 05.10.2017
4. Katalonien im Würgegriff
Nach dem Einmarsch der Königlichen Guarda Civil mit Prügelattacken und Gummigeschossen, folgt jetzt die zweite Welle durch die Banken. Somit soll den Katalanen die wirtschaftliche Existenz entzogen werden. Dies alles unter den Augen demokratisch verfassten Regierungen EU-Staaten, eine seltsame Demokratie.
MyQ 05.10.2017
5. Nichts aus der Geschichte gelernt...
Katalonien/Barcelona könnte ein ähnliches Schicksal wie Montreal ereilen: Massive wirtschaftliche Einbußen durch radikale Separatisten-Bewegungen. Auch Montreal hat stark an wirtschaftlicher Bedeutung verloren auf Grund der immer wieder drohenden frankokanadischen Abspaltung. Heute ist Toronto das Wirtschaftszentrum des Landes.
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