Katrin Göring-Eckardt "Nord Stream 2 ist eine Provokation"

Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt kritisiert in einem Interview das Pipelineprojekt Nord Stream 2 als "von Anfang an falsch". Deutschland müsse bis 2030 "erdgasunabhängig von Russland" werden.

Rohrverlegung vor Rügen für Nord Stream 2 (Archiv)
DPA

Rohrverlegung vor Rügen für Nord Stream 2 (Archiv)


Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, hat in einem Interview harsche Kritik an der Ostseepipeline Nord Stream 2 geäußert. "Das Projekt war von Anfang an falsch", sagte sie in dem Gespräch mit der "Welt". Damit werde Deutschland jahrzehntelang zur Abnahme russischen Gases gezwungen.

Vergangenen Dienstag hatten sich die EU-Länder und die EU-Kommission auf einen Kompromiss zu Nord Stream 2 geeinigt. Die Pipeline soll Gas direkt von Russland über die Ostsee nach Deutschland transportieren, das Projekt wird von Privatunternehmen getragen. Seit dem Abschluss des Vorgängerprojekts im Jahr 2011 liefert der russische Konzern Gazprom bereits Erdgas direkt nach Deutschland und Mitteleuropa. Nord Stream 2 soll die Kapazität der Ostseepipeline verdoppeln. Die USA, aber auch einige europäische Staaten, kritisieren das Projekt scharf.

Göring-Eckardt nennt neue LNG-Terminals absurd

Auch die deutschen Grünen sind dagegen - unter anderem aus Gründen des Klimaschutzes. Deutschland, so Katrin Göring-Eckardt, solle "bis 2030 gänzlich erdgasunabhängig von Russland" werden. "Europa könnte unabhängig sein von Energieimporten und bis 2050 sogar zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt sein", sagte sie der "Welt". Das sei möglich, "wenn wir nur jedes Jahr drei Prozent unserer Gebäude energetisch sanieren und die Energiewende konsequent umsetzen." Gas werde als Übergangstechnologie nur noch bis 2050 benötigt.

Katrin Göring-Eckardt
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Katrin Göring-Eckardt

Göring-Eckard bezeichnete das Projekt in dem "Welt"-Interview als "eine Provokation für unsere europäischen Partner". "Wir können unmöglich unsere Verbündeten in Osteuropa, in Polen, in den baltischen Staaten vergrätzen. Die haben riesige Sorge."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der vergangene Woche ankündigte, LNG-Terminals für Flüssiggas aus den USA zu planen, griff Göring-Eckardt in dem Interview ebenfalls an. "Wir steigen aus der Kohle aus und subventionieren den Import einer fossilen Energie, deren CO2-Bilanz nicht besser ist als die von Kohle? Das ist doch absurd", sagte sie. Außerdem seien auch die bestehenden LNG-Terminals in der EU "bei Weitem nicht ausgelastet".

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