Kaufangebot für WAZ-Konzern Was hinter Springers Coup steckt

Springer-Boss Mathias Döpfner will nach manager-magazin-Informationen die WAZ-Gruppe kaufen. Doch die Eigentumsverhältnisse in dem Essener Konzern und sogar Springers eigene Strategie sprechen gegen den Deal. Die Offerte verfolgt daher vermutlich nur ein Ziel: den Konkurrenten zu behindern.

Mathias Döpfner: Was will Springer mit Regionalzeitungen?
dapd

Mathias Döpfner: Was will Springer mit Regionalzeitungen?

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Mathias Döpfner liebt Schlagzeilen - nicht nur in seinem Boulevardblatt "Bild". Noch viel lieber sorgt der Springer-Chef selbst für knackige Headlines, und am liebsten mit großen Ankündigungen. Nun hat er es mal wieder geschafft: Springer will nach Informationen des manager magazin den WAZ-Konzern kaufen. Den Wert des Medienhauses taxiert er auf 1,4 Milliarden Euro.

Und tatsächlich: Döpfner hat den Eigentümern der WAZ, also den Mitgliedern des Funke-Familienstammes und dem Testamentsvollstrecker der Brost-Nachfahren, einen Brief geschrieben und darin gleich ein dreifaches Interesse bekundet.

  • Erstens an Teilen der Firma, wie den Programm- und Frauenzeitschriften und dem WAZ-Anteil am österreichischen Boulevardblatt "Krone".
  • Zweitens an einem Erwerb von Firmenteilen gemeinsam mit einzelnen Gesellschaftern aus dem Eignerclan.
  • Drittens am Gesamterwerb des WAZ-Konzerns.

Vor allem diese dritte Option sorgt für Aufregung. Der Zeitpunkt für den vermeintlichen Coup ist gut gewählt: Erst vor ein paar Wochen war bekannt geworden, dass Petra Grotkamp aus dem Funke-Stamm den Erben der Brost-Familie knapp 500 Millionen Euro geboten hat, um ihre Hälfte an dem Essener Medienkonzern zu übernehmen. Die Funke-Gruppe und Grotkamp wiesen Springers Angebot denn auch prompt zurück. Die WAZ (u.a. "Westdeutsche Allgemeine Zeitung") gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachkommen ihrer Gründer: den drei Töchtern von Jakob Funke und den drei Enkelkindern von Erich Brost. Zwischen beiden Familien herrscht unbedingte Parität.

Minderheitsanteil kommt für Springer nicht in Frage

Dennoch stört Döpfners Brief nun dieses Geschäft - aber nicht, weil Springer am Ende womöglich den Deal selbst macht. Dagegen spricht schon, dass zumindest die Familie Grotkamp bereits erklärt hat, sie wolle nicht verkaufen und auch weitere Miteigner womöglich kein Interesse haben. Das Ergebnis von Döpfners Brief könnte vielmehr sein, dass am Ende gar kein Deal zustande kommt. Die WAZ wäre gelähmt und gefangen in ihren komplizierten Besitzverhältnissen. Nicht auszuschließen, dass das sogar Springers wahres Ziel ist.

Denn nimmt man die Offerte des Springer-Chefs auseinander, erscheint sein Motiv zumindest rätselhaft: Um Filetstücke des Verlags kann es ihm nicht gehen. Daran hatte der Springer-Chef immer schon Interesse, blitzte aber regelmäßig beim WAZ-Management ab. Und: Wollte er wirklich Zeitschriften, Regionalzeitungen oder Anzeigenblätter kaufen, hätte Döpfner warten können, bis der Familiendeal über die Bühne gegangen ist, um dann zu versuchen, die neuen Mehrheitseigner, die nach der teuren Übernahme Geld womöglich gut gebrauchen können, mit einem Angebot zu überzeugen.

Wer Springer kennt, weiß, dass Döpfner aber auch ein Minderheitsanteil an der WAZ nicht lockt. Einzelne Gesellschafter auszukaufen, wäre nicht sein Stil. Tatsächlich gibt Döpfner ja auch kein konkretes Gegenangebot für den 50-Prozent-Anteil der Brost-Erben ab. Was hätte er auch davon? Schließlich müsste er sich in dem Fall in das strenge Regelkorsett der Abstimmungsverhältnisse im Konzern fügen. Und: Die Brost-Erben könnten ihm gar nicht einfach ihren Anteil verkaufen, dagegen sprächen schon die Vorkaufsrechte des anderen Familienstammes.

Nachzügler im Online-Geschäft

Bleibt also Option Nummer drei: Ein Kauf der Mehrheit am Verlag oder gar des Gesamtverlags. Dagegen spricht, das räumt Döpfner sogar selbst ein, schon das deutsche Kartellrecht. Gegen eine Übernahme des Kerngeschäfts der WAZ in Nordrhein-Westfalen würde etwa das Kartellamt mit Sicherheit ein Veto einlegen. Insofern wirkt auch die Bewertung von 1,4 Milliarden, die den Konzern immerhin 500 Millionen Euro höher einschätzt als die Grotkamp-Offerte, eher fiktiv.

Den Konzern zu kaufen und einzelne Teile gleich wieder abzustoßen, um das Kartellamt zu befrieden, käme aber einer Zerschlagung gleich, der die Eignerfamilien kaum zustimmen dürften. Und dann wäre da die Frage nach dem strategischen Sinn: Beschwört nicht Mathias Döpfner bei jeder Gelegenheit, die Zukunft seines Hauses liege im Online-Geschäft? Diverse Regionalzeitungen hat der Verlag vor nicht allzu langer Zeit erst verkauft. Und das, um sich jetzt die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" oder die "Braunschweiger Zeitung" einzuverleiben? Im Online-Markt ist die WAZ dagegen ein Nachzügler.

Es ist also nicht besonders wahrscheinlich, dass die Schlagzeile "Springer kauft WAZ" schnell irgendwo zu lesen sein wird. Was bleibt dann übrig?

Vielleicht Folgendes: In den kommenden Wochen muss sich der Testamentsvollstrecker der Brost-Erben, Peter Heinemann, nicht mehr nur mit dem Kaufangebot von Petra Grotkamp befassen, sondern auch ein mögliches Gegenangebot in seine Entscheidung einbeziehen. Die drei Enkel des Brost-Clans, die zum Teil minderjährig sind, wollen angeblich verkaufen, weil sie selbst nicht an die Zukunft des Zeitungsgeschäftes glauben. Heinemann, der bis 2015 als Testamentsvollstrecker eingesetzt ist, muss für sie den besten Preis herausholen und befindet sich nun in einer schwierigen Lage.

Nach dem Brief von Mathias Döpfner könnte er zu dem Schluss kommen, dass in ein paar Jahren nicht zwangsläufig weniger Geld mit dem Verkauf zu machen ist. Und was wäre, wenn der Preis sogar stiege? Döpfner schreibt schließlich nach manager-magazin-Informationen, er glaube fest daran, dass Zeitungen und Zeitschriften langfristig eine attraktive Zukunft haben. Wenn Heinemann also jetzt einen Verkauf abbläst, hätte Mathias Döpfner eines erreicht: den Konkurrenten WAZ erst einmal gelähmt.



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Seite 1
redkiller 30.09.2011
1. Es gibt noch mehr Gründe
Zitat von sysopSpringer-Boss Mathias Döpfner*will nach manager-magazin-Informationen die*WAZ-Gruppe kaufen. Doch die Eigentumsverhältnisse in dem*Essener Konzern und*sogar Springers eigene Strategie*sprechen gegen den Deal.*Die Offerte verfolgt daher vermutlich nur ein Ziel: den Konkurrenten zu behindern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789489,00.html
zum Beispiel könnte Springer mit seinem Schachzug anderen zuvor gekommen sei , welche auch Interesse haben. So ist nicht unwahrscheinlich das die Verlegerfamilien DuMont , oder die SPD Medienbeteiligung zusammen mit Russischen Oligarchen ein Deal zulasten der Minderjährigen Erben machten könnten , denn der Testamentsvollstrecker ist ein SPD Mann, der u.a. auch Bodo Hombach ein Affären-geplagter SPD Geldbeschaffer. Springer hat das Angebot auch machen können um Putin-Oligarchen, welche seit langen versuchen Medialen Einfluss in Deutschland zu kaufen , zurück zu schlagen. Als bekannt wurde das die WAZ Gruppe auf dem Markt ist, gab es alleier Bemühungen von Linken ihren Einfluss in der WAZ nicht zu verlieren. Daneben könnte Springer eine ganz klassische Strategie anstreben, nämlich den Kaufpreis in die höhe zu treiben, so das die neuen WAZ-Besitzer auf einen nicht unbeträchtlichen Schuldenberg sitzen. Neben taktischen Gründen und strategischen Gründen sollte man auch Springers Eigeninteresse nicht verkennen. Dadurch das Springer den Preis für die WAZ Gruppe hoch treibt, steigt auch der Wert der eigenen Medienbeteiligungen. Wenn Springer nämlich auch irgendwann wieder einige seiner Beteiligungen abstößt kann man so einen besseren Preis verlangen.
gathokata 30.09.2011
2. .
Der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein, den anscheinend hat das SPON Forum ein Problem.. Dieser Fred ist ist nicht mehr verfübar http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=44824&page=11
cfjk 01.10.2011
3. Titel (wollt ihr damit nicht mal aufhören?)
Zitat von sysopSpringer-Boss Mathias Döpfner*will nach manager-magazin-Informationen die*WAZ-Gruppe kaufen. Doch die Eigentumsverhältnisse in dem*Essener Konzern und*sogar Springers eigene Strategie*sprechen gegen den Deal.*Die Offerte verfolgt daher vermutlich nur ein Ziel: den Konkurrenten zu behindern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789489,00.html
"Nicht auszuschließen" ist so ziemlich alles auf der Welt - sogar, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat. Was die Meldung nicht mit einem einzigen Wort erklärt, ist, auf welchem Geschäftsfeld die WAZ-Gruppe Springer-Konkurrent ist. Das ist insofern blöd, als dass der ganze Tenor der Geschichte auf diesem Konkurrenzverhältnis aufbaut.
McMacaber 01.10.2011
4. ..
"Wenn Heinemann also jetzt einen Verkauf abbläst, hätte Mathias Döpfner eines erreicht: den Konkurrenten WAZ erst einmal gelähmt." dh, durch das kaufangebot ist der waz-verlag nun nicht mehr in der lage, aehem, was genau zu tun? ich stelle mir momentan 100erte an redakteuren vor, die wie gefroren vor ihren rechner sitzen - und grinse. oder stapel an zeitungen vor'm kiosk die nun keinen abnehmer finden - und grinse. bitte helfe jemand einem laien, dies zu verstehen.
zberg 01.10.2011
5. knallcharge
unter erbschaftssteuerlichen gesichtspunkten ist der deal für beide familienstämme unsinnig. matze übrigens hat schon immer zuviel bezahlt. PIN...
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