Keine Warnung vor Finanzkrise Interner Bericht watscht Währungsfonds ab

Dieses Ergebnis ist alles andere als förderlich fürs Renommee. Ein interner Untersuchungsbericht wirft dem Internationalem Währungsfonds massives Versagen bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise vor - und liefert den Grund gleich mit: die Unfähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen.

Dominique Strauss-Kahn: Der IWF-Präsident spricht von einem "demütigenden Fakt"
REUTERS

Dominique Strauss-Kahn: Der IWF-Präsident spricht von einem "demütigenden Fakt"


Washington - Die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wussten, dass sie die Finanzkrise genauso wenig vorhergesagt hatten wie die meisten anderen Ökonomen. Aber immerhin veranlasste die in Washington ansässige Organisation einen internen Untersuchungsbericht. Dieser kommt allerdings zu einem niederschmetternden Ergebnis: Der IWF hat bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise massiv versagt.

Der IWF, dessen Aufgabe eigentlich die Beobachtung der globalen Ökonomie ist, habe in den Jahren vor dem Beinahe-Kollaps des weltweiten Finanzsystems nur "wenig klare Warnzeichen" abgegeben, heißt in dem Report, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die unabhängige Untersuchungskommission macht "ernste Managementfehler" in den Reihen des Instituts für das Fiasko verantwortlich. Statt die riskante Kreditvergabe amerikanischer und europäischer Unternehmen kritisch unter die Lupe zu nehmen, habe der IWF ganz im Gegenteil darauf vertraut, dass die Praktiken der Finanzfirmen in Ordnung seien und sie die Krise allein in den Griff bekommen würden.

Es sei den Verantwortlichen beim IWF nicht gelungen, die Zusammenhänge zu erkennen. Abweichende, kritische Meinungen zu den Vorgängen, die zur schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg führten, seien innerhalb der UN-Sonderorganisation unbeachtet geblieben.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gab in einer ersten Reaktion zu, dass die Unfähigkeit, vor der Krise zu warnen, ein "demütigender Fakt" sei. Das Institut habe aber bereits zahlreiche Schritte eingeleitet, um künftig besser handeln zu können. Auch die Koordination innerhalb des IWF werde verbessert. Es gebe aber noch mehr zu tun, gestand er ein.

böl/dpa



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insgesamt 9 Beiträge
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kritiker111 09.02.2011
1. Gur, das IWF hat´s übersehen.....
aber wir hatten "Spitzen"-Politiker, die haben die Krise noch ausgeklammert und klein geredet, als sie schon längst da war! Warnungen gab es im Vorfeld genug! Aber auf echte Profis, die nicht von irgend einer Seite bezahlt, gefördert oder geschmiert werden, hört generell niemand. Und von unseren unbedarften Bundes- oder EU-Politikern darf man eine solche Kenntnis der Finanzsituation so und anders nicht erwarten! Die können nur hinterher lamentieren und sinnlos Steuergelder zum Fenster hinaus werfen!
rurei 09.02.2011
2. Nur mal mit Blick auf Deutschland:
Financial Times Deutschland 10.08.2009 . die Geheimsitzung wurde nicht nach jenem 15. September 2008 einberufen, den die Banker in ihrer neuen Zeitrechnung als Wendepunkt gesetzt haben: dem Tag der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Das Berliner Meeting findet 67 Monate, 22 Quartalsberichte und sechs Jahresabschlüsse vor der Lehman-Pleite statt, am 16. Februar 2003. . Teilnehmer der Runde sind Bundeskanzler *Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Finanzminister Hans Eichel*, Josef Ackermann (Deutsche Bank), Bernd Fahrholz (Dresdner Bank), Dieter Rampl (HypoVereinsbank), Jürgen Sengera (WestLB), Ulrich Brixner (DZ Bank) und Henning Schulte-Noelle (Allianz). . Ganz oben auf der Hitliste der Gefährdeten steht mit einem Jahresverlust von 820 Millionen Euro die HypoVereinsbank (HVB). . Ackermann schlägt stattdessen zur Entlastung der Bilanzen seiner Mitbewerber eine Auffanggesellschaft für faule Kredite vor, eine sogenannte Bad Bank. Einige der Herren verhalten sich indiskret, die Idee bleibt nicht lang geheim - und Ackermann ist mal wieder der Buhmann. . Zum ersten Mal wird damals in Deutschland über Bad Banks diskutiert (Anmerkung: die HVB gründete dann doch ihre eigene Bad Bank: die HRE). "Ein Stück aus dem Tollhaus", schimpft der damalige Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt. *Jochen Sanio, Chef der Bankenaufsicht*, warnt: "Die Zeche würde der Steuerzahler begleichen." . *Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer schauten weg. "Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften", resümiert EU-Kommissar Günter Verheugen. "Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Amerika, haben sich Banken mit größerer Bereitschaft in unkalkulierbare Risiken gestürzt - allen voran die Landesbanken."*
weltbetrachter 09.02.2011
3. noch ein Bericht .....
Was nützen all die Berichte in denen mit blumigen Worten weißes Papier beschrieben wird. GAR NICHTS !!! Auf vielen Seiten wird dargestellt, warum gerade man selbst "keinerlei Schuld" trägt. Die VERANTWORTLICHEN müssen entlich genannt und von Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Solange dies nicht geschieht bleibt ein Beigeschmack und Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit in der Finanzwelt. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Irgendwann platzt "Otto-Normal-Bürger" der Kragen. Dann gibt es eine gemeinsame Aktion. Alle holen an einem Tag Geld von der Bank ab und zahlen drei Tage später wieder ein. Dann ist der Druck groß genug, damit die Justiz die notwendigen rechtlichen Konsequenzen zieht. Und das nicht nur in Deutschland.
Fritz Dongbert 09.02.2011
4.
Wer die Zusammenhänge versteht wechselt doch zu einer Investmentbank und verdient mit... die Besten kann sich der IWF einfach nicht leisten!
marypastor 10.02.2011
5. Klar.
Zitat von sysopDieses Ergebnis*ist alles andere*als förderlich für's Renommee.*Ein interner Untersuchungsbericht wirft dem Internationalem Währungsfonds massives Versagen bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise vor - und liefert den Grund gleich mit: die Unfähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,744645,00.html
Da sitzen doch nur Aparatschiks und Leute, denen Politiker einen Gefallen tun wollten, um die Rente aufzustocken.
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