Kernkraft Schweden steigt aus Atom-Ausstieg aus

In Schweden dürfen wieder neue Atomreaktoren gebaut werden. Eine knappe Mehrheit im Reichstag stimmte für den Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg, den die Skandinavier vor 30 Jahre beschlossen hatten.


Stockholm - Etappensieg für die Atomindustrie in einem symbolträchtigen Land: 30 Jahre nach dem Verbot von Reaktorneubauten hat der schwedische Reichstag den Stopp am Donnerstag wieder aufgehoben. Schon vor der Tschernobyl-Katastrophe waren die Skandinavier 1980 die ersten, die sich mit einem Referendum grundsätzlich für den Ausstieg aus der Kernkraft entschieden hatten.

Jetzt setzte sich Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt mit seiner Überzeugung durch, dass der Klimawandel und der hohe Bedarf an großen Mengen preisgünstiger Energie für das Export-Land Schweden eine neue Geschäftsgrundlage geschaffen haben.

Es war ein äußerst knapper Abstimmungserfolg, dazu auch noch mit etlichen Wenns und Abers. Neue Atomreaktoren dürfen nur als Ersatz gebaut werden, wenn einer der derzeit zehn in den drei Kraftwerken Ringhals, Oskarshamn oder Forsmark für immer vom Netz genommen wird. Staatliche Subventionen für die privaten Kraftwerksbetreiber sind verboten. Und es muss vor einer konkreten Neubauentscheidung ein gesteigerter Strombedarf nachgewiesen werden.

Doch es ist keinesfalls sicher, ob jemals neue Atomkraftanlagen auf schwedischem Grund gebaut werden. Die Bedarfsprognosen zeigen nach unten, und bei den benachbarten Finnen sehen die Schweden, was alles schief laufen kann. Der neue Reaktor im finnischen Olkiluoto, Westeuropas erstes Neubauprojekt seit der Tschernobyl- Katastrophe 1986, liefert eher den Kernkraftgegnern Argumente: Verdoppelung der veranschlagten Baukosten, ständige Bauverzögerungen und harte Kämpfe zwischen dem französischen Baukonsortium und den finnischen Behörden.

Opposition will bei Wahlsieg den Beschluss wieder zurücknehmen

Die Kernkraftgegner haben allerdings in Schweden in den letzten Jahren mit sinkender Zustimmung zu kämpfen. Als das Vattenfall-Atomkraftwerk Forsmark über Jahre durch immer neue Skandale mit Sicherheitsmängeln Schlagzeilen machte, war die Aufregung darüber in Deutschland deutlich größer als in Schweden selbst. Vattenfall hat signalisiert, dass man auch im eigenen Land gerne bei Reaktorneubauten mit von der Partie wäre.

Die sozialdemokratische Oppositionschefin Mona Sahlin hat mit ihren Verbündeten von den Grünen und der Linkspartei gegen Reinfeldts Vorschlag gestimmt. Im Falle eines Wahlsiegs mit Regierungswechsel im September will sie die Wiederzulassung von Reaktorneubauten rückgängig machen. Aber Schwedens Sozialdemokraten haben als fast immer alleinregierende Partei seit dem Atomkraft-Referendum 1980 auch herzlich wenig für die Umsetzung des Ausstiegs-Beschlusses in der ursprünglich vorgesehenen Frist von 30 Jahren getan. Vor allem die Gewerkschaften machen Druck für die Atomkraft, sie hoffen auf sichere Arbeitsplätze in der Exportindustrie.

otr/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Act_of_Peace, 17.06.2010
1. Lol..
Zitat von sysopIn Schweden dürfen wieder neue Atomreaktoren gebaut werden. Eine knappe Mehrheit im Reichstag stimmte für den Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg, den die Skandinavier vor 30 Jahre beschlossen hatten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,701402,00.html
auch hier ist die Einsicht in eine Aussicht ohne Alternativen zwingend gegeben!
mundi 17.06.2010
2. Manche lernen aus fehlern
Bereits Adenauer sprach: "Sind Sie mir böse, dass ich schlauer geworden bin?"
sic tacuisses 17.06.2010
3. Money rules.....................
Zitat von sysopIn Schweden dürfen wieder neue Atomreaktoren gebaut werden. Eine knappe Mehrheit im Reichstag stimmte für den Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg, den die Skandinavier vor 30 Jahre beschlossen hatten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,701402,00.html
Ursprung 17.06.2010
4. Noch 66 000 000 Jahre nichts Schwedisches essen
Ausgerechnet die Schweden, die vom Tschernobil-Fallout mit Cesieum- und Strontiumradikalen (Halbwertszeit 33 Tausend Jahre) mindestens doppelt so lange nichts mehr essen duerften, was im eigenen Land gewachsen ist, wie seit der letzten Altsteinzeit in Europa an Jahren vergangen ist. Aber moeglicherweise macht sich schon eine gewisse Debilitaet als Verstrahlungsfolge bei den Parlamentariern breit. Was wollen die denn ueberhaupt mit Hilfe des Atomstroms exportieren? Atomtechnologie etwa? An wen denn? Ich wuesste ein hervorragendes Konzept, wie die supersauberen Strom nach Entsorgung der verstrahlten Teile in ihren Atomkraftwerken mit den alten Generatoren weiterbetreiben koennten, was erheblich billiger und total Abgas- und Abfall-frei betreibbar waere. Da die in S Atom- und anderen Strom nach dem Artikelbericht nicht subventionieren duerfen, koennten die tatsaechlich mit der gemeinten Alternative Exportmeister mit Hilfe alternativer Stromherstellungstechnologien werden. Allerdings nicht mit Vattenfall. Die haben grenzueberschreitende Interessen in Deutschland und duerften was dagegen haben, Atomstrom prima substituieren zu koennen.
tabascoman 18.06.2010
5. Schwedens AKWs
Endlich ein Land in dem Vernunft einkehrt. Was haben wir davon, wenn wir Strom von ausländischen AKWs vom Typ Tschernobyl kaufen müssen. Kernenergie ist die einzige CO2-arme Energiegewinnung (abgesehen von Kaltwasser-Kraftwerken. Aber diese Basis ist ja sehr eng.) Wenn denn überhaupt CO2 das von Grünen verodnete Maß aller Dinge sein soll.
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