Fahrrad-Hersteller Kettler meldet Insolvenz an

Das Kettcar machte Kettler berühmt, nun hat der Hersteller von Fahrrädern und Sportgeräten Insolvenz angemeldet. Die sauerländische Firma bezeichnete den Schritt als notwendig, "um die unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor zu vermeiden".

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Kettler wünscht sich eine Neuausrichtung, der Kettcar-Hersteller hat daher ein Insolvenzverfahren in Eigenregie angemeldet. Das operative Geschäft laufe uneingeschränkt weiter, teilte das Familienunternehmen mit. Der Insolvenzantrag sei zum Schutz der Firma notwendig geworden, um die "unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor zu vermeiden und das Unternehmen neu auszurichten".

Immer wieder greifen Unternehmen auf ein Insolvenzverfahren in Eigenregie zurück. Ziel ist dabei in der Regel eine Sanierung, nicht die Abwicklung. Jüngere Beispiele sind der Fernsehhersteller Loewe oder das Fahrradunternehmen Mifa. Die Geschäftsleitung bleibt dann im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt. Im Falle Kettlers berief das Amtsgericht Arnsberg den Insolvenzexperten Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Sachwalter.

Kettler hatte in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen steilen Aufstieg erlebt. Zu den größten Erfolgen gehörte das Kettcar. Außerdem nimmt die Firma für sich in Anspruch, das weltweit erste Aluminium-Fahrrad auf den Markt gebracht zu haben. Die Angebotspalette reicht heute von Fitnessgeräten über Fahrräder und Spielfahrzeuge bis zu Freizeit- und Gartenmöbeln. Das Unternehmen aus dem sauerländischen Ense beschäftigt allein in Deutschland rund 1100 Mitarbeiter.

yes/dpa



insgesamt 70 Beiträge
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gott777 03.06.2015
1. Glück gehabt
Dann hoffen wir mal, dass das mit der Sanierung alles klappt, ich will meinem Sohn in ein paar Jahren auch noch ein Kettcar kaufen können und hoffen, dass er damit genauso viel Freude wie ich früher haben wird...
lastwebpage 03.06.2015
2. Noch einer...
Irgendwas läuft doch hier schief. Sicher, es gibt Bayer, BASF, Henkel, Siemens, SAP, Automobilkonzerne, Metro usw. die recht erfolgreich sind. Es gibt aber scheinbar auch etliche eher mittelständische Betriebe bei denen es mehr schlecht als recht läuft bzw. gar nicht mehr. Kettler ist ja nur einer unter vielen anderen "Deutschen Herstellern" und bestimmt auch noch lange nicht der Letzte.
kugelsicher, 03.06.2015
3. Mein Renner
Die Dinger fuhren einfach Weltklasse. Ich hatte so in den 70er einen von den großen guten, was bin ich damit um die Ecken gefeuert. Das Teil war unzerstörbar und richtig schnell.
kaksonen 03.06.2015
4. Nachvollziehbar!
Der Finanzinvestor hätte vermutlich Kettler mit einem Kredit eines Schwesterunternehmens gekauft, für den hohe Zinsbeträge auf eine Kanalinsel geflossen wären, so dass in Deutschland keine Gewinne mehr versteuert werden. Die Belegschaft hätte dann nicht nur den Betrieb am Laufen halten, sondern auch noch die unverhältnismäßig hohen Zinsen erarbeiten müssen! So enden viele Familienunternehmen!
infonetz 03.06.2015
5.
Ich meine das deutschen Unternhemen hier Steuern erlassen werden sollten bzw. stark gesenkt werden. Es kann doch nicht sein das hier Arbeitsplätze verloren gehen weil wer in China kaum Steuern bezahlt und dazu kaum rücksicht auf die Natur nehmen muss. Deutsche Unternehmen müssen das aber gerade Umweltauflagen sind sehr teuer.
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