Eingestürzte Textilfabrik KiK lehnt Entschädigungszahlungen für Opfer in Bangladesch ab

KiK muss die Opfer einer eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch entschädigen, fordert Grünen-Politikerin Künast. Doch das Unternehmen lehnt das ab. Es habe andere Hilfe geleistet.

Textilfabrik nach Einsturz: Entschädigungen "keine Almosen oder karitativer Akt"
AFP

Textilfabrik nach Einsturz: Entschädigungen "keine Almosen oder karitativer Akt"


Bönen - 1127 Menschen sind bei dem verheerenden Einsturz einer Textilfabrik im April in Bangladesch gestorben, 2438 wurden verletzt. Der Textildiscounter KiK hat jetzt die Kritik der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast zurückgewiesen, sich nach dem Einsturz der Textilfabrik bislang nicht zu Entschädigungszahlungen geäußert zu haben. Das Unternehmen habe Verantwortung übernommen, indem es "sofort nach dem Unglück" im April "erste Maßnahmen zur direkten Hilfeleistung" unternommen habe, teilte KiK mit.

Das Unternehmen habe sich zusammen mit einer angesehenen örtlichen Nichtregierungsorganisation um die ärztliche Betreuung der Verletzten gekümmert und unterstütze eine langfristige Betreuung, "die sich sowohl auf den therapeutischen Bereich als auch auf den Ausbildungsbereich bezieht". Obwohl zum Zeitpunkt des Unglücks im Rana Plaza nicht für KiK produziert worden sei und auch keine weiteren Aufträge geplant gewesen seien, habe der Textildiscounter gezeigt, dass es zusammen mit anderen Unternehmen bereit sei, Hilfe zu leisten, hieß es.

Künast hatte in einem Brief an den KiK-Chef Heinz Speet kritisiert, es sei "völlig unverständlich", warum das Unternehmen bislang noch "keine klaren Zusagen für Entschädigungen gemacht" habe. Entschädigungen für die Betroffenen seien "keine Almosen und kein karitativer Akt". Die Opfer hätten "ein Recht darauf". Maßstab für Entschädigungszahlungen müssten die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sein. Die Verhandlungen müssten "transparent, nachvollziehbar, unter Beteiligung aller Seiten und in Abstimmung mit den anderen verantwortlichen Unternehmen geführt" werden.

Auch KiK habe in der eingestürzten Fabrik produzieren lassen und trage deswegen "eine Mitverantwortung". Dass KiK ein Gesundheitszentrum unterstütze, reiche "bei weitem nicht aus".

ILO fordert 5000 Euro pro Familie

Die Konvention 121 der ILO regelt Entschädigungszahlungen, die zwar nicht von Bangladesch, aber von Ländern, in denen die großen Textilhändler sitzen, ratifiziert wurden. Demnach stünden den Opfern im Schnitt rund 5000 Euro pro Familie zu, insgesamt etwa 54 Millionen Euro.

NGOs wie die Clean Clothes Campaign fordern, dass Unternehmerverbände und die Konzerne die Betroffenen in dieser Höhe entschädigen. Bislang hat keines der Unternehmen zugestimmt, allerdings bieten einzelne Unternehmen freiwillig kleinere Summen.

Der Brand und der anschließende Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza am Rande der Hauptstadt Dhaka gilt als der schrecklichste Industrieunfall in der Geschichte Bangladeschs. Als Konsequenz trat ein Brandschutzabkommen in Kraft, mit dem sich 70 Textilunternehmen weltweit verpflichten, Fabrikgebäude regelmäßig inspizieren zu lassen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

lei/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
si tacuisses 24.07.2013
1. Bitte googlen: wem gehört KIK ?
Zitat von sysopAFPKiK muss die Opfer einer eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch entschädigen, fordert Grünen-Politikerin Künast. Doch das Unternehmen lehnt das ab. Es habe andere Hilfe geleistet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kik-will-keine-entschaedigung-fuer-bangladescher-zahlen-a-912945.html
Die einzig richtige Antwort: Ich lehne jeden Einkauf bei Kik ab.
amerlogk 24.07.2013
2. ...
Nicht anders zu erwarten. KiK ist eine legalisierte Verbrecherbande. Wie leider manch andere Firma. Was bedauerlich ist, dimmt es doch all das Gute was andere Firmen leistet.
strixaluco 24.07.2013
3. Wirtschaftsverbrechen im Ausland
Wer als Unternehmer grobe Verstöße gegen Menschenrechte, die Würde und die körperliche Unversehrtheit von Arbeitnehmern im Ausland in Kauf nimmt, der sollte, finde ich, genauso dafür bestraft werden wie jeder Andere auch, der eine Straftat begeht. Es geht hier nicht um "Großzügigkeit", jemandem zu helfen, sondern darum, dass Schwächere bewusst und niederträchtig ausgenutzt worden sind. Der Kunde kann es nur ahnen, aber der Unternehmer _muss_ wissen, wie seine Waren produziert werden. Es braucht bessere internationale Abkommen und auch bessere Gesetze bei uns, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, und auch, um den Markt für die Kunden transparenter zu machen. Made in Bangladesh kann heißen, jemandem durch Arbeit eine Chance zu geben - viel zu selten - und es kann heißen, Sklaverei zu unterstützen. Man wüsste doch gern, auf welcher Seite man steht.
Steve Holmes 24.07.2013
4.
Zitat von strixalucoWer als Unternehmer grobe Verstöße gegen Menschenrechte, die Würde und die körperliche Unversehrtheit von Arbeitnehmern im Ausland in Kauf nimmt, der sollte, finde ich, genauso dafür bestraft werden wie jeder Andere auch, der eine Straftat begeht. Es geht hier nicht um "Großzügigkeit", jemandem zu helfen, sondern darum, dass Schwächere bewusst und niederträchtig ausgenutzt worden sind. Der Kunde kann es nur ahnen, aber der Unternehmer _muss_ wissen, wie seine Waren produziert werden. Es braucht bessere internationale Abkommen und auch bessere Gesetze bei uns, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, und auch, um den Markt für die Kunden transparenter zu machen. Made in Bangladesh kann heißen, jemandem durch Arbeit eine Chance zu geben - viel zu selten - und es kann heißen, Sklaverei zu unterstützen. Man wüsste doch gern, auf welcher Seite man steht.
KIK ist lediglich ein Händler. Die kaufen Ware ein und verkaufen sie weiter. Sie betreiben keine Produktionsstätten und sind für die auch nicht verantwortlich. Wer hier von Recht und Anspruch schwafelt verkennt die Situation. Daher wurden bisher die großzügigen Hilfen alle freiwillig geleistet.
kairo59 24.07.2013
5. optional
Das ist natürlich nicht korrekt. KIK ist nicht Händler, der ja fertige Waren kaufen würde, sondern KIK gibt Kleidung nach eigenen Entwürfen in Auftrag und diktiert die Preise dafür. Da hilft nur, diesen Billigheimer zu meiden, was anscheinend aber viele nicht tun, weil alles außerhalb ihres Blickfelds sie nicht interessiert oder sie es aus fianziellen Gründen nicht können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.