Umstrittenes Interview vor Kirch-Pleite Ex-Chef Breuer zahlt 3,2 Millionen Euro an Deutsche Bank

Ein folgenreiches Interview aus dem Jahr 2002 kommt den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer teuer zu stehen. Der Manager zahlt 3,2 Millionen Euro an das Geldhaus.

Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breue
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Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breue


Das umstrittene Interview liegt bereits 14 Jahre zurück. Doch es verfolgt Rolf Breuer bis heute. Nun will der frühere Deutsche-Bank-Chef offenbar mit dem Thema Leo Kirch abschließen. Der 78-jährige Manager zahlt der Deutschen Bank für die Folgen von Interviewäußerungen über die Mediengruppe Kirch 3,2 Millionen Euro.

Die Bank und Breuer einigten sich auf einen entsprechenden Vergleich, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses hervorgeht. Die Summe entspricht den Angaben zufolge dem dreifachen Jahresgrundgehalt, das der Manager als Vorstandschef bekam. Zudem soll die Bank von Breuers Managerhaftpflichtversicherungen 90 Millionen Euro bekommen. Die Aktionäre müssen den Vergleichen noch zustimmen.

Breuer hatte im Februar 2002 in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt. Zwei Monate später war der Medienkonzern pleite und Firmengründer Leo Kirch machte Breuer sein Leben lang dafür verantwortlich. Nach einer jahrelangen Prozessschlacht zahlte die Bank den Kirch-Erben 928 Millionen Euro.

Breuer zahle nun "ohne Präjudiz oder Anerkennung einer Rechtspflicht", heißt es in dem Vergleich, den die Bank veröffentlichte. Breuer glaube weiterhin, seine Pflichten nicht verletzt zu haben.

Ganz abschließen kann Breuer mit dem Thema Kirch dennoch nicht. Zusammen mit anderen amtierenden und ehemaligen Managern der Deutschen Bank steht er in München vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Breuer, Ex-Bankchef Josef Ackermann, dem amtierenden Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie zwei weiteren Bankern vor, falsche oder widersprüchliche Angaben in einem Zivilverfahren im Jahr 2011 gemacht zu haben, um Schadensersatzansprüche der Kirch-Erben abzuwenden. Das Strafverfahren wegen versuchten Prozessbetrugs läuft bereits seit fast einem Jahr. Das Ende wurde wegen der komplexen Beweisaufnahme bereits mehrfach verschoben.

mmq/dpa/Reuters



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