Drohender Schadensersatz: Deutsche Bank bereitet sich auf Niederlage im Kirch-Prozess vor

Der Deutschen Bank droht der nächste Rückschlag. Im Kirch-Prozess haben die Richter ihre Einschätzung bestätigt, dass Ex-Bankchef Breuer dem Medienmogul Kirch vorsätzlich geschadet hat. Die Anwälte des Geldhauses stellen sich bereits auf einen kostspieligen Urteilsspruch ein.

Anwälte des Ex-Deutsche Bank-Chefs Breuer: Warnung des Richters Zur Großansicht
DPA

Anwälte des Ex-Deutsche Bank-Chefs Breuer: Warnung des Richters

München - Das Oberlandesgericht München hat die Deutsche Bank auf eine Niederlage im Prozess gegen die Kirch-Erben eingestimmt. Die Argumente der Bank überzeugten den Senat weiterhin nicht, sagte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy. "Das, was von der Beklagten gekommen ist, ist nicht geeignet, ein zutreffendes Bild zu zeichnen", sagte er.

Der Richter bekräftigte damit seine Einschätzung vom November. Demnach sei dem mittlerweile verstorbenen Leo Kirch durch das umstrittene Interview von Ex-Bankchef Rolf Breuer ein Schaden von 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro entstanden.

Die Juristen der Deutschen Bank versuchten im letzten angesetzten Prozesstag bereits für einen kostspieligen Schuldspruch vorzusorgen. Sie beantragten beim Senat, eine Revision gegen das Urteil zuzulassen. Zudem forderten sie gerichtlichen Schutz davor, dass die Kirch-Seite ihr Geld per Gerichtsvollzieher beitreiben kann. Eine Vollstreckung würde die "Zahlungsdienstleistungen für die Kunden erheblich beeinträchtigen" und führe zu "massiven Kollateralschäden", formulierten die Juristen. Der Hintergrund: Täte die Bank dies nicht, wäre das Geld auch bei einem möglichen späteren juristischen Sieg nicht mehr zurückzuholen.

Der Streit zieht sich bereits seit zehn Jahren hin, mehrere Vergleichsversuche sind gescheitert. Breuer hatte in dem Verfahren beteuert, er habe mit seinem umstrittenen Interview Anfang Februar 2002 keinen Druck auf Kirch aufbauen oder ihm schaden wollen. Der Manager hatte seinerzeit auf die Frage nach den Zukunftschancen des hochverschuldeten Kirch-Konzerns gesagt: "Was man alles lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Die Kirch-Seite argumentiert, dass vor allem durch diese Äußerung die Pleite des Kirch-Mediumimperiums herbeigeführt worden sei. Breuer hingegen tat seine Äußerung als Unfall ab.

Aktie deutlich im Minus

Richter Kotschy betonte nun, er folge weiterhin nicht der Sicht Breuers, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Die Schreiben der Anwälte hätten die Zweifel des Senats nicht entkräftet, eher bestärkt. Zudem zeigte sich der Richter erbost über Teile der Prozessführung. Dass das Kreditinstitut etwa eine Version einer Anfrage der Bundesbank vorgelegt habe, die nicht von Breuer abgezeichnet war, während die Prozessgegner ein Exemplar mit dem Handzeichen des einstigen Bankchefs vorlegte, habe die Justiz "im höchsten Maße irritiert", sagte Kotschy. "Das kann nicht zu Ihren Gunsten ausgelegt werden."

Die Verschwörungstheorie der Kirch-Seite, dass alles minutiös geplant gewesen sei, sei aber ebenso übertrieben, so Kotschy. Eine Reihe von Konzerntöchtern hätten zudem keinen Anspruch auf Schadensersatz, machte er klar. Die Erben des Medienunternehmers fordern gut zwei Milliarden Euro. Sie argumentieren, erst nach dem Interview hätten die Banken den Geldhahn zugedreht und ein Einstieg des US-Konzerns Disney bei der damaligen Kirch-Tochter ProSieben sei geplatzt.

An der Börse stand die Deutsche Bank Chart zeigen auch am Freitag unter Druck. Die Aktie verlor zeitweise 2,6 Prozent. Seit Mittwoch hat sie damit gut sechs Prozent an Wert eingebüßt. "Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess. Da sind offenbar einige Fondsmanager heute Morgen aus ihren Meetings gekommen und verkaufen die Papiere", sagte ein Händler.

cte/Reuters

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insgesamt 46 Beiträge
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    Seite 1    
1. Macht nix....
juergw. 14.12.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bank droht der nächste Rückschlag. Im Kirch-Prozess haben die Richter ihre Einschätzung bestätigt, dass Ex-Bankchef Breuer dem Medienmogul Kirch vorsätzlich geschadet hat. Die Anwälte des Geldhauses stellen sich bereits auf einen kostspieligen Schuldspruch ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kirch-prozess-deutsche-bank-bereitet-sich-auf-niederlage-vor-a-872966.html
Müssen Dispozinsen erhöht werden.
2. Ich will es mal so formulieren:
die-dicke-aus-der-uckerm. 14.12.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bank droht der nächste Rückschlag. Im Kirch-Prozess haben die Richter ihre Einschätzung bestätigt, dass Ex-Bankchef Breuer dem Medienmogul Kirch vorsätzlich geschadet hat. Die Anwälte des Geldhauses stellen sich bereits auf einen kostspieligen Schuldspruch ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kirch-prozess-deutsche-bank-bereitet-sich-auf-niederlage-vor-a-872966.html
Klar hat die DB Kirch ruiniert. Er wäre wohl auch ohne Breuers Dummsprech gekippt, aber vielleicht, wenn überhaupt eben etwas später. Unsere Justiz wird sich aber der These TOO BIG TOO FAIL erinnern und dann wie die US-Richter bei der HSBC auch TOO BIG TOO JAIL konstatieren. Da gibts dann ein paar Bonbons für die Kirch-Erben und ein ernsthaftes Du Du an die DB. Der Staat kassiert schweinische Gerichtskosten wie bei jedem Privatier der sich nicht alles gefallen lässt und damit ist alles wieder gut. Backe backe Kuchen................
3. macht nix....
uezegei 14.12.2012
kann man von der Steuer absetzen
4. ...
deus-Lo-vult 14.12.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bank droht der nächste Rückschlag. Im Kirch-Prozess haben die Richter ihre Einschätzung bestätigt, dass Ex-Bankchef Breuer dem Medienmogul Kirch vorsätzlich geschadet hat. Die Anwälte des Geldhauses stellen sich bereits auf einen kostspieligen Schuldspruch ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kirch-prozess-deutsche-bank-bereitet-sich-auf-niederlage-vor-a-872966.html
Das holt die Deutsche Bank durch die tägliche Abzocke der kleinen Leute ganz schnell wieder rein! Sind bestimmt eh nur Peanuts.
5. Götterdämmerung
tiansworld 14.12.2012
Und wie damals: Der Mensch lebt ohne Götter viel besser! Also, liebe Götter: Zieht euch warm an! Die DÄmmerung hat begonnen.
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