Razzien bei der Deutschen Bank: Fahnder sollen Zufallsfund zu Kirch gemacht haben

Zwei Razzien bei der Deutschen Bank gab es binnen einer Woche - und die hängen offenbar eng zusammen. Laut einem Zeitungsbericht sind Fahnder, die Beweismittel wegen Steuerbetrugs suchten, auch auf Akten zum Kirch-Prozess gestoßen. Also hätten die Ermittler erneut zugeschlagen.

Zentrale der Deutschen Bank: Zwei Razzien binnen einer Woche Zur Großansicht
dapd

Zentrale der Deutschen Bank: Zwei Razzien binnen einer Woche

Hamburg - Selten wurde ein Institut öffentlich so gedemütigt wie die Deutsche Bank Chart zeigen in diesen Tagen kurz vor Weihnachten: Gleich zwei Durchsuchungen innerhalb einer Woche! Bei der ersten ging es offiziell um den Verdacht auf Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Emissionszertifikaten. Bei der zweiten Razzia - die bereits am Mittwoch stattfand, aber erst am Donnerstag bekannt wurde - suchten die Staatsanwälte nach Beweisen in einem anderen Verfahren: Es geht um mögliche Falschaussagen früherer Top-Manager im Prozess um die Pleite des Kirch-Imperiums.

Doch laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") könnten beide Razzien enger miteinander verbunden sein als bislang bekannt. Demnach stießen die Fahnder während ihrer Durchsuchung zum Steuerbetrug vor einer Woche auch auf Akten mit der Aufschrift "Kirch". Diese sollen Beamte dann bei der zweiten Razzia gesichert haben. Laut "SZ" handelt es sich um Akten und E-Mails, die seit einer ersten Durchsuchung im November 2011 hinzugekommen sind, da zwischen der Bank und den Kirch-Erben verschiedene Verfahren laufen. Zudem seien aber möglicherweise auch Akten mitgenommen worden, die bei der Durchsuchung vor einem Jahr übersehen wurden.

Vergangenen Freitag hatte das Oberlandesgericht München die Deutsche Bank zu Schadensersatz an die Kirch-Erben verurteilt. Bis zu 1,5 Milliarden Euro muss das Geldhaus schlimmstenfalls berappen, weil sein früherer Chef Rolf-Ernst Breuer sich 2002 in einem Interview skeptisch über den Zustand des Kirch-Imperiums geäußert hatte. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts hat der Manager die Pleite des Konzerns damit mitverursacht.

In dem Prozess wurden unter anderem der frühere Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der einstige Personalvorstand Tessen von Heydebreck vernommen. Das Gericht verdächtigt sie, damals falsch ausgesagt zu haben - möglicherweise um Breuer zu decken.

Die Beweislage dazu war bislang dünn. Gerichts-Insider machten sich vergangene Woche darüber lustig, dass die Richter ihren Verdacht unter anderem aus einem Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" abgeleitet hätten. Ansonsten gibt es noch ein Vorstandsprotokoll aus dem Jahr 2002, dem die Aussagen der früheren Top-Manager vor Gericht teilweise widersprochen haben sollen.

In dem Protokoll steht zum Beispiel, dass die Deutsche Bank bei der damals noch laufenden Kirch-Sanierung als Vermittler angefragt worden sei. Von wem, ist unklar. Weiter heißt es in dem Protokoll, dass man an Kirch herantreten wolle - mit der Frage, ob er der Bank ein Beratungsmandat erteilen wolle.

Ackermann und die anderen Vorstände sagten vor Gericht etwas anderes aus. Nach ihrer Darstellung hatte der Vorstand keinen Beschluss gefasst, Kirch ein Mandat anzubieten.

Ackermann sagte seinerzeit, dass er als zuständiges Vorstandsmitglied nicht aktiv geworden sei. Man habe Kirch nur dann ein Mandat anbieten wollen, falls eine dritte Partei die Deutsche Bank mandatieren wollte. Im Fall einer Ablehnung durch Kirch hätte man sich dann frei gefühlt, ein Mandat von jemand anderem anzunehmen.

Neben dem Kirch-Prozess und den Ermittlungen wegen Steuerbetrugs kämpft die Deutsche Bank derzeit noch an zahlreichen weiteren Fronten. So muss sie sich gegen den Vorwurf wehren, Kunden bei Hypothekengeschäften in den USA falsch beraten zu haben. In Mailand wurde die Bank am Mittwoch wegen schweren Betrugs in Zusammenhang mit riskanten Zinswetten verurteilt. Teuer könnte auch der Skandal um Manipulationen des weltweiten Referenzzinssatzes Libor werden, wegen dem bereits andere Banken hohe Strafen zahlen mussten. Am Dienstag kippte das Landgericht Frankfurt die Wahl des Chefaufsehers der Bank, Paul Achleitner, und weitere Beschlüsse der letzten Hauptversammlung: Das Rederecht eines Klägers sei auf der Veranstaltung verletzt worden. Dazu ist auch noch Co-Bankchef Jürgen Fitschen in heftige öffentliche Kritik geraten: Er hatte sich beim hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über die erste Durchsuchung der Bank beschwert.

ssu/dab

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Aktien mitgenommen?
mediawireless 20.12.2012
... Zudem seien aber möglicherweise auch Aktien mitgenommen worden, die bei der Durchsuchung vor einem Jahr übersehen wurden. ... Interessant
2. nur gerecht
g.g.green 20.12.2012
Es ist nur gerecht, wenn man das Unternehmen (DB), das immer kassiert hat, wird endlich zur Kasse gebeten. Es ist einfach gerecht gegenüber allen im Namen der „Organisationserhaltung“ (DB) Betrogenen, Manipulierten, Umgetricksten und in Sch… geworfenen. Ich teile auch diese Befriedigung…
3. Kriminelle Organisation
hühnerchef 20.12.2012
Es fragt sich, ob man diesen kriminellen Organisationen derart weitreichende Befugnisse und Kapitalmengen überlassen kann.
4. Mein Mitgefühl
unglaublichaberwahr 20.12.2012
hält sich stark in Grenzen. Ich mag die Deutsche Bank nicht, die Kirch Gruppe nicht, dir Steuerfahnder erst recht nicht, in diesem Fall mache ich aber eine Ausnahme für die Steuerfahnder, Bankster sind viel übler.
5. Kleine Verbesserung:
Ettina 20.12.2012
Zitat von sysopZwei Razzien bei der Deutschen Bank gab es binnen einer Woche - und die hängen offenbar eng zusammen. Laut einem Zeitungsbericht sind Fahnder, die Beweismittel wegen Steuerbetrugs suchten, auch auf Akten zum Kirch-Prozess gestoßen. Also hätten die Ermittler erneut zugeschlagen. Kirch-Verfahren: Staatsanwälte suchen Beweise gegen Deutsche Bank - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/kirch-verfahren-staatsanwaelte-suchen-beweise-gegen-deutsche-bank-a-874188.html)
Es ging nicht um ein Interview für die FAZ, es ging um ein Interview mit Bloomberg. Das brachte den Stein ins rollen. "Die Deutsche Bank ist seit 2002 in gerichtliche Auseinandersetzungen mit Leo Kirch verwickelt: Kirch warf Breuer vor, 2002 durch eine kritische Äußerung in einem TV-Interview mit dem Journalisten Michael Storfner im Nachrichtsender Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe herbeigeführt zu haben. Zitat Breuer: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“ (Auszug aus dem Bloomberg-Interview)." Und, was dazu gehört: Der Springer Verlag hatte zu der Zeit großes Interesse daran, sich von Kirch zu verabschieden.
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