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Klage der US-Börsenaufsicht: Händler sollen Ölpreis manipuliert haben

Haben gierige Händler den Ölpreis nach oben manipuliert? Die US-Marktaufsicht verdächtigt Spekulanten, durch Preistreibereien im Jahr 2008 mehr als 50 Millionen Dollar kassiert zu haben. Ihr System soll verblüffend einfach gewesen sein.

Händler an der New Yorker Börse (Archivbild): Preis auf mehr al 100 Dollar getrieben? Zur Großansicht
AFP

Händler an der New Yorker Börse (Archivbild): Preis auf mehr al 100 Dollar getrieben?

Washington/New York - Die amerikanische Marktaufseher haben den Verdacht, dass am Rohstoffmarkt kriminelle Preistreiber am Werk waren: Ihrer Ansicht nach haben Händler aus den USA, Großbritannien, der Schweiz und Australien Anfang 2008 den Ölpreis nach oben getrieben - mit einem abgekarteten Spiel. Jetzt hat die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Klage beim Bezirksgericht in Manhattan eingereicht.

Die Beklagten sollen von Januar bis April 2008 die New Yorker Rohstoffbörse NYMEX manipuliert haben: Laut CFTC sollen die Firmen am wichtigen US-Ölumschlagplatz Cushing in Oklahoma massenweise Rohöl aufgekauft und so einen künstlichen Mangel erzeugt haben - was die Preise in die Höhe trieb.

Da sich die Märkte weltweit an Cushing orientierten, habe das Öl plötzlich rund um den Globus mehr gekostet, erklärt die CFTC. Die beklagten Firmen hätten das vorausgeahnt - und an der New Yorker Börse Wetten auf steigende Ölpreise abgeschlossen.

Das gleiche Spiel trieben die Firmen nach den Erkenntnissen der CFTC, als sie das Öl in einem Rutsch wieder verkauften. Die Klage wirft den Händlern vor, dass sie vorher Wetten auf fallende Preise abgeschlossen hatten und abermals kassierten. An ihren illegalen Geschäften sollen die Firmen und die dahinter steckenden Personen insgesamt mehr als 50 Millionen Dollar verdient haben.

Nicht der erste Fall

Den Händlern droht nun eine Strafe von insgesamt 200 Millionen Dollar, wenn das Gericht der Ansicht der Marktaufsicht folgt. Die Firmen nahmen zu der Anklage vorerst nicht Stellung.

Der Ölpreis war Anfang 2008 auf mehr als 100 Dollar pro Fass (159 Liter) gestiegen. Verbraucher bekommen solche Preissprünge vor allem an der Tankstelle direkt zu spüren. In den USA war seinerzeit eine Diskussion um eine strengere Regulierung der Märkte entbrannt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rohstoffhändler in die Kritik geraten. So hatte ein einzelner Mann am 29. Juni 2009 ohne Genehmigung seiner Kunden mehr als sieben Millionen Barrel Brent-Öl gekauft. Binnen einer Stunde verteuerte sich der Preis für die Sorte um mehr als zwei Dollar.

Beflügelt wurde der Mann bei seiner Zock-Eskapade offensichtlich von einem Alkoholrausch: Nach Angaben der Finanzmarktaufsicht (FSA) hatte der Broker das Wochenende extrem viel Alkohol getrunken, teilte die FSA mit. Am Dienstag den 29. Juni sei er - immer noch betrunken - am Arbeitsplatz erschienen und habe in großem Umfang Käufe getätigt.

lgr/ssu/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Das eigentliche Problem
fgranna 25.05.2011
"Da sich die Märkte weltweit an Cushing orientierten, habe das Öl plötzlich rund um den Globus mehr gekostet,..." DAS ist doch das kranke daran! Diese komplett von der Realität abgekoppelte "Marktorientierung"...
2. Ist nicht so einfach!
KB1111, 25.05.2011
Der Artikel laesst das Illegale des Tuns nicht erkennen: Wurde gegen Boersenregeln verstossen, ggf. unter Einschaltung von Strohmaennern? Das blosse Kaufen an zwei verschiedenen Maekten kann ja nicht per se verboten sein. Hinzu kommt: Wenn durch Kaeufe der Markt hochgetrieben wurde, zahlt der Kaeufer ja dann zwangslaeufig mindestens in Teilen auch den hoeheren Preis, den er selbst durch seine Nachfrage verursacht, vice versa beim Verkauf. Es kann also schlichtweg nicht sein, an selbst hochgetriebenen Preisen so einfach zu verdienen. Ueblicherweise werden die Kaeufe ja vorher zu guenstigen Preisen abgewickelt und dann auf steigende Kurse gewartet, was man ggf. durch Geruechte, Falschmeldungen etc. beschleunigen kann, oder auch Handeln in Kenntnis eingehender Kundenauftraege, sog. Frontrunning, das waere z.B. illegal. Zum Troste aller Antikapitalisten sei hinzugefuegt: Die angeblich gewonnenen 50 Mio. haben andere sog. Spekulanten in gleichem Umfang wieder verloren, das ist nun mal die Eigenschaft dieser Nullsummenspiele an Terminmaerkten und koennte sich auch mal bis zur SPON-Wirtschaftsredaktion rumsprechen. Wenn man z.B. den Barrelpreis auf 500 USD haben wollte, muessten sich ja entsprechend viele Kaeufer auch auf diesem Niveau finden, um die zu erwartenden Verkaeufe aufzunehmen - bei heutiger Marktlage ausgeschlossen, der sog. Spekulationspreis wird sich immer in einer Bandbreite um den jeweils angemessenen Preis fuer das Wirtschaftsgut bewegen, weil einfach gerade von den Spekulanten niemand verlusttraechtige Mondpreise zahlen will.
3.
ohne_sorge 25.05.2011
Zitat von fgranna"Da sich die Märkte weltweit an Cushing orientierten, habe das Öl plötzlich rund um den Globus mehr gekostet,..." DAS ist doch das kranke daran! Diese komplett von der Realität abgekoppelte "Marktorientierung"...
Na immerhin ist das mal wieder ein Beweis, dass die "Experten" an den Märkten eben doch nur nach irgendwelchen banalen Algorithmen handeln und viele am Ende gar nicht wissen was sie da eigentlich tun. Die machen ihr Business halt so, weil es schon immer so war.
4. Auch dieses Verfahren bleibt Makulatur …
wika 25.05.2011
… denn es ist doch schon fast Usus, dass gerade in den labilen Zeiten, so wie jetzt, das Geld gerne in die Sachwerte strömt und dann selbstverständlich auch dort gerne herumzockt. Anerkannte Gift- und Schrottpapiere sind nur noch bedingt interessant, bieten sie doch beim Crash kaum noch Gegenwert. Mit den Gütern die die Welt braucht ist dass anders, da kann man die Menschheit unendlich ausziehen und gegen die Spekulanten gibt es nur begrenzt Gegenwehr solange wir doch die Freiheit des Geldes zu unser aller Wohl preisen, leider nur die wenigsten es im Millardenbereich für sich umgesetzt bekommen. Also starren wir weiter gebannt wie das Kaninchen auf die Schlange und erleben dabei hautnah wie künftig auch Lebensmittel, Metalle, eben alle Rohstoffe von Wert durch die hier in Kritik stehen Herrschaften wertmäßig veredelt werden. Ob da hernach ein paar oder viele Millionen Menschen verhungern ist eigentlich auch nicht relevant, jedenfalls nicht für die, die noch einige Milliarden auf zu ihren Milliarden hinzu addieren möchten. Insoweit hier noch die Rohstoff-Empfehlung des Tages: Wenden sie sich mal an den Bauern in Ihrer Nachbarschaft und kaufen dort ein paar Tonnen Getreide zum verbrennen. 1 Liter Heizöl = 10 kWh, 2,5 kg Getreide = 10 Kwh … Vorteil beim Verbrennen / verheizen von Getreide fast 50% gegenüber Heizöl gespart. Unterstützen sie die Aktion: * „E10 in den Tank und mit Getreide Heizen - Aktion Brot für den Tank“* … Link (http://qpress.de/2011/03/09/e10-im-tank-und-mit-getreide-heizen/). Überlassen Sie also nicht den Spekulanten das Geschäft, machen sie es selbst in ihrer Nachbarschaft! Seien sie versichert, unsere Politiker (aus Dumm- und Unwissenheit) nebst der Hochfinanz (aus nackter Gier) sind schon dabei die Republik zu verheizen und die Medien werden dafür bezahlt uns dies als marktwirtschaftlichen Fortschritt zu verkaufen … SIE müssen es nur glauben.
5. .
Currywurst 25.05.2011
Zitat von KB1111Der Artikel laesst das Illegale des Tuns nicht erkennen: Wurde gegen Boersenregeln verstossen, ggf. unter Einschaltung von Strohmaennern? Das blosse Kaufen an zwei verschiedenen Maekten kann ja nicht per se verboten sein. Hinzu kommt: Wenn durch Kaeufe der Markt hochgetrieben wurde, zahlt der Kaeufer ja dann zwangslaeufig mindestens in Teilen auch den hoeheren Preis, den er selbst durch seine Nachfrage verursacht, vice versa beim Verkauf. Es kann also schlichtweg nicht sein, an selbst hochgetriebenen Preisen so einfach zu verdienen. Ueblicherweise werden die Kaeufe ja vorher zu guenstigen Preisen abgewickelt und dann auf steigende Kurse gewartet, was man ggf. durch Geruechte, Falschmeldungen etc. beschleunigen kann, oder auch Handeln in Kenntnis eingehender Kundenauftraege, sog. Frontrunning, das waere z.B. illegal. Zum Troste aller Antikapitalisten sei hinzugefuegt: Die angeblich gewonnenen 50 Mio. haben andere sog. Spekulanten in gleichem Umfang wieder verloren, das ist nun mal die Eigenschaft dieser Nullsummenspiele an Terminmaerkten und koennte sich auch mal bis zur SPON-Wirtschaftsredaktion rumsprechen. Wenn man z.B. den Barrelpreis auf 500 USD haben wollte, muessten sich ja entsprechend viele Kaeufer auch auf diesem Niveau finden, um die zu erwartenden Verkaeufe aufzunehmen - bei heutiger Marktlage ausgeschlossen, der sog. Spekulationspreis wird sich immer in einer Bandbreite um den jeweils angemessenen Preis fuer das Wirtschaftsgut bewegen, weil einfach gerade von den Spekulanten niemand verlusttraechtige Mondpreise zahlen will.
In Deutschland wäre es § 20a WpHG: Marktmanipulation
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Schwarzes Gold: Ölförderung rund um den Globus


Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis
Qualität
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.
Sorten
Weltweit gibt es mehrere Dutzend Rohölsorten aus unterschiedlichen Regionen, die unterschiedlich in ihrer Qualität sind. Die Herkunft reicht von Algerien bis Venezuela. Wichtigste Sorten sind die amerikanische Marke West Texas Intermediate (WTI) und das aus 15 Nordseeölfeldern stammende Brent. Hinzu kommen die Rohölsorten aus den Erdöl exportierenden Ländern (Opec), zum Beispiel die Sorte "Arab Light" aus Saudi-Arabien und "Bonny Light" aus Nigeria.
Preise
An den Terminbörsen werden mehrere sogenannte Referenzöle gehandelt mit einem standardisierten Leitwert. Abhängig von ihrer Qualität werden die übrigen Sorten mit einer Prämie oder einem Abschlag zur Leitsorte gehandelt.

Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.

Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.

Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.


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